Pro Oriente Logo

Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Chaldäische Synode tagt in Erbil: Seligsprechung von Märtyrern und Auswanderungsbewegung im Mittelpunkt

Patriarch Mar Louis Raphael Sako nahm zur letzten Nummer des „Daesh“-Terroristenmagazins „Dabiq“ Stellung, in dem das Christentum attackiert wird und Morddrohungen gegen Papst Franziskus ausgestoßen werden: „Eine Propaganda-Strategie, um den Westen zu erschrecken; das eigentliche Ziel sind die gemäßigten Muslime, die eingeschüchtert werden sollen“

Bagdad, 08.09.16 (poi) Die Seligsprechung der chaldäischen Märtyrer, Pastoral- und Hilfsprogramme für Flüchtlinge , die Auswanderungsbewegung der Christen und die Wahl eines neuen Bischof für die chaldäische Eparchie im kalifornischen San Diego stehen auf der Tagesordnung der von 21. bis 28. September bevorstehenden Synode der chaldäisch-katholischen Kirche in Erbil, der Hauptstadt der autonomen kurdischen Region des Irak.. Ausführlich soll auch die umstrittene Frage der Zukunft der Ninive-Ebene nach der Befreiung vom IS (Daesh)-Terror behandelt werden. Der chaldäisch-katholische Patriarch Mar Louis Raphael Sako hat in einer Verlautbarung die chaldäischen Gläubigen in aller Welt um ihr Gebet ersucht, damit die Synodenväter “erleuchtet” werden und die Beratungen in Erbil zu fruchtbaren Ergebnissen führen. Bei den geplanten Seligsprechungen geht es um die Märtyrer des vom jungtürkischen „Komitee für Einheit und Fortschritt“ (Ittihad ve Terakki) im Osmanischen Reich verursachten Völkermords an den Christen der syrischen Tradition in den Jahren 1915 bis 1923 sowie um die Märtyrer der Zeit ab 2004 mit Erzbischof Paulos Faraj Rahho an der Spitze, der 2008 von Islamisten entführt und ermordet worden ist.

Patriarch Mar Louis Raphael Sako hat inzwischen ausführlich zur letzten Nummer des „Daesh“-Terroristenmagazins „Dabiq“ Stellung genommen, in der das Christentum im allgemeinen, Papst Franziskus im besonderen (mit Morddrohungen) und darüber hinaus alle dialogbereiten Muslime attackiert werden. Für den chaldäischen Patriarchen steht dahinter der Versuch, Druck auf die internationale Gemeinschaft auszuüben. Die Propaganda-Strategie der Terroristen bediene sich der Gestalt des Papstes, um sich Gehör zu verschaffen.
In dem wirren Terroristenblatt – dessen Inhalt auch auf englisch im Internet kursiert – wird dargelegt, warum die Muslime nach Ansicht des selbsternannten „Kalifen“ die „Kreuzfahrer“ hassen und bekämpfen müssen. U.a. wird auch die barbarische Ermordung des 86-jährigen französischen Priesters Jacques Hamel durch zwei 19-jährige Franzosen kabylischer Herkunft geschildert. Die Hasstiraden gegen den Papst werden auch mit seinen Dialoginitiativen in Richtung der gemäßigten Muslime begründet, u.a. durch ein Bild, das den Papst im Gespräch mit dem Großimam der Al-Azhar, Ahmad M. al-Tayyeb, zeigt. Der Großimam wird in diesem Zusammenhang als „Apostat“ bezeichnet, weil er das Christentum eine „Religion des Friedens“ genannt habe.

„Die Terroristen wollen den Westen erschrecken, indem sie die Gestalt des Papstes benützen“, sagte der chaldäisch-katholische Patriarch im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“: „Die Dschihadisten machen keinen Unterschied zwischen dem laizistischen Staat und der christlichen Religion, weil es für sie keinen Unterschied zwischen Politik und Religion gibt. Sie träumen von einer theokratischen Nation auf der Basis des Islam und sie machen einen Grundfehler: Sie meinen, dass auch die Christen mit dem Vatikan einen theokratischen Staat hätten“. Der Papst sei aber nicht das „wahre Ziel“ der „Daesh“-Attacken, mit den Angriffen auf ihn gehe es nur um Propaganda. Das wahre Ziel seien Repräsentanten des offiziellen gemäßigten Islam wie Großimam al-Tayyeb. Die Drohungen der Dschihadisten seien eine der Ursachen, warum islamische Autoritäten Angst hätten, sich offen gegen die IS-Terroristen und deren verbrecherische Taten auszusprechen.

Mar Louis Raphael Sako machte darauf aufmerksam, dass die IS-Terroristen eine „globale Gefahr“ darstellen. Auch wenn sie als militärische Kraft besiegt werden können, würden sie noch lange als Ideologie weiterwirken. Es gebe eine präzise Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, vor allem der USA und Russlands, „denn in Washington und Moskau weiß man sicher genau, wer die IS-Terroristen finanziert und woher ihre Waffen kommen“. Zugleich appellierte der Patriarch an die Muslime, eine „mutige und klare Haltung“ gegenüber den IS-Terroristen und deren aus dem Zusammenhang gerissenen Koran-Zitaten einzunehmen. Es sei notwendig, in den islamisch dominierten Ländern das Bildungsniveau anzuheben, jenen Medien (einschließlich der „social media“) entgegenzutreten, die die extremistische Ideologie verbreiten und den Muslimen zu helfen, durch Begegnung und Dialog die Wahrheit über das Christentum kennenzulernen, denn oft wüssten sie über das Christentum nur aus einzelnen Koran-Versen Bescheid. (ende)