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Franz König

Pro Oriente

Wien: Interreligiöse Konferenz "Heute gerecht leben"

„Institut für Religion und Frieden“ und Johannes-Messner-Gesellschaft laden katholische, orthodoxe und schiitische Theologen und Philosophen zu Überlegungen über Ordnungskonzeptionen ein – Brückenschlag zwischen Wien und Teheran auf dem Hintergrund der großen Dialoginitiativen des Religionstheologischen Instituts St. Gabriel

Wien-Graz, 17.09.16 (poi) Unter dem Titel „Heute gerecht leben“ findet von 19. bis 22. September in Wien eine christlich-islamische Dialogkonferenz statt, die auf dem Hintergrund der großen Dialoginitiativen des Religionstheologischen Instituts St. Gabriel wieder eine Brücke zwischen Wien und Teheran zu schlagen versucht. Die weltweit beachteten Initiativen wurden vom Gründer des des 1991 ins Leben gerufenen Religionstheologischen Instituts St. Gabriel, P. Prof. Andreas Bsteh SVD, in Gang gesetzt; er hat in dem 2013 erschienenen Band „Geschichte eines Dialogs“ die Dialoginitiativen von St. Gabriel (dem Sitz des österreichischen Zweigs des Missionsordens „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“/SVD) dokumentiert.

Die Dialogkonferenz „Heute gerecht leben“ wird vom „Institut für Religion und Frieden“ und von der Johannes-Messner-Gesellschaft veranstaltet. Die Tagung unter dem Ehrenschutz von Militärbischof Werner Freistetter findet im Haus der Militärseelsorge (Stranzenberggasse 9b, 1130 Wien) statt. Teilnehmen sollen katholische, orthodoxe und schiitische Theologen und Philosophen. Die Konferenz widme sich den Fragen zu Ordnungskonzeptionen aus katholischer, orthodoxer und schiitischer Tradition, heißt es in der Ankündigung. Ziel sei ein interreligiöser Vergleich von Sichtweisen, die für ein respektvolles Zusammenleben relevant sind und Perspektiven für künftige Kooperationen eröffnen.

Am Mittwoch, 21. September, findet um 17 Uhr am Tagungsort ein Pressegespräch statt. Als Gesprächspartner stehen dabei der orthodoxe Theologe Ioan Moga von der rumänisch-orthodoxen Kirche, Taher Amini von der Al Mustafa Universität in Qom (Iran) und der Präsident der Messner-Gesellschaft, Msgr. Johannes Klinger, zur Verfügung.

„Pro Oriente“-Graz war im Iran

Im Sommer hatte auch die Grazer Sektion der Stiftung „Pro Oriente“ eine Iran-Initiative durchgeführt. An der gemeinsam mit der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Graz organisierten „ökumenischen und interreligiösen Kulturreise“ nahmen 36 Personen teil, unter ihnen der Ehrenvorsitzende der Grazer „Pro Oriente“-Sektion, em. Prof. Philipp Harnoncourt, Bischofsvikar Hermann Glettler und der evangelische Pfarrer Manfred Perko. Geplant und geleitet wurde die Reise vom Vorsitzenden des Interreligiösen Beirates der Diözese Graz-Seckau und Hochschulprofessor an der KPH Graz, Markus Ladstätter.

Der Vorsitzende der Grazer „Pro Oriente“-Sektion, Peter Piffl-Percevic, verwies in seinem Bericht auf die Vielfalt der Eindrücke, in denen zugleich die religiöse Pluralität des Iran sichtbar wurde: Schiitische Moscheen, armenische und chaldäische Kathedralen, jüdische Synagogen, zoroastrische Feuertempel. Beeindruckt zeigten sich die Gäste aus Österreich von den Zeugnissen der altpersischen Kultur in Persepolis und von den Gräbern der altiranischen „Könige der Könige“ in Naqsch-e Rostam und Pazargade. Als „emotionalen Höhepunkt“ der Reise bezeichnete Piffl-Percevic den Besuch im rund 20 Kilometer von der Stadt Maku (iranisches Azerbaidschan) entfernten armenischen St. Thaddäus-Kloster (Surp Tadeos Vank), dem bedeutendsten christlichen Sakralbau im Iran, die Kirche des Klosters gilt als die älteste der Welt. Der 5.600 Meter hohe Berg Ararat mit seinen schneebedeckten steilen Abhängen in der Ferne der nördlichen Nachbarländer Türkei und Armenien habe gleichsam den Weg zum St. Thaddäus-Kloster gewiesen. Überaus informativ seien die Begegnungen und Gespräche beim Empfang in der österreichischen Botschaft in Teheran gewesen. Botschafter Friedrich Stift hatte hierzu auch den chaldäisch-katholischen Erzbischof von Teheran, Ramzi Garmou, eingeladen.

Bischofsvikar Glettler führte mit dem Erzbischof ein Gespräch, das auszugsweise im steirischen „Sonntagsblatt“ wiedergegeben wurde. Erzbischof Garmou machte deutlich, dass die Christen im Iran solange vom islamischen Staat „geduldet und mehr oder weniger auch geschützt“ werden, als sie sich „ruhig verhalten und in ihren Gemeinschaften bleiben“. „Freiheit kann man das allerdings nicht nennen“, so Garmou.

Jede missionarische Tätigkeit sei im islamischen Staat unter Androhung der Todesstrafe verboten. Niemand kenne freilich die Zahl der geheim konvertierten und getauften Iraner. Evangelikale Gemeinschaften seien geschlossen worden, weil sie sich nicht an das Missionsverbot gehalten hatten. Ihre Aktivität gehe aber im Untergrund weiter. Garmou: „In den ‚Hauskirchen´ sammeln sie geheim jene, die nach dem Glauben an Christus fragen“.

Vor den Gästen aus Österreich sagte der chaldäische Erzbischof aber auch sehr deutlich: „Ich bete, dass Europa seine christlichen Wurzeln wieder entdeckt. Die Muslime betrachten Europa als einen christlichen Kontinent. Leider sieht man davon nicht viel, wenn man Europa besucht“. In bestimmten Ländern des Orients gebe es eine direkte Verfolgung von Christen, in Europa aber die gefährliche „indirekte, nicht gewaltsame“ Form der Verfolgung innerhalb der etablierten Wohlstandsgesellschaft. In Europa habe sich eine Kultur breit gemacht, die „Gott unter dem Vorwand einer totalen Freiheit aus den Herzen der Menschen entfernt“. Er hoffe, dass von den aus dem Orient in Richtung Westen emigrierenden Christen Europa „wieder wachgerufen wird und damit der müden gewordene Kontinent seine christliche Dimension und Mission wieder entdeckt“. (forts mgl)