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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Syrisch-orthodoxe Synode appelliert an die internationale Gemeinschaft

Forderung nach „ernsthaften Bemühungen“ um „sofortige friedliche Lösungen“ für die Konflikte im Nahen Osten und konsequentem Einsatz für die Befreiung der beiden entführten Metropoliten von Aleppo

Beirut, 04.10.16 (poi) Der Heilige Synod des syrisch-orthodoxen Patriarchats von Antiochien hat die internationale Gemeinschaft dringend aufgefordert, „ernsthaft nach sofortigen friedlichen Lösungen“ für die Konflikte im Nahen Osten zu suchen und sich konsequent für die Befreiung der beiden entführten Metropoliten von Aleppo, Mar Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi, einzusetzen. Die entsprechende Erklärung wurde zum Abschluss der Vollversammlung des Heiligen Synods veröffentlicht, die unter dem Vorsitz von Patriarch Mar Ignatius Aphrem II. im Yacoub Baradeus-Kloster in Atchaneh im Libanon stattgefunden hatte. Die in Atchaneh versammelten syrisch-orthodoxen Metropoliten aus dem Nahen Osten und der weltweiten Diaspora appellierten an die internationalen Organisationen, alles zu tun, damit die orientalischen Christen in ihrer Heimat bleiben und in Würde leben können. Der Heilige Synod betonte sowohl die Bedeutung der ökumenischen Beziehungen mit den anderen Christen als auch die Notwendigkeit der Vertiefung des christlich-islamischen Dialogs, um „friedliche Koexistenz auf der Basis der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung“ zu erreichen. Demnächst sollen bei einer Konferenz der syrisch-orthodoxen Kirche unter Beteiligung von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Experten die aktuelle Situation und die Zukunft der Christen im Nahen Osten, insbesondere auch der Angehörigen der syrisch-orthodoxen Kirche, analysiert und Lösungsvorschläge erarbeitet werden.

Im Hinblick auf die Situation im Libanon forderten die syrisch-orthodoxen Bischöfe die Parlamentarier auf, nach mehr als zweijähriger Vakanz endlich einen neuen Staatspräsidenten zu wählen. Zugleich erneuerten sie die Forderung nach Berücksichtigung der syrisch-orthodoxen Christen im neuen Wahlgesetz. Scharfe Kritik übten die Bischöfe an der neuen irakischen Verfassung, in der die Christen der syrischen Tradition nicht als eigene Ethnie anerkannt werden, was auch für die neuen Identitätskarten gelte. Dieses Unrecht sei zu korrigieren, Parlament und Regierung in Bagdad müssten die Christen der syrischen Tradition als „essenziellen Bestandteil des irakischen Volkes“ anerkennen.

Ausführlich beschäftigten sich die Mitglieder des Heiligen Synods mit der Entwicklung des monastischen Lebens in der syrisch-orthodoxen Kirche. Die Klöster etwa im Tur Abdin gehören zu den ältesten monastischen Niederlassungen der Christenheit weltweit.

Trotz des Appells an die syrisch-orthodoxen Gläubigen, in den nahöstlichen Heimatländern zu bleiben, richtete auch der Patriarch an die Metropoliten in der Diaspora die Bitte, den syrisch-orthodoxen Flüchtlings- und Migrantenfamilien bei der Integration in der neuen Heimat behilflich zu sein.

Bei der feierlichen Liturgie zum Abschluss der Vollversammlung des Heiligen Synods war der für Österreich und die Schweiz zuständige Metropolit Mar Dionysios Isa Gürbüz einer der Konzelebranten des Patriarchen.

Ein Zeichen für das verstärkte ökumenische Miteinander der Kirchen im Nahen Osten war der Besuch des syrisch-katholischen Patriarchen Mar Ignatius Yousif III. Younan bei der Vollversammlung der Synode in Atchaneh. Bei dem Besuch unterzeichneten die beiden Patriarchen gemeinsame Briefe an den irakischen Staatspräsidenten, den irakischen Regierungschef und den Parlamentsvorsitzenden; in den Briefen wurde die notwendige Erwähnung der Christen syrischer Tradition als Ethnie im Verfassungstext als „ein Recht unseres Volkes“ bezeichnet. (ende)