Pro Oriente Logo

Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Moskauer Patriarch besucht Großbritannien

Anlass ist das 300-Jahr-Gedenken der Präsenz der russisch-orthodoxen Kirche auf den britischen Inseln – Erinnerung an Metropolit Anthony (Bloom), einen der bedeutendsten orthodoxen Bischöfe des 20. Jahrhunderts – Kyrill I. wird auch mit Königin Elizabeth II. und mit dem anglikanischen Primas Justin Welby zusammentreffen

Moskau-London, 05.10.16 (poi) Der Moskauer Patriarch Kyrill I. wird von 15. bis 18. Oktober Großbritannien besuchen. Anlass des Besuchs ist das 300-Jahr-Gedenken der Präsenz der russisch-orthodoxen Kirche auf den britischen Inseln. Der Grundstein dieser Präsenz wurde 1716 auf Anordnung von Peter dem Großen mit der Errichtung einer orthodoxen Kapelle in der russischen Botschaft in London gelegt. Wie der Leiter des Pressedienstes des Moskauer Patriarchats, Aleksandr Wolnow, mitteilte, wird der Höhepunkt des Besuchs von Patriarch Kyrill in der britischen Hauptstadt die Feier der Göttlichen Liturgie in der Londoner orthodoxen Marienkathedrale sein. Auch eine Begegnung mit Königin Elizabeth II. und mit dem anglikanischen Primas Justin Welby ist vorgesehen, wie der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), im Gespräch mit „Interfax“ mitteilte. Ein Thema der Gespräche werde sicher der Nahe Osten sein, die Situation verändere sich dort nicht zum Besseren. Die Lage der orientalischen Christen sei nach wie vor „kritisch und tragisch“.

Aleksandr Wolnow unterstrich, dass beim Besuch des Patriarchen die Erinnerung an Metropolit Anthony (Bloom) von zentraler Bedeutung sein wird. Metropolit Anthony (1914-2003) war einer der interessantesten und bedeutendsten orthodoxen Bischöfe des 20. Jahrhunderts. Er baute in Großbritannien die russisch-orthodoxe Eparchie Sourozh auf (die Eparchie ist nach einem mittelalterlichen russisch-orthodoxen Bischofssitz auf der Krim benannt) und zählte zu den großen spirituellen Schriftstellern in englischer Sprache. Er stammte aus einer Familie, die wegen der Revolution zunächst in den Iran und dann nach Frankreich geflüchtet war. Der spätere Metropolit studierte in Paris Medizin, praktizierte in Frankreich als Arzt und war in der französischen Armee und in der Resistance aktiv. Bereits 1939 – bevor er an die französisch-deutsche Grenze abkommandiert wurde – legte er geheim die Mönchsgelübde ab. Nach Kriegsende arbeitete er zunächst weiter als Arzt, 1948 wurde er zum Priester geweiht und war ab da nur mehr seelsorglich tätig.

Metropolit Hilarion, der eine Zeitlang selbst als Auxiliarbischof ein enger Mitarbeiter von Metropolit Anthony war, betonte, dass die russisch-orthodoxe Kirche in Großbritannien stark wachse. Die Zahl der russisch-orthodoxen Gläubigen gehe in die Hunderttausende, das seien „Menschen mit sehr unterschiedlichem ethnischen Hintergrund“, Russen, Ukrainer und Weißrussen genauso wie Balten und Zentralasiaten.

Vor wenigen Tagen hat Kronprinz Charles, der aus Anlass des Begräbnisses von Shimon Peres in Jerusalem war, dem dortigen Gethsemani-Kloster einen Besuch abgestattet, das zur (heute wieder mit dem Moskauer Patriarchat vereinigten) russischen Auslandskirche gehört. Der Leiter der Geistlichen Mission der Auslandskirche im Heiligen Land, Archimandrit Roman Krasowskij, empfing den Prinzen von Wales an der Pforte des Frauenklosters und erläuterte die bewegte Geschichte des Klosters. Der Prinz hat eine besondere Verbindung mit dem Gethsemani-Kloster, weil seine Großmutter, Prinzessin Alice von Battenberg, dort begraben ist. Sie war die Nichte der 1918 von den Bolschewiken ermordeten Großherzogin und Märtyrerin Jelisaweta Fjodorowna, deren Reliquien im Gethsemani-Kloster verehrt werden. Prinzessin Alice, die Mutter von Prinz Philipp, war 1928 zur orthodoxen Kirche konvertiert. Sie lebte während des Zweiten Weltkriegs in Athen und versteckte jüdische Familien vor der deutschen Besatzungsmacht, wofür sie später von Yad Vashem mit dem Titel einer „Gerechten unter den Völkern“ ausgezeichnet wurde. Nach dem Krieg gründete sie auf Tinos – nach dem Vorbild des von Jelisaweta Fjodorowna ins Leben gerufenen karitativen Frauenordens – eine „Maria-Martha-Gemeinschaft“. (ende)