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Franz König

Pro Oriente

Syrisch-orthodoxe Christen solidarisch mit Kardinal Schönborn

Chorepiskopos Aydin erinnert daran, dass auch der Nahe Osten ursprünglich ganz christlich war – „Europa darf seine christlichen Wurzeln nicht vergessen und muss den Worten Jesu folgen, auch im Umgang mit den ‚Anderen‘“

Wien, 23.09.16 (poi) Die syrisch-orthodoxen Christen in Österreich stellen sich voll hinter die Äußerungen von Kardinal Christoph Schönborn am Fest Maria Namen, bei dem er im Wiener Stephansdom die rhetorische Frage gestellt hatte, ob es einen „dritten Versuch der islamischen Eroberung Mitteleuropas“ (nach 1529 und 1683) geben werde. Dies betonte der syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin im Gespräch mit dem „Pro Oriente“-Informationsdienst. Für manche Mitteleuropäer könnten die Äußerungen des Kardinals überraschend geklungen haben, „aber für uns orientalische Christen sind sie sehr verständlich“, sagte Aydin. Der Nahe Osten – von Palästina bis Anatolien, von Syrien bis Mesopotamien und Persien – sei ursprünglich ganz christlich gewesen, „das erste Gebiet der Mittelmeerwelt, das zur Gänze christlich wurde“. Nach der Entstehung des Islam hätte dann die innere Uneinigkeit der orientalischen Christen (zum Beispiel im Patriarchat von Antiochien) dazu beigetragen, dass die Christen unter dem Druck der neuen islamischen Obrigkeit immer weniger wurden, weil viele sich entschlossen, „lieber das Glaubensbekenntnis Mohammeds zu rezitieren statt die Sondersteuer für die Christen zu zahlen“.

Auf dem Hintergrund dieser historischen Erfahrung seien die orientalischen Christen daher sehr sensibel, wenn es Anzeichen für islamische Expansionsgelüste gebe, betonte der Chorepiskopos. Aydin erinnerte daran, dass viele Repräsentanten der syrisch-orthodoxen Kirche in Europa Entwicklungen vorausgesagt hätten, die jetzt allgemein beklagt würden: „Aber man hat uns nicht zugehört, man hat uns nicht geglaubt“. Die syrisch-orthodoxen Christen seien mit dem Kardinal ganz eins, dass Europa seine christlichen Wurzeln nicht vergessen dürfe, dass es darum gehe, das Evangelium in den Alltag zu übersetzen und den Worten Jesu über die Nächstenliebe zu folgen, „auch im Umgang mit den ‚Anderen‘“.

Chorepiskopos Aydin betonte, dass die syrisch-orthodoxen Christen keinerlei Abneigung gegen die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten hätten: „Wir betrachten sie als unsere Brüder und Schwestern“. Mit Entschiedenheit seien die syrisch-orthodoxen Christen aber gegen alle Versuche islamistischer Gruppierungen, in der europäischen Öffentlichkeit „aufzutrumpfen“. Aydin wörtlich: „Wir möchten, dass in Europa, aber auch im Nahen Osten, in unserer Urheimat, gleiche Bürgerrechte für alle herrschen, gleiche Rechte und gleiche Pflichten. Alles andere ist gegen die Menschenrechte und gegen die Demokratie“. (ende)