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Franz König

Pro Oriente

Orthodoxe Patriarchen

Diskussion über Situation der Christen in Nahost

diskutieren Situation der Christen in Nahost

Bartholomaios I. lud Oberhäupter der Kirchen von Alexandrien, Antiochien, Jerusalem und Zypern zu einer „Synaxis“ nach Istanbul ein – Bei der Versammlung geht es aber auch um die Vorbereitung des „Heiligen und Großen Konzils“ der orthodoxen Kirche

Istanbul, 02.09.11 (poi) Die Situation der Christen im nahöstlichen und nordafrikanischen Raum sowie die Vorbereitung auf das „Heilige und Große Konzil“ der orthodoxen Kirche stehen im Mittelpunkt einer Versammlung („synaxis“) der orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Alexandrien und Jerusalem sowie des Erzbischofs von Zypern, die am Donnerstagabend in der Georgskathedrale im Phanar in Istanbul begonnen hat. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hatte die Oberhäupter jener Kirchen eingeladen, deren „Autokephalie“ (Selbständigkeit) durch eines der Ökumenischen Konzile des ersten Jahrtausends bestätigt worden war. Auch der Patriarch von Antiochien wollte teilnehmen, doch war der 91-jährige Ignatios IV. (Hashim) dann aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, nach Istanbul zu reisen; er wurde durch einen Bischof des Patriarchats von Antiochien vertreten. Bereits vor Eröffnung der Versammlung konzelebrierten die Gäste mit Bartholomaios I. einen Festgottesdienst in der Georgskathedrale aus Anlass des Beginns des orthodoxen Kirchenjahrs (1. September). Der Versammlung in Istanbul waren zwei Treffen der Patriarchen beziehungsweise ihrer Vertreter am 1. August in Jordanien und am 23. August auf Zypern vorangegangen.

Bereits im Einladungsbrief von Bartholomaios I. war angedeutet worden, dass die politischen Entwicklungen im Nahen Osten bei den orthodoxen Christen dieses Raumes Sorge im Hinblick auf die Zukunft ausgelöst hätten. Insbesondere solle daher die „wechselseitige brüderliche Unterstützung“ besprochen werden.

Von großer kirchenpolitischer Bedeutung ist der ebenfalls vorgesehene „Gedankenaustausch über den Fortschritt zum Heiligen und Großen Konzil“ der orthodoxen Kirche. Der Ökumenische Patriarch stellte in seinem Einladungsbrief dazu wörtlich fest: „Im Hinblick auf ihre von Ökumenischen Konzilen bestätigte Autokephalie müssen sich die Kirchen von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien, Jerusalem und Zypern öfter abstimmen, weil sie die gemeinsame Grundlage der orthodoxen Kirche bilden“. Das bedeute aber nicht, die anderen orthodoxen Kirchen von panorthodoxen Entscheidungen auszuschließen, es gehe im Gegenteil darum, die panorthodoxe Einheit zu stützen und zu erleichtern.

Wichtigstes panorthodoxes Thema ist derzeit die Vorbereitung des „Heiligen und Großen Konzils“. Das Engagement des Ökumenischen Patriarchen Athenagoras I. in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. führte zu drei Panorthodoxen Treffen auf Rhodos (1961, 1963, 1964), wo ein vorläufiger Themenkatalog für das Konzil erstellt wurde. Bei einer vierten Panorthodoxen Konferenz, die 1968 im Orthodoxen Zentrum des Ökumenischen Patriarchats in Chambesy (Schweiz) stattfand, wurden ein Sekretariat für die Vorbereitung des „Heiligen und Großen Konzils“ und eine interorthodoxe Vorbereitungskommission gegründet. Die Vorbereitungskommission tagte zum bisher letzten Mal im Februar in Chambesy.

Patriarch Bartholomaios I. soll bereits den Wunsch geäußert haben, dass das Konzil (nach orthodoxer Zählung das 8. Ökumenische Konzil) in Istanbul in der Irenenkirche auf dem Gelände des Topkapi-Palasts stattfinden soll. Dort hatte im Jahr 381 auch das 2. Ökumenische Konzil getagt. Die Irenenkirche diente nach der osmanischen Eroberung zunächst als Waffenlager, 1869 wurde dort ein Osmanisches Reichsmuseum eingerichtet, seit 1973 finden in dem antiken Gotteshaus mit seiner großartigen Akustik klassische Konzerte statt.