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Franz König

Pro Oriente

„Peres träumte davon, dass der Friede möglich ist“

Apostolischer Administrator des lateinischen Patriarchats Jerusalem, Erzbischof Pizzaballa, würdigt aus persönlicher Kenntnis den verstorbenen israelischen Altpräsidenten

Jerusalem, 28.09.16 (poi) Shimon Peres ist mit 93 gestorben, „aber er ist jung gestorben, weil er nie seine Fähigkeit zu träumen verloren hat, seine Entschlossenheit, etwas zu tun. Seinem Volk hinterlässt er diese Einladung: Nicht aufzuhören, daran zu denken und davon zu träumen, dass der Friede möglich ist“. Mit diesen Worten gedachte der Apostolische Administrator des lateinischen Patriarchats Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, des verstorbenen israelischen Altpräsidenten. Im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR unterstrich Pizzaballa, der in seiner Zeit als Franziskaner-Kustos des Heiligen Landes öfter mit Peres zusammengetroffen war, vor allem die Fähigkeit des verstorbenen Präsidenten, „Schwierigkeiten zu überwinden, um zum Ziel zu gelangen“. Das sei zum Beispiel auch beim Friedensgebet in den vatikanischen Gärten am 8. Juni 2014 der Fall gewesen, zu dem Papst Franziskus gemeinsam mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. sowohl Peres als auch den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas eingeladen hatte. Peres habe diese Begegnung gewollt, auch wenn seine Umgebung dagegen gewesen sei, erinnerte sich Pizzaballa, der gleichsam der Regisseur des Ereignisses vom 8. Juni 2014 war. Peres habe einfach gesagt: „Wir machen weiter“. Er sei von „gelassener Entschlossenheit“ gewesen, seine Idee der Begegnung und des Dialogs voranzubringen.

Die Haltung der Entschlossenheit habe auch die politischen Entscheidungen des Präsidenten charakterisiert, betonte Erzbischof Pizzaballa. Im Laufe seines Lebens habe Peres seine Positionen verändert und das sei „unvermeidbar“ gewesen, wenn man sich „den so komplexen Kontext der israelischen Politik vor Augen hält“. Aber in den letzten 25 Jahren sei Peres immer ein Unterstützer des Dialogs und der Begegnung gewesen, „er war überzeugt, dass die militärische Lösung nicht mehr praktikabel ist“. Der frühere israelische Präsident sei ein guter Verhandler gewesen, „vielleicht viel weniger charismatisch als Rabin“, aber das mindere nicht seine Stärke. Das Verhältnis zu Mahmud Abbas sei „herzlich“ gewesen; er habe selbst mehrfach feststellen können, dass die beiden Politiker menschlich einander nahe waren, betonte der Erzbischof.

Auch der Vikar des Patriarchats für Jerusalem und Palästina, Weihbischof William Shomali, würdigte Präsident Peres. Der verstorbene Altpräsident sei „ein Mann des Dialogs zwischen Religionen und Kulturen“ gewesen, so Shomali: „Er war ein Mann des Friedens und wir beten dafür, dass es in Israel wieder solche Männer geben wird, denn wir brauchen Männer wie ihn in diesen Zeiten“.

Während seiner langen politischen Karriere war Peres (israelischer Staatspräsident von 2007 bis 2014) drei Päpsten begegnet: Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus. Zuletzt traf er mit Papst Franziskus am vergangenen 20. Juni im Vatikan zusammen. Im Oktober 2010 antwortete er im Gespräch mit der katholischen Zeitschrift “Trenta Giorni” auf die Frage nach den Beziehungen zwischen Israel und dem Heiligen Stuhl: “Die Beziehungen sind heute die besten seit 2.000 Jahren. Seit der Zeit Jesu haben wir nie bessere Beziehungen unterhalten”. (forts mgl)