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Franz König

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Patriarch Mar Louis Raphael Sako: „Der Irak muss geeint bleiben“

Einladung an Papst Franziskus zum Besuch des Irak – Befreiung von Mosul und Erbil haben Vorrang vor Autonomieplänen - Der chaldäische Patriarch sieht seine Kirche nach der jüngsten Synode und der Begegnung mit dem Papst gestärkt

Bagdad, 04.10.16 (poi) Der chaldäisch-katholische Patriarch Mar Louis Raphael Sako hat nach seiner Rückkehr vom Papstbesuch in Georgien im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“ betont, dass die irakische Nation, aber auch die christliche Gemeinschaft des Landes jetzt „geeint“ sein müssen, da es darum gehe, Mosul und die Ninive-Ebene aus dem Griff der IS (Daesh)-Terroristen zu befreien. Es sei jetzt nicht die Zeit, über „autonome Gebiete“ zu reden und damit neue Teilungen herbeizuführen. Damit machte Mar Louis Raphael Sako deutlich, dass er nach wie vor der Idee eines christlichen autonomen Territoriums in der Ninive-Ebene skeptisch gegenübersteht. Wörtlich sagte der Patriarch: „In diesem Augenblick ist es besser, vorsichtig zu sein und über Themen wie Autonomie nicht zu reden. Man muss die Entwicklung in Mosul und in der Ninive-Ebene abwarten. Es gibt so viele Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Gruppen im Irak, während es von essenzieller Bedeutung ist, das Prinzip der Einheit zu verteidigen“. Zuerst müssten Mosul und die Ninive-Ebene befreit werden, dann könne man über die Zukunft sprechen. Wenn man jetzt Partikular-Interessen in den Vordergrund stelle, wäre das ein „negatives Signal“ für die Heimat und für die internationale Gemeinschaft.

In dem Gespräch mit „AsiaNews“ berichtete Mar Louis Raphael Sako, dass er Papst Franziskus bei dessen Besuch in der chaldäischen Pfarrkirche von Tiflis zu einem Besuch des Irak eingeladen habe. Der Papst habe geantwortet: „Hoffen wir“. Wenn es Frieden gebe, könne man auch an einen Besuch des Papstes denken. Von seinem Besuch in Georgien sei er tief beeindruckt, betonte der Patriarch. Man sehe dort, dass ein Land, wenn es das Drama des Krieges überwinde, große Fortschritte machen kann. Bewegt zeigte sich der chaldäische Patriarch auch von seiner Begegnung mit dem georgisch-orthodoxen Katholikos-Patriarchen Ilia II. Das sei ein „historischer Moment“ gewesen, mit einem Ruf zur Einheit, „zur Kirche der Apostel“. Ilia II. schenkte dem chaldäischen Patriarchen eine Ikone des Heiligen Georg, Mar Louis Raphael Sako überreichte seinem Gastgeber ein typisches chaldäisches Kreuz ohne Korpus (die Apostolische Kirche des Ostens hatte sich bereits in früher Zeit für diese Art der Darstellung entschieden, weil sie darin ein Zeichen des Sieges über den Tod, ein Zeichen der Auferstehung, sah).

Beklemmend sei im Nahen Osten nach wie vor das Klima der Zweideutigkeit und Unsicherheit, unterstrich der chaldäische Patriarch. Die regionalen und internationalen Akteure – Türkei, Saudiarabien, Iran, USA, Russland – hätten offensichtlich noch keine klaren Vorstellungen. Inmitten dieser Konfusion wachse allerdings bei den Irakern der Wunsch, beisammen zu bleiben, „auch wenn andere das nicht wollen“. Dramatisch sei immer noch das Schicksal der rund vier Millionen Inlandsflüchtlinge im Irak.

Positiv bewertete der Patriarch die jüngste Vollversammlung der chaldäischen Synode in Erbil, der Hauptstadt der kurdischen Region des Irak. Die Synode und die Begegnung mit dem Papst in Georgien hätten die Einheit gestärkt und der chaldäischen Kirche erneuerten Enthusiasmus verliehen. Wörtlich meinte der Patriarch: „Es war wie im Abendmahlssaal: Es wurde frei diskutiert, es wurde abgestimmt, die Entscheidungen sind auf der Basis von Mehrheitsbeschlüssen getroffen worden“. Diesen Entscheidungen hätten sich dann alle gebeugt. „Wir sind stärker als vorher“, so Mar Louis Raphael Sako. Auch in den Augen der irakischen Zentralregierung in Bagdad und der kurdischen Regionalregierung in Erbil stelle sich die christliche Gemeinschaft heute gestärkt dar. Man beginne auch in Bagdad und Erbil deutlicher zu sehen, dass die christliche Gemeinschaft eine eigene Identität – „wie die schiitische Gemeinschaft und die sunnitische Gemeinschaft“ – habe und dass sie immer daran arbeite, Brücken zu schlagen. (ende)