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Franz König

Pro Oriente

Abschluss des „Pro Oriente“-Forschungsprojekts über die Kirchenunion in Siebenbürgen

Historisch-theologische Forschungsgruppe aus den fünf historischen Kirchen Siebenbürgens erarbeitete gemeinsame Darstellung der dramatischen geschichtlichen Vorgänge von 1697 bis 1761

Wien, 08.05.16 (poi) Der Abschluss des „Pro Oriente“-Forschungsprojekts über die Union (eines Teils) der Siebenbürger Rumänen mit der Kirche von Rom wird am 9./10. Mai in Wien begangen. Am Abend des 10. Mai findet um 19 Uhr im Otto-Mauer-Zentrum (1090 Wien, Währinger Straße 2-4) eine öffentliche Veranstaltung über das bahnbrechende Forschungsprojekt statt, bei der „Pro Oriente“-Präsident Johann Marte und die Experten Viorel Ionita, Laura Stanciu und Nikolaus Rappert referieren. „Pro Oriente“-Partner bei der Veranstaltung sind die Österreichisch-Rumänische Gesellschaft und das Forum „Zeit und Glaube“ des Katholischen Akademikerverbands der Erzdiözese Wien.

Die griechisch-katholische (unierte) Kirche in Rumänien war nach der erzwungenen Abdankung König Michaels und der kommunistischen Machtergreifung 1948 verboten worden und konnte nur in den „Katakomben“ weiterwirken. Gotteshäuser und kirchliche Einrichtungen übereignete das kommunistische Regime der orthodoxen Kirche des Landes. Nach der „Wende“ im Jahr 1989 mit dem Sturz Ceausescus wurde in Rumänien die griechisch-katholische Kirche wieder zugelassen.
In der Folge kam es zu schwerwiegenden Auseinandersetzungen zwischen der orthodoxen Kirche und der wieder legal tätigen katholischen Kirche des byzantinischen Ritus. Schon die Entstehung der unierten Kirche in Rumänien wurde ausschließlich auf den politischen Druck der neuen habsburgischen Machthaber nach dem Ende der osmanischen Oberhoheit über das politisch stark protestantisch geprägte Fürstentum Siebenbürgen zurückgeführt. „Pro Oriente“ gründete im Jahr 2001 eine gemischtkonfessionelle und interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die auf Grundlage der Quellen eine gemeinsame Darstellung der Geschichte der Unionsbewegung in Siebenbürgen erarbeiten sollte.

Die Fakten des für beide Seiten schmerzhaften Kapitels der Siebenbürger Kirchenunion an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert waren zwar bekannt, sie wurden jedoch in den Geschichtsbüchern immer wieder einseitig behandelt. Auf Anregung des lange Zeit in Wien wirkenden Kirchenhistorikers Prof. Ernst Christoph Suttner kam die Stiftung „Pro Oriente“ zur Überzeugung, dass es für eine ekklesiologische Beurteilung der Union hilfreich wäre, eine auf wissenschaftlichen Methoden basierende gemeinsame Sicht der historischen Vorgänge zu erarbeiten. Eine Forschungsgruppe von rund 20 Historikerinnen und Historikern sowie Theologinnen und Theologen wurde gebildet, alle historischen Kirchen des siebenbürgischen Raumes – orthodoxe Kirche, griechisch-katholische Kirche, katholische Kirche des lateinischen Ritus, evangelisch-lutherische Kirche, evangelisch-reformierte Kirche - waren vertreten. Ziel des Projektes war eine von den beteiligten Konfessionen gemeinsam anerkannte Beschreibung der Anfänge, der Ausbreitung und der Durchsetzung der Union eines Teils der Rumänen in Siebenbürgen mit der römisch-katholischen Kirche und den Widerständen gegen diese Union. Die Forschungsgruppe bemühte sich um eine ausgewogene und von den betroffenen Kirchen anerkannte Geschichtsschreibung der Ereignisse der Jahre 1697 (habsburgische Machtübernahme in Siebenbürgen) bis 1761 (Einsetzung eines Bischofs für die nicht-unionswilligen Siebenbürger Rumänen).

Die Forschungsergebnisse wurden in zwei doppelsprachig (deutsch und rumänisch) erschienenen Bänden zusammengefasst (im Band 2 findet sich auch der englischsprachige Beitrag des US-amerikanischen Historikers Keith Hitchins über „The Court of Vienna and the Two Romanian Churches in Transylvania“ mit rumänischer Übersetzung). Band 1 behandelt die Entwicklung von den Anfängen bis 1701, Band 2 setzt sich mit der Zeitspanne von 1701 bis 1761 auseinander. Im Vorwort zum Band 2 stellte Präsident Marte abschließend fest: „Mit der Stiftung ‚Pro Oriente‘ hoffe ich, dass die langjährigen – auch von Gebet begleiteten – Bemühungen zur Verständigung zwischen allen Beteiligten zur Versöhnung zwischen der orthodoxen Kirche und der griechisch-katholischen Kirche beitragen mögen und das aus Gegnerschaft Freundschaft werde, so wie wir sie in unserer Arbeitsgruppe selbst erleben durften“. (ende)