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Franz König

Pro Oriente

Ökumenisches Patriarchat: Heiliger Synod erwählte wieder einen Metropoliten von Izmir (Smyrna)

Der letzte Metropolit der ionischen Hafenstadt starb 1922 nach der Eroberung durch kemalistische Truppen als Märtyrer

Istanbul, 01.09.16 (poi) Der Sekretär des Heiligen Synods der Kirche von Konstantinopel, Archimandrit Bartholomaios Samaras, wurde von der Synode zum Metropoliten von Smyrna (Izmir) erwählt. Damit gibt es zum ersten Mal seit dem Exodus der griechischen (aber auch der armenischen und der „levantinischen“) Bevölkerung aus der Hafenstadt im Jahr 1922 wieder einen orthodoxen Metropoliten von Smyrna. Der Rektor der einzigen noch bestehenden orthodoxen Pfarrkirche in der Stadt, Archimandrit Kyrillos Sykis, wurde zugleich zum Titularbischof und Bischofsvikar erwählt.

In den griechischen Kirchenmedien wurde im Zusammenhang mit der Erwählung von Metropolit Bartholomaios Samaras an den in Griechenland, aber auch in der Diaspora als heiliger Märtyrer verehrten Metropoliten Chrysostomos (Kalafatis) erinnert, der bei der Eroberung der Stadt durch die kemalistischen Truppen ermordet wurde. Chrysostomos Kalafatis wurde 1867 in Triglia in Bithynien geboren. Er entschloss sich in jungen für das Mönchtum und studierte an der Theologischen Hochschule auf der Insel Halki. 1902 erwählte ihn der Heilige Synod von Konstantinopel zum Metropoliten von Drama, das damals noch osmanisch war. Der neugewählte Metropolit entwickelte zahlreiche soziale und kulturelle Initiativen, erbaute Kirchen, Spitäler, Kindergärten und Sportanlagen; es kam aber auch zu Auseinandersetzungen mit dem bulgarischsprachigen Bevölkerungsanteil. 1907 wurde er von den osmanischen Behörden aus Drama verbannt. Aber schon drei Jahre später, 1910, erfolgte seine Wahl zum Metropoliten von Smyrna, damals die zweitwichtigste Stadt des Osmanischen Reiches und eine der modernsten Industrie- und Handelsmetropolen des Mittelmeer-Raumes mit überwiegend christlicher Bevölkerung. In der türkisch-islamischen Agitation trug das der Stadt den Übernamen „Gavur Izmir“ (heidnisches Smyrna) ein.

Als 1914 – noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs - die ersten Verfolgungsmaßnahmen des jungtürkischen „Komitees für Einheit und Fortschritt“ (Ittihad ve Terakki) gegen die griechischsprachige Bevölkerung der ionischen Küstenregion Kleinasiens einsetzten, wurde der Metropolit zum Sprecher der hellenischen Bevölkerung beim Diplomatischen Corps und den internationalen Medien in Konstantinopel. Das trug ihm im August 1914 eine neuerliche Verbannung ein, diesmal musste er sich in die Hauptstadt Konstantinopel zurückziehen.
Erst in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs konnte Metropolit Chrysostomos nach Smyrna zurückkehren. Nach der griechischen Besetzung der Stadt am 2. Mai 1919 nahm der Metropolit seine kirchliche und kulturelle Tätigkeit wieder auf, seine Sozialinitiativen kamen aber auch der armenischen und der muslimischen Bevölkerung zugute. Seine politischen Ambitionen wurden allerdings von der griechischen Administration nicht geschätzt.

Als der griechisch-türkische Krieg dem Ende zuging und die kemalistischen Truppen die Stadt eroberten, weigerte sich der Metropolit, aus Smyrna zu flüchten und seine Gläubigen ihrem Schicksal zu überlassen. Metropolit Chrysostomos wurde noch am Tag des türkischen Einmarsches – 9. September 1922 – zum kemalistischen Befehlshaber Nureddin Pascha vorgeladen. Als er das Hauptquartier verließ, stürzte sich der türkische Mob auf ihn und zerrte den Metropoliten in einen nahegelegenen Frisiersalon, wo er stundenlang gemartert und verstümmelt wurde. Ein Trupp französischer Soldaten, der eingreifen wollte, wurde von seinem Kommandanten, der sich auf den Befehl zur strikten Neutralität berief, mit gezogener Pistole am Eingreifen gehindert. Der Mob verschleppte den schwer verletzten Metropoliten schließlich in eine schmale Gasse im Stadtteil Cheshmeli, wo er seinen Verletzungen erlag. (ende)