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Franz König

Pro Oriente

Bei den christlichen Flüchtlingen aus Mosul überwiegt die Hoffnung

Aber es gibt auch viele Sorgen, wie der materielle und gesellschaftliche Wiederaufbau vor sich gehen soll – Chaldäisch-katholischer Bischof von Zakho begrüßt Solidaritätsinitiativen für die Christen – Kardinal Nichols appelliert an die Truppen der Offensive, die humanitären Konventionen einzuhalten

Bagdad-Erbil, 25.10.16 (poi) Die Offensive zur Befreiung von Mosul und der Ninive-Ebene aus der Hand der IS-Terroristen ist für die Christen „Motiv erneuerter Hoffnung“, sagte der chaldäisch-katholische Bischof von Zakho und Amadya in der kurdischen Region des Irak, Rabban Al-Qas, am Montag im Gespräch mit dem „Kirche in Not“-Informationsdienst. Wörtlich sagte der Bischof: „Unsere Häuser und unsere Kirchen sind zwar jetzt wieder den Kämpfen ausgesetzt und das macht uns traurig, aber trotzdem überwiegt die Hoffnung“. Wenn die IS-Terroristen eine tödliche Niederlage erleiden, bestehe die Hoffnung, dass christliche, jezidische und andere Gemeinschaften wieder dorthin zurückkehren können, von wo sie im Sommer 2014 vertrieben worden sind.
Allerdings müsse man sehen, dass man in Mosul nach der Befreiung mit der Realität konfrontiert sein werde, unterstrich Bischof Al-Qas: Es handle sich um eine Stadt, die sich total von der Stadt vor dem Einfall der IS-Terroristen unterscheide. Es werde schwierig sein, die gesellschaftlichen Beziehungen unter den Bewohnern zu sanieren. Unter den christlichen Flüchtlingsfamilien in Erbil und Dohuk gebe es zum Beispiel tiefe Trauer über den Verrat durch die muslimischen Nachbarn, die anfänglich die IS-Terroristen mit offenen Armen empfangen und sich am Eigentum der Christen vergriffen hätten. Es werde nicht leicht sein, in kurzer Frist das friedliche Zusammenleben zu garantieren.

Bischof Al-Qas begrüßte Solidaritätsinitiativen wie die monumentale Leuchtschrift „Helft den Christen“, die von der italienischen Sektion von „Kirche in Not“ ab kommenden Samstag am Pirelli-Hochhaus in Mailand eingeschaltet wird. Eine solche Initiative auf einem Wolkenkratzer in einer europäischen Metropole könne nicht übersehen werden, sagte der Bischof: „Das freut die irakischen Christen“.

Der katholische Erzbischof von Westminster, Kardinal Vincent Nichols, der vor Jahresfrist die christlichen Vertriebenen aus Mosul in der Regionalhauptstadt Erbil besucht hat, sagte am Montag, er bete für die Befreiung von Mosul und der Ninive-Ebene aus der Tyrannei der IS (Daesh)-Terroristen. Zugleich appelliere er an die bei der Offensive eingesetzten militärischen Kräfte, die humanitären Konventionen zu respektieren und den Menschen zu helfen, die jetzt vor den Kämpfen auf der Flucht sind. Die Befreiung der Millionenstadt Mosul werde zweifellos geraume Zeit dauern und erst danach könne der Wiederaufbau der Ordnung und des Gesetzes, des sozialen Gefüges der Region und der christlichen Gemeinschaft beginnen. Dieser Wiederaufbau sei der entscheidende Schritt, der den christlichen und anderen Vertriebenen und Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimstätten erlauben wird.

Wie die vatikanische Nachrichtenagentur „Fides“ berichtet, sei die Stimmung in den Flüchtlingslagern in der kurdischen Region unterschiedlich. Es gebe Flüchtlinge, die in Sorge sind, andere hingegen „hoffen darauf, dass sie nach dem Vormarsch in ihre Häuser zurückkehren können, von denen sie aber nicht wissen, ob sie noch bewohnbar sind“. Es werde befürchtet, dass Wohnungen, Geschäfte und Kirchen schwer beschädigt sind, so der Koordinator der Föderation des Christlichen internationalen Freiwilligendienstes (FOCSIV), Mustafa Jabbar. Viele Christen hätten sich etwa über die Nachricht von der Befreiung von Qaraqosh gefreut, doch neben der Freude über das Ende eines unerträglichen Stillstandes gebe es auch die Angst vor der Rückkehr von vielen traumatisierten und besitzlosen Menschen.

FOCSIV betreut Flüchtlinge in mehreren Camps in der kurdisch kontrollierten Region. Die Hilfe gilt vor allem Kindern, für die Kindergärten eingerichtet, Sportangebote sowie Sprachkurse organisiert werden. Besonderes Augenmerk wird schutzlosen Bevölkerungsgruppen wie Müttern von Neugeborenen oder Menschen mit Behinderung gewidmet. (ende)