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Franz König

Pro Oriente

Israel: Schwieriger Schulbeginn für christliche Schulen

Für 33.00 Schülerinnen und Schüler ist nicht klar, ob sie das Schuljahr bis zum Ende besuchen werden – Bischof Marcuzzo bemängelt Nichteinhaltung der finanziellen Zusagen der Jerusalemer Regierung

Jerusalem, 03.09.16 (poi) Im Heiligen Land drücken die Schülerinnen und Schüler seit 1. September wieder die Schulbänke: Doch für 33.000 von ihnen ist nicht klar, ob sie das Schuljahr bis zum Ende besuchen werden. Es handelt sich um jene Kinder und Jugendliche, die an einer der 47 christlichen Schulen in Israel eingeschrieben sind. Die israelische Regierung hatte versprochen, den Schulen finanziell beizustehen, aber bisher ist kein Geld in die Schulkassen geflossen, wie der in Nazareth residierende Weihbischof und Patriarchalvikar Giacinto Boulos Marcuzzo im Gespräch mit „Radio Vatikan“ erklärte. In den vergangenen sechs Jahren hätten die christlichen Schulen mehr als die Hälfte der israelischen Staatshilfen verloren und ohne dieses Geld werde es schwierig sein, die Einrichtungen aufrecht zu halten.

„Wir haben vor genau einem Jahr mit der israelischen Regierung ein Abkommen abgeschlossen, mit dem sie uns finanzielle Unterstützung versprochen hatte. Dieses Abkommen wurde bis heute nicht umgesetzt. Das ist schlimm. Es ging vor allem um zwei wichtige Punkte: Erstens hätte das israelische Bildungsministerium uns 50 Millionen US-Dollar überweisen sollen. Dieses Geld hätte unsere bisherigen Finanzierungslücken zum Teil ausgleichen sollen. Insgesamt fehlen uns mehr als 200 Millionen US-Dollar. Ein zweiter Punkt betrifft künftige Projekte. Es wurde uns versprochen, dass wir Projekte unterbreiten sollten, die dann vom Bildungsministerium finanziert würden. Bisher haben wir davon auch nichts gesehen“.

Die Direktoren der christlichen Schulen in Israel kamen am Samstag in Nazareth zu einer Krisensitzung zusammen. Ob es erneut zu einem Streik wie vor einem Jahr kommt, scheint offen. Bei dem Schulstreik vor einem Jahr hatten die staatlichen Behörden den christlichen Privatschulen vorgeschlagen, sich ins israelische Schulsystem zu integrieren. Diese hatten abgelehnt mit der Begründung, sie könnten dabei ihr Profil verlieren (auf Grund anhaltender Budgetkürzungen waren die christlichen Schulen im September 2015 in einen 28-tägigen Streik getreten. Nach finanziellen Zusagen des Bildungsministeriums war es zu einer Einigung gekommen und der Streik beendet worden).

„Wir haben für die Schuleinrichtungen fast keine Spenden, weil alle wissen, dass der israelische Staat auch die privaten Schulen mitfinanziert. Doch das ist nur die Theorie, in der Praxis sieht es eben anders aus. Deshalb sind wir sehr dankbar für die Unterstützung der katholischen Hilfsorganisationen, die uns unter die Arme greifen. Wir hoffen, dass zumindest von dieser Seite eine finanzielle Hilfe kommt. Zumindest hoffen wir darauf, solange dieser Konflikt mit dem Bildungsministerium anhält“, so Bischof Marcuzzo.

Wie der neue Schulbeauftragte des lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Pater Iyad Twal, am Donnerstag im Gespräch mit der deutschen katholischen-Nachrichtenagentur KNA betont hatte, drohe den landesweit 47 kirchlichen Privatschulen mit 33.000 Schülerinnen und Schülern und 3.000 Lehrern der finanzielle Kollaps. Zum einen seien die staatlichen Zuschüsse für diese Schulen in den vergangenen sechs Jahren um 45 Prozent heruntergefahren worden. Zum anderen sei die vom israelischen Bildungsministerium nach einem Schulstreik vom Herbst 2015 zugesagte Nachzahlung bis heute nicht eingegangen. Der Staat habe nicht nur die Zuschüsse für die christlichen Schulen reduziert, er habe auch deren Möglichkeit eingeschränkt, Schulgeld von den Eltern zu erheben. Das sei doppelt belastend. (forts mgl)