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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Ökumene: Kardinal Schönborn betont Rolle der Freundschaft

Erster „Sumnmer Course“ von „Pro Oriente“ im Wiener Kardinal-König-Haus – „Patristische Studien als Basis und Quelle der Ökumene“

Wien, 29.06.15 (poi) Die Bedeutung der Freundschaft von Theologen für die Ökumene unterstrich Kardinal Christoph Schönborn am Sonntagabend bei der Eröffnung des ersten „Pro Oriente“-Sommerkurses. Der „Summer Course“ im Wiener Kardinal-König-Haus soll jungen, ökumenisch interessierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Möglichkeiten zur internationalen und interdisziplinären Vernetzung bieten und den Austausch unter ihnen fördern. Nach der Gründung der „Kommission junger orthodoxer und katholischer Theologinnen und Theologen“ im Oktober 2011 setzt „Pro Oriente“ damit eine zweite Initiative, um im wissenschaft-lichen Nachwuchs die Leidenschaft für die Ökumene neu zu entfachen.

Kardinal Schönborn erinnerte an das Bedauern von Metropolit Meliton von Chalkedon, dass die nachfolgenden Generationen die „Erfahrung der Gemeinschaftlichkeit und Freundschaft“, die beim Zweiten Vatikanischen Konzil zwischen orthodoxen und katholischen Theologen und Bischöfen gewachsen war, nicht weitergetragen hätten. Heute gehe es wieder um „wirkliche Freundschaften“ zwischen Orthodoxen und Katholiken über die theologische Fachdiskussion hinaus, betonte der Wiener Erzbischof.

Der erste „Summer Course“ beschäftigt sich mit den „Patristischen Studien als Basis und Quelle der Ökumene“ am Beispiel der Lehre über den Heiligen Geist in den ersten fünf Jahrhunderten der Christenheit. Kardinal Schönborn schilderte vor den jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, wie die Beschäftigung mit den Kirchenvätern seinen eigenen theologischen Werdegang geprägt hatte. Einen besonderen Zugang zur „lebendigen Gegenwart des Denkens der Kirchenväter“ habe ihm die „lebens-prägende Begegnung“ mit P. Andre Scrima (1925-2000) erschlossen. Der aus Rumänien stammende orthodoxe Theologe hatte als Vertreter des Ökumenischen Patriarchen Athenagoras I. am Zweiten Vatikanischen Konzil teilgenommen. Von besonderer Bedeutung war für den späteren Wiener Erzbischof im Jahr 1968 dann die Begegnung mit dem Benediktiner P. Olivier Rousseau (1898-1984). Der Benediktiner aus dem Kloster Chevetogne hatte beim Zweiten Vatikanischen Konzil die französischsprachigen Journalisten betreut und eng mit den melkitischen griechisch-katholischen Bischöfen kooperiert. Als ihm Schönborn in den dramatischen Tagen des Jahres 1968 mitteilte, dass er sich intensiv mit den griechischen Kirchenvätern befasse, sagte P. Rousseau lapidar: „Dann bist du gerettet“.

Kardinal Schönborn unterstrich, dass er junge Leute zum Studium der Kirchenväter ermutigen wolle, um deren oft überraschende Aktualität zu entdecken. Bibel, Konzilien und Kirchenväter seien die drei Säulen des ökumenischen Dialogs, betonte der Wiener Erzbischof und fügte hinzu: „Wahrheit ohne Freundschaft ist zu hart, Freundschaft ohne Wahrheit zu weich“. Immer gehe es um „die persönliche Begegnung und das Ringen um Wahrheit“.

„Pro Oriente“-Präsident Johann Marte betonte bei der Eröffnung des „Summer Course“, dass in die Ökumene, „Bewegung“ gebracht werden müsse. „Pro Oriente“ bleibe dem Gründungsauftrag von Kardinal Franz König treu, sich für das Gespräch zwischen orthodoxer und katholischer Kirche einzusetzen und gleichzeitig einen Beitrag für die Einheit Europas zu leisten. Die Leiterin des „Pro Oriente“-General-sekretariats, Regina Augustin, verwies auf die Impulse zur Einrichtung des Sommerkurses aus dem Kreis der Konsultorinnen und Konsultoren der Stiftung. Während der „Summer Course“ heuer im Zeichen der Patristik steht, werde er sich 2016 mit der Situation des ökumenischen Dialogs und 2017 mit dem Verhältnis von Theologie und Geschichte beschäftigen.

Referierende beim „Summer Course“ sind Prof. Theresia Hainthaler (Philosophisch-Theologische Hochschule St.Georgen/Frankfurt), Prof. Pablo Argarate (Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Graz) und Prof. Volker Henning Drecoll (Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen). Die Workshops werden von den jungen Theologinnen und Theologen Nino Sakvarelidze, Ioan Moga und Fr. Frank Ewerszumrode OP geleitet. Die wissen-schaftliche Gesamtleitung haben der Leiter des Fachbereichs für Theologie und Geschichte des christlichen Ostens an der Katholisch-Theologischen Fakultät Wien (und „Pro Oriente“-Vizepräsident) Prof. Rudolf Prokschi und seine Assistentin MMag. Andrea Riedl. (forts mgl)

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