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Franz König

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Jerusalem: Neues Kinderzentrum für katholische Arbeitsmigranten und Flüchtlinge

Das Zentrum St. Rachel im Stadtteil Talbieh hilft bei der Betreuung der kleinen Kinder unter drei, kümmert sich aber auch um Lernhilfe für größere Kinder, die israelische Schulen besuchen und bietet auch Jugendlichen und jungen Erwachsenen Raum

Jerusalem, 12.09.16 (poi) Um den katholischen Arbeitsmigranten und Flüchtlingen in Jerusalem bei der Betreuung ihrer Kinder zu helfen, hat das für die hebräischsprachigen Gläubigen zuständige Vikariat St. Jakob des Jerusalemer lateinischen Patriarchats jetzt in der Heiligen Stadt das St. Rachel-Zentrum eröffnet. Dort werden jeden Tag 25 Kinder unter drei Jahren von 7.30 Uhr bis 17.30 Uhr betreut, von 13.30 Uhr bis 18 Uhr können bis zu 40 größere Kinder ihre Schulaufgaben machen.

Die Betreuung der Kinder ist eines der schwierigsten Probleme für die katholischen Arbeitsmigranten (die vor allem aus Rumänien, Indien und von den Philippinen kommen) und für die Flüchtlinge (die meisten aus Eritrea). Die Zuwanderer arbeiten lang, beide Ehepartner sind berufstätig; in ihrer Note haben viele Eltern auf die Dienste illegaler Kinderbetreuungseinrichtungen in gefährlichen und überfüllten Räumlichkeiten mit nicht ausgebildetem Personal zurückgegriffen. In den letzten 18 Monaten wurden nach Angaben aus dem Patriarchat sieben Todesfälle von Migranten-Kindern in den Südbezirken von Tel Aviv registriert. Als Gegenmaßnahme hat das Patriarchat in Jerusalem und Tel Aviv professionell geführte Kinderbetreuungseinrichtungen eröffnet, als letztes vor wenigen Tagen das St. Rachel-Zentrum im Jerusalemer Stadtteil Talbieh in einem Komplex, der den Kapuzinern gehört. Der Umbau wurde durch die Unterstützung der Grabesritter und anderer christlich orientierter Hilfsorganisationen ermöglicht.

In die Konzeption des St. Rachel-Zentrums wollte man von vornherein auch ein Angebot für die größeren Migranten-Kinder integrieren, die israelische Schulen besuchen. Sie erhalten Lernhilfe und werden bei der Bewältigung der Hausaufgaben unterstützt, bei denen ihnen die eigenen Eltern wegen fehlender Ivrit-Kenntnisse nicht behilflich sein können. Außerdem erhalten sie auch Katechismus-Unterricht.
Schließlich gibt es auch ein Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene katholischer Konfession und hebräischer Umgangssprache. Die jungen Leute kommen jeweils am Freitagabend zusammen, um zu spielen, zu diskutieren und Glaubensthemen zu vertiefen. Das Vikariat St. Jakob möchte den jungen Leuten auf diese Weise helfen, ihre katholische Identität in der weithin säkularen israelischen Gesellschaft zu entwickeln.

Das Zentrum ist bewusst einer der großen Frauengestalten des Ersten Testaments gewidmet, die als Heilige Rachel auch von den hebräischsprachigen Katholiken des Heiligen Landes sehr verehrt wird. Eine neue italienische monastische Kommunität hat für das Zentrum in Talbieh eine Ikone der „Matriarchinnen des Ersten Testaments“ geschrieben, auf der auch Rachel zu sehen ist. (ende)