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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

„Ein ökumenischer Pionier, der die Einheit der Kirche Christi zur wohlklingenden Symphonie macht“

„Pro Oriente“-Empfang zum 25. Jahrestag der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Stiftung an den armenisch-apostolischen Erzbischof Mesrob Krikorian – Salzburger Ostkirchenexperte Prof. Winkler stellte wissenschaftlichen und ökumenischen Ertrag der Lebensarbeit Krikorians dar

Wien, 19.05.15 (poi) Als einen „jener ökumenischen Pioniere, die mit höchstem theologischem und historischem Sachverstand die Fähigkeit besitzen, die eigene große kirchliche Tradition in das Konzert der Ökumene einzubringen, damit die Einheit der Kirche Jesu Christi eine wohlklingende Symphonie werden kann“, hat der Vorsitzende der Salzburger „Pro Oriente“-Sektion, Prof. Dietmar W. Winkler, den Wiener emeritierten armenisch-apostolischen Erzbischof Mesrob Krikorian gewürdigt. Erzbischof Krikorian stand am Montagabend im Mittelpunkt eines „Pro Oriente“-Empfangs im Salvatorianer-kloster St. Michael gegenüber der Wiener Hofburg; Anlass war der 25. Jahrestag der Verleihung der „Pro Oriente"-
Ehrenmitgliedschaft an den aus Aleppo stammenden armenischen Theologen und Bischof. Prof. Winkler zitierte ein Wort von Kardinal Franz König, der Krikorian als einen „Arbeiter der ersten Stunde im ökumenischen Weinberg“, als den „Anreger des Wiener Dialogs mit den orientalisch-orthodoxen Theologen“ und als einen „Ermutiger vieler ökumenischer Initiativen“ bezeichnet hatte. Was Krikorian wissenschaftlich erarbeitet habe, werde von einer neuen Theologen-Generation rezipiert und gebraucht, was Krikorian ökumenisch gesät habe, bringe weiterhin Frucht, so Prof. Winkler. An dem Empfang nahmen u.a. der armenisch-apostolische Patriarchaldelegat P. Tiran Petrosyan, der armenisch-katholische Mechitharistenabt P. Paul Kodjanian, Weihbischof Franz Scharl als Vertreter von Kardinal Christoph Schönborn, der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura, „Pro Oriente“-Präsident Johann Marte und sein Stellvertreter Prof. Rudolf Prokschi und als Repäsentant der „Pro Oriente"- Gründergeneration Generaldirektor i.R. Adolf Bayer teil.

In seiner Laudatio für Mesrob Krikorian stellte Prof. Winkler drei Aktivitäten des armenisch-apostolischen Erzbischofs in den Vordergrund – als „Vermittler der armenischen Tradition und Theologie“, als „Promotor des inoffiziellen ökumenischen Dialogs von ‚Pro Oriente‘ mit den orientalisch-orthodoxen Theologen“ und als „erfahrener und versierter Ökumeniker der armenisch-apostolischen Kirche im offiziellen Dialog“. Winkler schilderte, wie er Mitte der achtziger Jahre während seines Theologiestudiums in Graz Krikorian das erste Mal hörte und fasziniert war von der armenischen Kirche mit ihrer reichen Geschichte und ihrem tiefen spirituellen und theologischen Erbe. Krikorian gehöre zu den großen Gelehrten seiner Kirche, unterstrich der Salzburger Ostkirchenfachmann und erinnerte an die wissenschaftlichen und ökumenischen Erfahrungen Krikorians an der School of Oriental Studies der englischen Durham University und im Zentralkomitee bzw. in der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung („Faith and Order“) des Weltkirchenrats in Genf. Dabei habe Krikorian aber nie seine Wiener Gemeinde vergessen, auf seine Initiative konnte der damals schon fast hundertjährige Wunsch der Wiener Armenier nach einem eigenen Gotteshaus erfüllt werden: In der Kolonitzgasse im 3. Bezirk wurde die Kirche St. Hripsime im armenischn Stil errichtet und 1968 vom damaligen Katholikos Vasken I. geweiht.

1970 habe Krikorian dann seine Erfahrungen aus dem 1967 begonnenen inoffiziellen theologischen Dialog zwischen den Kirchen der byzantinischen Orthodoxie und den orientalisch-orthodoxen Kirchen in den „Pro Oriente“-Vorstand eingebracht, berichtete Prof. Winkler. Msgr. Otto Mauer sei begeistert gewesen, so kam es zu den inoffiziellen theologischen Dialogen zwischen katholischen und orientalisch-orthodoxen Theologen in Wien. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die u.a. zur „Wiener Christologischen Formel“ führte, die in vielen offiziellen Übereinkünften zwischen Päpsten und orientalischen Patriarchen ihren Niederschlag fand. Krikorian, ab 1986 Bischof, sei aber auch in vielen anderen ökumenischen Bereichen engagiert gewesen: Bei der „Ökumenischen Morgenfeier“ des ORF, im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), im Weltkirchenrat, im Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen, als Gastdelegierter seiner Kirche bei römischen Bischofssynoden, in wissenschaftlichen Gesellschaften, bei der Revidierung des katholischen Ostkirchenrechts usw.

Erzbischof Krikorian habe aber auch beim 2004 begonnenen offiziellen theologischen Dialog der römisch-katholischen Kirche mit der gesamten Familie der orientalisch-orthodoxen Kirchen wesentlich mitgewirkt. Für die Katholiken habe Krikorian in diesem Dialog eine „theologisch versierte, ökumenisch erfahrene, wissenschaftlich fundierte, zwischenkirchlich aufgeschlossene und besonnene Stimme“ bedeutet. Prof. Winkler wörtlich in diesem Zusammenhang: „Herr Erzbischof, Sie werden dort insgesamt sehr vermisst“.

Gedenken an Alfred Stirnemann

Vor dem Empfang hatte die Stiftung „Pro Oriente“ bei einer von Prof. Prokschi geleiteten Messfeier in St. Michael ihres vor 15 Jahren verstorbenen ersten Generalsekretärs und späteren Präsidenten Alfred Stirnemann gedacht. Prof. Prokschi sagte in seiner Predigt, die Christen seien von der Überzeugung getragen, dass die Kirche „trotz aller Irrwege und Sackgassen“ von Gottes Geist geführt wird. Auch für „Pro Oriente“ gehe es darum, sich immer wieder dem Geist zu öffnen.

Als junger Priester sei er Stirnemann bei den großen ökumenischen Besuchsreisen des „Pro Oriente“-Kuratoriums ins Heilige Land und nach Russland begegnet, erinnerte sich Prokschi. U.a. habe ihn sehr beeindruckt, wie Stirnemann im armenischen Jerewan die Bedeutung der spirituellen Dimension für den ökumenischen Dialog akzeptiert habe.

Präsident Marte sagte in den Fürbitten, Kardinal Franz König habe als Gründer von „Pro Oriente“ mit Alfred Stirnemann einen Mitstreiter gefunden gehabt, der seine vielseitigen Kenntnisse, aber auch ein Gespür für politische Zusammenhänge mitbrachte. Das sei 1964 besonders wichtig gewesen, weil dem Herzensanliegen Kardinal Königs, die Spaltung von Ostkirche und Westkirche zu überwinden, auch die politische Nachkriegsordnung und mannigfache außertheologische Ursachen im Wege standen.

Das Ökumenismusdekret des Zweiten Vatikanischen Konzils habe einen mutigen historischen Aufbruch in den Beziehungen der katholischen Kirche zu den anderen christlichen Kirchen gebracht, so Marte. Stirnemann habe davon gesprochen, dass die Arbeit von „Pro Oriente“ sich zu einem echten Abenteuer gestaltete, das Mut und Leidenschaft für die Sache erforderte. Mut und Leidenschaft seien auch heute notwendig, um die ökumenische Müdig-
keit des offiziellen orthodox-katholischen Dialogs zu überwinden und ohne Ängste den Weg des Miteinanders im Blick auf Jesus Christus weiter zu gehen.

In den Fürbitten wurde auch daran erinnert, dass der ökumenische Dialog durch die „ungeheure Bedrängnis für die Christen des Nahen Ostens“ überschattet ist. Durch Vertreibung, Diskriminierung und Verfolgung stehe das zweitausendjährige christliche Erbe in seiner Urheimat vor der Gefahr der Auslöschung. „Pro Oriente“ sei insbesondere durch die Entführung der beiden Metropoliten von Aleppo, Mar Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi, unmittelbar betroffen. (ende)

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