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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

80. Geburtstag von „Pro Oriente“-Präsident Marte im Zeichen der Solidarität mit den Christen des Orients

Nuntius Zurbriggen feierte Dankgottesdienst in der Josefskapelle der Hofburg, Festakt mit Erhard Busek und dem Paderborner Theologen Johannes Oeldemann im Oratorium der Nationalbibliothek

Wien, 06.05.15 (poi) Seine innere Verbundenheit mit den leidenden Christen des Nahen Ostens stellte „Pro Oriente“-Präsident Johann Marte am Dienstagabend in den Mittelpunkt seiner Dankworte bei einer Messfeier aus Anlass seines 80. Geburtstags. Der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, feierte den Dankgottesdienst in der Josefskapelle in der Hofburg und überbrachte dem „Pro Oriente“-Präsidenten die Segenswünsche von Papst Franziskus; zugleich verwies der Nuntius darauf, dass der 5. Mai als Tag der Befreiung des KZ Mauthausen für die heutigen und künftigen Generationen einen Appell gegen die Unmenschlichkeit darstelle. Präsident Marte sagte im Hinblick auf die Lesung aus der Apostelgeschichte über die Verfolgung des Paulus, diese Erzählung sei nicht Vergangenheit, sie finde in der Verfolgung der Christen im Orient heute statt. Diese Tatsache sei nur im Glauben an Christus bewältigbar.

Beim anschließenden Festakt im Oratorium der Nationalbibliothek erinnerte „Pro Oriente“-Vizepräsident Prof. Rudolf Prokschi an die vielfältigen Tätigkeiten Johann Martes als Richter, Religionslehrer, Diplomat in Warschau und Moskau, Sektionschef im Wissen-schaftsministerium und Generaldirektor der Nationalbibliothek. Aus Anlass des 80. Geburtstags habe sich die „Pro Oriente“-Familie mit vielen Vertretern aus der Ökumene zu einem Familienfest für Johann Marte versammelt. Kardinal Christoph Schönborn, der bei einem hochrangigen Treffen von Rabbinern und Kardinälen in Galiläa anwesend sein musste, würdigte in einem aus Israel übermittelten Grußwort das „nicht zu überbietende Engagement“ des „Pro Oriente“-Präsidenten für die Ökumene. „Pro Oriente“ sei heute noch aktueller als zum Zeitpunkt der Gründung vor 50 Jahren, dies vor allem angesichts der Bedrohung des Christentums im Orient. Kardinal Schönborn hob hervor, dass es Präsident Marte vor allem auch darum gehe, die junge Generation der Theologinnen und Theologen für „Pro Oriente“ und das ökumenische Anliegen der Stiftung zu gewinnen.

Auch Bundespräsident Heinz Fischer betonte in einem beim Festakt verlesenen Grußwort das vielfältige Engagement von Johann Marte und seine „wichtige Arbeit an der Spitze der Stiftung ‚Pro Oriente‘ mit dem Bemühen, die Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und den Ostkirchen zu fördern“. Im Grußwort des Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, wurde unterstrichen, dass Marte der Mission von „Pro Oriente“ einen neuen Stil und eine persönliche Note verliehen habe. „Pro Oriente“ leiste einen bedeutenden Beitrag „nicht nur für das Leben der Kirche, sondern auch für das Wohl der Gesellschaft, sowohl im Herzen der Europäischen Union als auch in aller Welt“. Der ökumenische Dialog wie auch der Dialog zwischen den Religionen sei der „einzige Weg zu Frieden und Versöhnung“, denn er helfe, „die Einheit und Harmonie der menschlichen Familie wiederzuentdecken“. Marte arbeite mit „einem offenen Herzen und Geist, verbunden mit einer unerschütterlichen Loyalität zur Kirche“ intensiv daran, die „Bande von Geschwisterlichkeit und Freundschaft zwischen den Kirchen zu stärken und die geschichtliche Erinnerung zu heilen“.

„Trennendes“ und „Gemeinsames“

Die Republik sollte sich „noch mehr der Bedeutung von ‚Pro Oriente‘ bewusst“ sein, sagte der frühere Vizekanzler Erhard Busek beim Festakt für Johann Marte. Es gehe darum, sich des „Reichtums der christlichen Konfessionen“ bewusst zu sein, um „Trennendes“ zu wissen und „Gemeinsames“ zu kennen. Präsident Marte verkörpere diese Haltung als „Abendländer“ im guten Sinn, der auch um das „Licht aus dem Osten“ (ex oriente lux) wisse.

Es habe viele „Wegkreuzungen“ zwischen dem Weg Johann Martes, der als Vorarlberger ein „Alemanne in Wien“ geblieben sei, und seinem eigenen Weg gegeben, sagte Busek. Im „kulturellen Auslandsdienst“ habe Marte in Warschau und Moskau nicht nur Kunde von der Kultur in Österreich gebracht, sondern auch eine „Botschaft der Freiheit“ vertreten, getragen von der Bereitschaft, ein Risiko einzugehen. Das alles sei weithin vergessen, „es ist eine Geschichte, die noch nicht geschrieben ist“, so Busek. Als „homme de lettres“ habe Marte in Warschau und Moskau ein von den „europäischen Werten“ getragenes kulturelles Bewusstsein repräsentiert.

Als Heinz Fischer Wissenschaftsminister war, habe er den Namen Martes genannt, um die „monocolore“ Führungsstruktur des Ministeriums vielfältiger zu machen, erinnerte Busek. Als Sektionschef sei Marte dann auch ihm gegenüber, als er das Wissenschaftsressort übernahm, ein „eigener Kopf“ und „hartnäckiger Partner“ gewesen. Es sei wichtig gewesen, die Ideen Martes für den Bereich von Museen und Bibliotheken („Stichwort Museumsmilliarde“) umzusetzen. So sei es gelungen, den Schätzen Österreichs – „die keine Umweltrentabilität brauchen, Kultur hat ihren Eigenwert“ – eine würdige Präsentation zu geben.

Es geht um „persönliche Begegnung“

Der Paderborner Theologe Johannes Oeldemann – durch seine wissenschaftliche Nähe zu Vizepräsident Prokschi und als Konsultor mit „Pro Oriente“ besonders verbunden – arbeitete in seinem Festvortrag „Perspektiven des ökumenischen Dialogs“ (Festvortrag von Dr. Oeldemann [pdf, 343.85 kb]) heraus. Sein Fazit: Wichtiger als alle Reflexion sei in der Ökumene die persönliche Begegnung. Denn die Kirchen hätten sich nicht „auseinander diskutiert“, sondern „auseinander gelebt“. Präsident Marte habe immer wieder darauf verwiesen, dass in der Ökumene die geistliche Dimension entscheidend sei, „die in der persönlichen Begegnung konkret wird“. Für diese Begegnung stelle „Pro Oriente“ die Räume zur Verfügung.

Oeldemann betonte, dass im Hinblick auf die Perspektiven des ökumenischen Dialogs drei Themenkomplexe zu beachten seien: „Primat und Synodalität“, „Theologie und Geschichte“, „Identität und Dialog“. Der Paderborner Theologe erinnerte daran, dass im „Dokument von Ravenna“ der offiziellen orthodox-katholischen Dialogkommission (2007) erstmals auch von orthodoxer Seite (allerdings in Abwesenheit der Repräsentanten des Moskauer Patriarchats) die Notwendigkeit eines „Ersten“ auf universalkirchlicher Ebene anerkannt worden sei. In der Folge sei es aber zu einem innerorthodoxen Streit gekommen, als versucht wurde, die Position des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel nicht mehr als „Erster unter Gleichen“, sondern als „Erster ohnegleichen“ zu beschreiben. Jedoch habe das Dokument von Ravenna im orthodoxen Bereich zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Primat und im katholischen Bereich zu einer ebenso intensiven Beschäftigung mit der Synodalität geführt. Oeldemann zitierte in diesem Zusammenhang einen orthodoxen Beobachter, der die außerordentliche Bischofssynode zum Thema Familie von 2014 als „Paradebeispiel von Synodalität“ bezeichnete.

Zum Spannungsverhältnis von Theologie und Geschichte erinnerte Oeldemann daran, dass christlicher Glaube „ohne geschichtlichen Bezug“ nicht denkbar sei. Notwendig sei eine kritisch-offene Auseinandersetzung mit den Ergebnissen kirchengeschichtlicher Forschung, mit den Licht-und Schattenseiten der kirchlichen Geschichte.

Im Hinblick auf das Verhältnis von Identität und Dialog mahnte der deutsche Theologe das Prinzip des Gesprächs auf Augenhöhe (in der Formulierung des Zweiten Vatikanischen Konzils: „par cum pari“) ein. Freilich müsse man sich die Frage stellen, ob dieses Prinzip – 50 Jahre nach der Tilgung der wechselseitigen Bannsprüche zwischen Rom und Konstantinopel – auch im orthodoxen Bereich überall akzeptiert wird. In diesem Zusammenhang müsse man sich auch die Frage nach dem Ziel der Ökumene stellen. (ende)

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