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Franz König

Pro Oriente

Delegation von Al-Azhar besuchte Kirche von Pfarrer Jacques Hamel

Begegnung mit dem Bischof von Rouen und dem diözesanen Verantwortlichen für die Beziehungen zum Islam

Paris, 27.10.16 (poi) Fünf Vertreter der Al-Azhar-Universität in Kairo – der höchsten Lehrautorität des sunnitischen Islam - haben am Mittwoch die Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray bei Rouen besucht, um des ermordeten Priesters Jacques Hamel zu gedenken. Abbe Hamel war am 26. Juli von zwei 19-jährigen Franzosen kabylischer Herkunft, die sich zu IS-Sympathisanten gewandelt hatten, bei der Feier der Heiligen Messe grausam ermordet worden. Der 19-jährige Adel Kermiche aus Saint-Etienne – dessen Schwester Ärztin und dessen Mutter Mittelschulprofessorin ist – war, ebenso wie sein gleichaltriger Komplice Abd-el-Malik Nabil Petitjean, seit mehr als einem Jahr unter Terrorverdacht auf dem Radar der Behörden. Wie die beiden 19-jährigen in die Fänge der Islamisten geraten waren, ist noch nicht zur Gänze geklärt.
Die Delegation aus Kairo war Teil der „Karawane des Friedens“, einer Initiative des 2014 gegründeten muslimischen „Weisen-Rates“, dessen Vorsitzender der Großscheich der Al-Azhar-Universität, Ahmad Al-Tayyeb, ist. Die Delegation wurde vom Bischof von Rouen, Dominique Lebrun, und vom diözesanen Verantwortlichen für die Beziehungen zum Islam, Pfarrer Pierre Belhache, empfangen. Auf dem Programm standen auch Begegnungen mit Bewegungen, die sich für den Dialog zwischen Christen und Muslimen einsetzen, wie ‪„Coexister “ und ‪„Fraternite Banlieues“.

Die islamische Delegation wurde von Prof. Osama Nabil angeführt, Mitglied des „Weisen-Rates“ und Dozent der Al-Azhar-Universität, sowie Direktor und Gründer des ‪„Al Azhar Observatory“. Diese Dokumentationsstelle wurde vor einem Jahr gegründet, um die Verbreitung extremistischer Ideen unter Muslimen zu unterbinden.

Der 86-jährige Abbe Hamel war ein Mann des Dialogs, der immer wieder den Kontakt zur örtlichen islamischen Gemeinde gesucht hatte und dort hoch angesehen war. „Abbe Jaques hat alle Menschen geliebt – ungeachtet ihrer Religion. Er hat einfach alle geliebt“, sagte die Ordensfrau Sr. Danielle, die die Attacke in der Kirche selbst miterlebt hatte, in einem TV-Interview. Dementsprechend groß war die Bestürzung auch unter den örtlichen Muslimen. „Ich bin entsetzt über den Tod meines Freundes“, sagte der Imam der örtlichen Moschee, Mohammed Karabila unmittelbar nach der Bluttat: „Wir beten für seine Familie und die katholische Gemeinde“. Wie gut das Verhältnis zwischen Katholiken und Muslimen in Saint-Etienne-du-Rouvray war, habe auch die Tatsache gezeigt, dass die Moschee vor rund 16 Jahren auf einem Grundstück errichtet wurde, das einer katholischen Ordensgemeinschaft gehört. Mohammed Karabila betonte zudem, dass er zusammen mit Abbe Hamel seit 18 Monaten einem „interkonfessionellen Komittees“ angehörte und sie gemeinsam Veranstaltungen organisiert hätten: „Wir haben über unsere Religionen und ein besseres Zusammenleben diskutiert“. Abbe Hamel hatte sich zuletzt im Juni im örtlichen Pfarrblatt zu Wort gemeldet. Auch im Hinblick auf die Anschläge, die Frankreich erschüttert hatten, forderte er die Gläubigen dazu auf, sich um die Welt zu kümmern und „sie dort, wo wir sind, zu einem wärmeren, menschlicheren, brüderlicheren Ort zu machen“.(ende)