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Franz König

Pro Oriente

In Moskau entscheiden sich 80 Prozent der Eltern für das Fach „Grundkenntnisse der Orthodoxie“

Aber das vor einigen Jahren in der Russischen Föderation eingeführte Fach darf nicht mit einem konfessionellen Religionsunterricht verwechselt werden – Gemeinsamer Widerstand der Anhänger der sowjetischen Tradition und des west-orientierten Säkularismus gegen Bestrebungen des Moskauer Patriarchats

Moskau, 18.10.16 (poi) In der Region Moskau entscheiden sich 80 Prozent der Eltern dafür, dass ihre Kinder ab der 4. Schulstufe das Fach „Grundkenntnisse der Orthodoxie“ belegen. Dies teilte die regionale Unterrichtsministerin Marina Sacharowa im Gespräch mit Journalisten mit. Die Alternative wäre das Fach „Grundkenntnisse der säkularen Ethik“. Die Pressestelle des russischen Erziehungsministeriums stellte ergänzend fest, dass in Moskau „Grundkenntnisse der Orthodoxie“ im Rahmen des föderationsweiten Faches „Religiöse Grundkenntnisse“ angeboten wird. Da in Moskau vor allem orthodoxe Christen leben, werde hier dieser Rahmen durch „Grundkenntnisse der Orthodoxie“ ausgefüllt. In anderen Föderationsgebieten, etwa in Daghestan, würden im Rahmen des Faches „Religiöse Grundkenntnisse“ Informationen über den Islam vermittelt. Marina Sacharowa hielt zugleich fest, dass in der Region Moskau auch islamische Eltern ohne Bedenken eine Entscheidung für das Fach „Grundkenntnisse der Orthodoxie“ treffen könnten, da es dabei nicht um „einen religiösen, sondern um einen kulturellen Gegenstand“ gehe.

Aus den Formulierungen der regionalen Unterrichtsministerin wurde einmal mehr deutlich, dass das vor einigen Jahren in der Russischen Föderation eingeführte Fach „Religiöse Grundkenntnisse“ nicht mit einem konfessionellen Religionsunterricht – wie er etwa in Österreich, Deutschland oder Italien üblich ist – verwechselt werden darf. Es handelt sich um eine „Information über Religion“, die aber keinerlei Verkündigungscharakter hat. Zudem wird das Fach nicht überall in der Föderation in gleichem Maß angeboten.

Bestrebungen des Moskauer Patriarchats, die Wiedereinführung eines konfessionellen Religionsunterrichts an den staatlichen Schulen wie vor dem Lenin-Dekret vom 20. Jänner 1918 („Über die Trennung der Kirche vom Staat und der Kirche von der Schule“) zu erreichen, sind bisher am entschiedenen gemeinsamen Widerstand sowohl der Anhänger der sowjetischen Tradition als auch des west-orientierten Neo-Säkularismus gescheitert. (ende)