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Franz König

Pro Oriente

Siebenbürgen-Projekt der Stiftung „Pro Oriente“ als „Pionierleistung“ gewürdigt

An dem 15 Jahre dauernden kirchenhistorischen Projekt über die Union eines Teils der Rumänen in Siebenbürgen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wirkten 21 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit - Prof. Ionita: „Durch die Arbeit an diesem Projekt sind konfessionsübergreifende Freundschaften entstanden“

Wien, 11.05.16 (poi) Als „Pionierleistung“ werde das „Pro Oriente“-Forschungsprojekt über die Union (eines Teils) der Siebenbürger Rumänen mit der Kirche von Rom international gewürdigt, hieß es am Dienstag bei der Abschlussveranstaltung in Wien. Der rumänisch-orthodoxe Theologe (und langjährige Studiendirektor der „Konferenz Europäischer Kirchen“/CEC) Prof. Viorel Ionita stellte das Forschungsprojekt in den größeren Zusammenhang der Entwicklung der Beziehungen zwischen rumänisch-orthodoxer Kirche und katholischer Kirche, die nach der „Wende“ zunächst sehr gespannt waren. Eine positive Veränderung sei beim 12. „Internationalen Gebetstreffen für den Frieden“ (Assisi-Folgetreffen) der Gemeinschaft Sant’Egidio in Bukarest 1998 eingetreten. Beide Kirchen seien motiviert gewesen, einen Dialog zu führen. Das habe dann auch den Start des „Pro Oriente“-Forschungsprojekts über Siebenbürgen möglich gemacht. Prof. Ionita, der von Anfang an dabei war, würdigte insbesondere die Initiative von Prof. Ernst Christoph Suttner, der gleichsam der „spiritus rector“ des Projekts gewesen sei, aber auch den unermüdlichen Einsatz von „Pro Oriente“-Präsident Johann Marte.

Durch das Siebenbürgen-Projekt von „Pro Oriente“ seien konfessionsübergreifende „Freundschaften entstanden“, unterstrich Prof. Ionita. Auf sachlicher Ebene sei man so weit gekommen, dass es jetzt eine gemeinsam anerkannte Geschichtsschreibung über die Vorgänge zwischen 1699 und 1761 gibt, als nach dem Eintritt Siebenbürgens in die habsburgische Machtsphäre die griechisch-katholische Kirche entstand. Freilich gebe es noch keine „gemeinsame Kirchengeschichte“, wie sie etwa für die Schweiz von katholischer und reformierter Kirche erstellt wurde. Die Beiträge zu den beiden Dokumentationsbänden des Projekts „Die Union der Rumänen Siebenbürgens mit der Kirche von Rom“ stünden noch allein in der Verantwortung der Autorinnen und Autoren. Eine „gemeinsame Kirchengeschichte“ wäre ein „gewaltiger Beitrag zur Versöhnung“, so der rumänisch-orthodoxe Theologe. Er hoffe, dass es „eines Tages dazu kommt“.

Die griechisch-katholische Theologin Prof. Laura Stanciu – die in Alba Juli lehrt – hob hervor, dass das „Pro Oriente“-Projekt bahnbrechend war: „Es hat uns erstmals in der Geschichte zusammengeführt“. Es sei von der Bereitschaft geprägt gewesen, den jeweils anderen zu hören. Die Erfahrungen aus dem Projekt hätten sich auch für die Arbeit an der Universität als sehr profitabel erwiesen.

„Pro Oriente“-Präsident Marte unterstrich, dass kaum ein Vorhaben der Stiftung so umfangreich war wie das Siebenbürgen-Projekt. Am Anfang habe es Sorge über die institutionellen und finanziellen „Hürden“ gegeben – angefangen von der Frage, ob das rumänisch-orthodoxe Patriarchat mitmachen würde -, später sei klar geworden, dass die wesentlichen „Hürden“ im Zusammenhang mit den Vorurteilen und Stereotypen auf allen Seiten geistiger Natur waren. Im Verlauf des Projekts habe man viel lernen können, die Atmosphäre habe sich verändert, das Verhältnis sei freundschaftlich-familiär geworden. Einmal mehr habe sich die Bedeutung der Begegnung für das Wachstum der ökumenischen Beziehungen gezeigt. In vielen Reaktionen sei „Pro Oriente“ mitgeteilt worden, dass das Siebenbürgen-Projekt zur Klarheit über die damaligen Ereignisse und zur Überwindung von Vorurteilen und überkommenen Standpunkten beigetragen habe.

Der stellvertretende Leiter der Wiener Universitätsbibliothek, Nikolaus Rappert, teilte als Mitglied des Redaktionskomitees bei der Abschlussveranstaltung mit, dass das Projekt 15 Jahre gedauert habe: 21 Autorinnen und Autoren arbeiteten mit, fünf wissenschaftliche Kongresse wurden abgehalten, die beiden Dokumentationsbände umfassen 47 wissenschaftliche Artikel mit insgesamt 1.200 Seiten. Beide Bände seien auch als PDF online gestellt worden, sodass die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auseinandersetzung über die kirchlichen Vorgänge im Siebenbürgen der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch in der digitalen Welt präsent seien.

Rappert verwies darauf, dass es durch die Arbeit am Siebenbürgen-Projekt von „Pro Oriente“ gelungen sei, zählebige Irrtümer und Missverständnisse auszuräumen. Als Beispiel nannte er die Geschichte um eine angebliche bedingungsweise („sub conditione“) katholische Wiederweihe eines orthodoxen Bischofs, der sich zur Union entschlossen hatte, im Jahr 1701. Diese Geschichte habe sich in vielen historischen Werken gefunden. Aber bei der Nachforschung in den Archiven in Wien – hier sollte die Wiederweihe über die Bühne gegangen sein – stellte sich heraus, dass dieses vielkommentierte Ereignis nie stattgefunden hatte. (ende)