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Franz König

Pro Oriente

Tiflis: Treffen des Papstes mit der chaldäischen Kirche

Papst Franziskus betete für die verwüsteten Länder Irak und Syrien, für ein Ende des Leids „so vieler schuldloser Opfer“ – Begegnung mit dem chaldäisch-katholischen Patriarchen Mar Louis Raphael Sako und den Mitgliedern der chaldäischen Synode

Tiflis, 01.10.16 (poi) Als erster Papst in der Geschichte hat Papst Franziskus am Freitagabend eine chaldäisch-katholische Kirche betreten und dort gebetet: In der Kirche St. Simon Bar Sabbas in Tiflis traf er mit dem chaldäischen Patriarchen Mar Louis Raphael Sako, mehreren chaldäischen Bischöfen und vielen Gläubigen dieser Kirche – auch solchen, die eigens aus dem Irak angereist waren – zu einem Friedensgebet für den Nahen Osten zusammen. Die chaldäische Kirche in Tiflis ist Simon Bar Sabbas, dem im Jahr 344 als Märtyrer gestorbenen zweiten Katholikos von Seleukia-Ktesiphon (der südlich von Bagdad gelegenen Doppelstadt, die damals Hauptstadt des Persischen Reiches war), geweiht. Seit der Zarenzeit gibt es in Transkaukasien – vor allem in Tiflis – eine starke Gemeinde von mesopotamischen Christen, die entweder der chaldäisch-katholischen Kirche oder der Apostolischen Kirche des Ostens angehören. Die Vorfahren dieser Christen hatten im Russischen Reich Zuflucht vor der permanenten Verfolgungssituation im Osmanischen Reich und in Persien gesucht.

Nach Hymnen und Gebeten auf aramäisch sprach der Papst auf italienisch ein Gebet für den Frieden, für ein Ende des Leids „so vieler schuldloser Opfer“ - Kinder, ältere Menschen, Vertriebene, Menschen, die „den Geschmack des Lebens“ verloren haben. In dem Friedensgebet des Papstes hieß es u.a.: „Jesus, Herr, breite den Schirm deines Kreuzes über die Völker im Krieg aus, dass sie den Weg der Versöhnung, des Dialogs und der Vergebung gehen; lass die von Bomben ausgebrannten Völker die Freude deiner Auferstehung kosten. Erhebe den Irak und Syrien aus der Verwüstung; vereine unter deinem sanften Königtum deine verstreuten Kinder, stütze die Christen der Diaspora und schenke ihnen die Einheit des Glaubens und der Liebe“.

Nach dem Wortgottesdienst begrüßte der Papst persönlich den Patriarchen und die Mitglieder der Synode der chaldäischen Kirche, die das Erbe der Kirche des alten Perserreichs bewahrt, und ließ eine Taube als Zeichen des Friedens fliegen. An der Begegnung des Papstes mit der chaldäischen Kirche in Tiflis nahmen auch Bischöfe aus verschiedenen Nahoststaaten teil, unter ihnen der emeritierte lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal. (ende)