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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Osterdatum

[Ostern, Osterrechnung, Osterfest]

In der jüdischen Tradition war der Kalender nach babylonischem und ägyptischem Vorbild das entscheidende Merkmal, um die eigene kulturelle Wirklichkeit in ihrer Dauerhaftigkeit nicht nur zu untermauern, sondern auch gegenüber anderen Traditionen zu betonen. Dabei spielte bei den Juden wie im Orient (nicht aber in Ägypten, das sich nach dem Sirius-Stern ausrichtete) die Beobachtung der Frühlingsäquinoktien eine besondere Rolle, um dem eigenen kollektiven Gedächtnis einen Fixpunkt zu geben. Man legte das Pesachfest auf den Tag des ersten Frühlingsvollmondes fest (er wurde und wird immer am 14./15. Nisan gefeiert). In Jahren mit einem Schaltmonat steht der zweite Adar dazwischen, um den Mond- und Sonnenkalender im Gleichgewicht zu halten (das somit alle drei Jahre hergestellt wird, weil das normale Mondjahr 355/356 Tage hat, das mit dem Schaltmonat 384/385).
Von dieser Tradition trennten sich die Christen 325 auf dem Konzil in Nizäa bewusst, als sie den Sonntag, der dem Frühlingsvollmond folgte, als Osterdatum fixierten. Zuvor gab es unter ihnen verschiedene Auffassungen: die Judenchristen bevorzugten die jüdische Tradition, die Christen in Ägypten wollten den 7. April (den Todestag Christi, Ostersonntag wäre dann der 9. April) als fixes Osterdatum und die Christen im übrigen Reich bevorzugten den Sonntag nach dem Vollmond (daher nannte man sie dominicales).
Aus diesem Beschluss hatte sich die Osterrechnung abgeleitet, die zwischen 22. März und 25. April 35 verschiedene Osterdaten zulässt, aber wegen der Fixierung nach dem Vollmond im Frühling keine Wiederholung des Osterfestes innerhalb von 365 Tagen möglich war! Zugleich war dadurch einigermaßen garantiert, dass der christliche Festtag nicht mit dem jüdischen Pesachfest zusammenfiel.
Im 5./6. Jh. entstanden die „Ostertafeln“ (computus paschalis), wobei noch einmal die Mathematiker des Niltales aus dem Schatz ihrer jahrtausende alten Kenntnisse schöpfen konnten (dass jeder Sonnenzyklus 28, der Mondzyklus 19 Jahre umfasste, nach denen sich alle Daten wiederholten). Daher legten sie eine Tafel für 532 Jahre vor = 28 x 19 Jahre. Darüber war man weder in Konstantinopel noch in Rom besonders erfreut, weil man selbst nur einen Zyklus von 84 Jahren errechnet hatte. Die alexandrinischen Mathematiker waren zudem schneller mit dem Problem vertraut, dass die Frühlingsäquinoktien nicht immer auf den 21. März fielen (in Kappadokien etwa um drei Uhr früh, also am 21.3., in Spanien dagegen war das noch der 20.3. kurz vor Mitternacht). Erst Dionysius Exiguus schuf 525 mit seiner Anerkennung der alexandrinischen Tafeln die nötige Klarheit und Sicherheit in den Berechnungen der Reichskirche.
Letztlich ist den Orthodoxen der Zusammenhang zwischen Ostern und Pesach bewusster als den Christen im Abendland. Sie mehr daher mehr Bedacht auf eine klare Abgrenzung vom jüdischen Festtag, der bei den Überlegungen in Rom um 1580 keine Rolle gespielt hatte.