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weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Armen. Katholikos-Patriarch

Karekin II. ist 60

Karekin II. ist 60

Prof. Prokschi überbrachte Glückwünsche aus Österreich: Das Oberhaupt der
armenisch-apostolischen Kirche hatte in Wien katholische Theologie studiert=

Jerewan-Wien, 23.08.11 (poi) Das Oberhaupt der armenisch-apostolischen
Kirche, Katholikos-Patriarch Karekin II., steht aus Anlass seines 60.
Geburtstags im Mittelpunkt von Ehrungen aus dem In- und Ausland. Der
Vizepräsident der Stiftung Pro Oriente, Prof. Rudolf Prokschi, Vorstand
des Instituts für Theologie und Geschichte des christlichen Ostens an der
Katholisch-Theologischen Fakultät Wien und Vorsitzender der Wiener
Diözesankommission für ökumenische Fragen, überbrachte dem
Katholikos-Patriarchen herzliche Glückwünsche. Prokschi war ebenso wie der
heutige Gurker Diözesanbischof Alois Schwarz in den siebziger Jahren
Studienkollege von Karekin II., als dieser auf Einladung von Kardinal Franz
König in Wien katholische Theologie studierte und im Wiener Priesterseminar
wohnte. Der armenische Katholikos-Patriarch ist mit der Stiftung "Pro
Oriente" besonders verbunden. Im November 2005 absolvierte Karekin II. einen
zehntägigen Österreich-Besuch aus Anlass einer Tagung der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften über das 1.600-Jahr-Jubiläum des armenischen
Alphabets. Der Katholikos-Patriarch war damals Gast von Kardinal Christoph
Schönborn und würdigte die besondere Rolle Wiens als eines der geistigen
Zentren der armenischen Diaspora in den letzten 200 Jahren. Kardinal
Schönborn sagte damals seinerseits, das armenische Volk und dessen "aus dem
Bedürfnis der Glaubensunterweisung entstandenes Alphabet und seine große
christliche Tradition" seien etwas wie "ein Brief Christi ins 21.
Jahrhundert".

Bei seinem Österreich-Besuch im Jahr 2005 lud Karekin II. Bundespräsident
Heinz Fischer zu einem Besuch von Etschmiadzin, dem historischen Zentrum der
armenischen Kirche, ein. Zugleich sprach der Katholikos-Patriarch damals bei
einem ökumenischen Abendgebet im Klagenfurter Dom Klartext: Das 20.
Jahrhundert habe für das armenische Volk, das sich Sicherheit, Wahrung der
Menschenrechte und ein friedliches Leben erhofft hatte, mit einem Genozid
begonnen. Die vom jungtürkischen "Komitee für Einheit und Fortschritt"
(Ittihad ve Terakki) gestellte osmanische Regierung habe ab 1915 die Absicht
verfolgt, mit einem "dämonischen Plan" die armenische Frage zu "lösen" und
das armenische Volk völlig zu vernichten. Wie Karekin II. damals weiter
sagte, hätten die Ittihadisten und ihre ideologischen Nachfolger aber nicht
mit dem Glauben und dem Überlebenswillen des armenischen Volkes gerechnet.

Karekin II. (bürgerlicher Name: K. Nersessian) wurde 1954 in der Kleinstadt
Woskehat in der damaligen armenischen Sowjetrepublik geboren. 1965 trat er
in das Seminar von Etschmiadzin ein. 1970 wurde er zum Diakon geweiht, 1972
zum Mönchspriester. Seine Auslandsstudien absolvierte er in Wien, Bonn und
Sergijew Posad (Russland). 1983 wurde er von Katholikos Vasken I. zum
Bischof geweiht und zum Patriarchalvikar für die Diözese Arafat bestellt.
1992 erhielt er den Titel Erzbischof.

Am 27. Oktober 1999 wurde er zum Nachfolger von
Karekin I. gewählt. Weihe und Inthronisation erfolgten am
4. November 1999. Karekin II. ist der 132. Katholikos der armenisch-apostolischen Kirche. Sein Interesse gilt
sowohl der armenischen Diaspora als auch der Ökumene. So war er Gastgeber
Johannes Pauls II. bei dessen Armenien-Visite 2001; im Mai 2008 war der
Katholikos-Patriarch zu Gast bei Papst Benedikt XVI. in Rom.

2006 besuchte der Katholikos-Patriarch die Türkei und bestand auch dort auf
der Anerkennung des von der osmanischen Regierung in Zusammenarbeit mit den
„Mittelmächten“ während des Ersten Weltkriegs zu verantwortenden
Völkermords. 2007 stattete Karekin II. den Vereinigten Staaten einen
Pastoralbesuch ab. Am 10. Oktober 2007 sprach er das Eröffnungsgebet im
Repräsentantenhaus in Washington.

Unter den Gratulanten zum 60. Geburtstag war auch der russische Präsident
Dmitrij Medwedjew. Er unterstrich, dass es Karekin II. gelungen sei, eine
neue Blüte der armenisch-apostolischen Kirche herbeizuführen, "mit dem
Wiederaufbau zahlreicher Kirchen und der Verwirklichung wichtiger Projekte
im Bereich von Bildung und Caritas". Zugleich begrüßte Medwedjew den Einsatz
des Katholikos-Patriarchen für den Frieden im Kaukasus und für die
Verständigung unter den christlichen Kirchen.