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Franz König

Pro Oriente

Russland:

Moskau: Gedenken an die Opfer des KP-Regimes

Moskau: Gedenken an die Opfer des KP-Regimes

Gottesdienst auf dem Lubjanka-Platz – „Die Kriminellen, die den ‚Roten Terror’ organisiert haben, müssen beim Namen genannt werden"

Moskau, 27.07.11 (poi) Zum Gedenken an die Opfer des KP-Regimes wurde in Moskau auf dem Lubjanka-Platz – direkt vor der einstigen Zentrale des KGB – ein Gedenkgottesdienst abgehalten. Der orthodoxe Erzpriester Wsewolod Tschaplin, der die Synodalabteilung für die Beziehungen zwischen Kirche und Gesellschaft leitet, bedauerte dabei, dass es Kräfte gebe, die dafür eintreten, die KP-Herrschaft und die große Zahl der Opfer zu vergessen. Die Kirche, die Gesellschaft und die überlebenden Opfer der politischen Repression bzw. deren Nachkommen müssten aber alles tun, damit „niemand und nichts“ vergessen wird.

Russland könne nur dann eine gute Zukunft haben, wenn „die Kriminellen, die den ‚Roten Terror’ organisiert haben, die Stalin, Lenin, Trotzkij, Swerdlow“ beim Namen genannt werden, unterstrich der Erzpriester. Wörtlich erklärte Tschaplin: „Wir wissen, dass an den Händen dieser Leute das Blut der schuldlosen Opfer klebte. Die wirklichen oder angeblichen Verdienste der Täter könnten nicht rechtfertigen, was sie getan haben. Unsere Gesellschaft, der Staat und das Volk müssen das nicht nur wissen, sondern es auch aussprechen“.

Aus der Geschichte müssten die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden, so der Erzpriester. Die begangenen Verbrechen seien „moralisch, politisch und gesetzlich“ zu verurteilen. Der „gute Name“ jener Menschen müsse wiederhergestellt werden, die „nur deshalb zu Feinden des Volkes erklärt wurden, weil sie Priester, Aristokraten, Bauern, Kaufleute usw. waren“.

Tschaplin lud zum Gebet für die Ermordeten ein, die für „Zukunft dieses Landes“ gestorben seien. Russland müsse „die Fehler und Verbrechen der Vergangenheit zugeben, sein Gedächtnis und sein Bewusstsein reinigen“ und so eine Nation werden, die durch „das Gesetz von Wahrheit, Frieden und Nächstenliebe“ lebt.

Das Gebäude am Lubjanka-Platz wurde 1898 als Zentrale der russischen „Allgemeinen Versicherungsgesellschaft“ erbaut. Nach der bolschewistischen Machtergreifung 1917 wurde das Gebäude 1920 als Sitz der ersten kommunistischen Geheimpolizei „Tscheka“ beschlagnahmt; auch die Nachfolgeorganisationen NKWD und KGB hatten dort ihren Sitz.