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Franz König

Pro Oriente

Trauer um den armenisch-katholischen Patriarchen Nerses Bedros XIX.

Der unierte Patriarch hatte sich intensiv um die Sammlung der zerstreuten armenisch-katholischen Gläubigen bemüht

Beirut, 26.06.15 (poi) Die armenisch-katholische Kirche trauert um Patriarch Nerses Bedros XIX. Der unierte Patriarch starb am 25. Juni im Jeitaoui -Kranken-
haus in Beirut, wohin er nach einem Herzstillstand gebracht wurde, der ihn in der Patriarchenresidenz ereilt hatte. Nerses Bedros XIX. stand im 76. Lebens-
jahr. Er hatte sich einer Knieoperation unterziehen müssen und verbrachte gerade eine Erholungsphase in der Patriarchenresidenz oberhalb von Beirut.

Der Patriarch wurde als Boutros Taza (später: Tarmouni) 1940 in Kairo geboren. Seine Schulausbildung absol-vierte er in den Schulbrüder-Instituten der ägyptischen Hauptstadt, Theologie studierte er in Rom an der Gregoriana. 1965 wurde er zum Priester geweiht, anschließend war er in armenisch-katholischen Pfarrgemeinden Kairos tätig, 1990 erfolgte seine Ernennung zum armenisch-katholischen Bischof von Alexandrien. Am 7. Oktober 1999 wurde er zum Patriarchen der armenisch-katholischen Kirche gewählt.

Nerses Bedros XIX. war zuletzt am 12. April in die Öffentlichkeit getreten, als Papst Franziskus im römischen Petersdom einen Gottesdienst feierte, bei dem der armenische Heilige Gregor von Narek zum Kirchenlehrer erhoben wurde und der Papst zugleich des 100. Jahrestags des Beginns des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich gedachte. Im Hinblick auf die wütenden Reaktionen aus Ankara sagte der Patriarch damals in einem Interview mit der vatikanischen Nachrichtenagentur „Fides“, dem Papst gehe es nicht darum, „mit“ den Armeniern „gegen“ die Türken zu sein. Wörtlich betonte Nerses Bedros XIX.: „Der Blick des Papstes umfasst die ganze Welt. Er bringt jene Menschlichkeit zum Ausdruck, die wir alle teilen müssten. Das Gedenken und die Verurtei-
lung der Schrecken der Vergangenheit dienen dazu, eine Wiederholung dieser Dinge zu verhindern, obwohl sie in vielen Teilen der Welt, angefangen vom Nahen Osten, wieder geschehen“.

Papst Franziskus drückte in einem Kondolenztelegramm seine tiefe Betrof-fenheit über den plötzlichen Tod des armenisch-katholischen Patriarchen aus, mit dem er gerade bei der Erhebung des Heiligen Gregor von Narek so eng zusammengearbeitet habe. Nerses Bedros XIX. sei ein Priester gewesen, der sich unermüdlich im Dienst der Gemein-
den eingesetzt habe, für die er verant-wortlich war. Der Patriarch sei ein großer Seelsorger und Zeuge seiner Kirche gewesen. Der armenische Staatspräsi-
dent Serge Sarkissian betonte seiner-seits, Nerses Bedros XIX. habe eine „unschätzbare Rolle“ bei der Bewahrung der armenischen Identität in der Diaspora, bei der Intensivierung des spirituellen und kulturellen Lebens und bei der Entwicklung der Beziehungen zwischen der Diaspora und der armeni-
schen Republik gespielt.

Der armenisch-katholische Patriarch hatte nach seiner Wahl viele Pastoralreisen unternommen, um die verstreuten armenisch-katholischen Gläubigen wieder zu sammeln. U.a. besuchte Nerses Bedros XIX. Polen, die Ukraine, Schweden, den Iran, Syrien, Jordanien, Israel, Brasilien, Uruguay und Argen-
tinien. Im Februar 2002 entsandte er einen armenisch-katholischen Priester nach Moskau, der sich um die vielen armenischen Katholiken in der russischen Hauptstadt kümmern sollte. Der Patriarch unterstützte den Wiederaufbau des während des 20. Jahrhunderts schwer in Mitleidenschaft gezogenen armenisch-katholischen Schulwesens und erreichte 2001 – aus Anlass des 1.700-Jahr-
Jubiläums der Taufe Armeniens – die Seligsprechung des armenisch-katho-
lischen Märtyrer-Erzbischofs von Mardin, Ignace Maloyan, der 1915 vom jung-
türkischen Polizeipräsidenten der anatolischen Stadt erschossen worden war. Im Jahr 2006 besuchte Nerses Bedros XIX. als erster armenisch-katholischer Patriarch das Gebiet von Berg-Karabach (Arzach). Der Besuch hatte einen besonderen historischen Hintergrund, weil in Arzach ebenso wie im benachbarten, heute azerbaidscha-
nisch verwalteten Gebiet Nachitschewan viele Jahrhunderte die armenischen Dominikaner („Fratres Unitores“) tätig waren. (ende)