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Franz König

Pro Oriente

„Abt-Emmanuel-Heufelder-Preis“ 2016 wurde der „Gemeinschaft von Bose“ verliehen

Wiener serbisch-orthodoxer Bischof Andrej (Cilerdzic) hielt bei der Verleihung im Benediktinerkloster Niederaltaich die Laudatio, der Prior von Bose, Enzo Bianchi, sprach über das Thema „Mönchtum und ökumenischer Dialog“

München, 07.11.16 (poi) Die von Prior Enzo Bianchi geleitete „Gemeinschaft von Bose“ wurde von der bayrischen Benediktinerabtei Niederaltaich mit dem diesjährigen „Abt-Emmanuel-Heufelder-Preis“ ausgezeichnet. Die Abtei würdigte damit „das besondere Engagement der ökumenisch ausgerichteten Gemeinschaft von Bose um ihren Prior Fr. Enzo Bianchi für Verständigung und Annäherung zwischen den Kirchen des Ostens und des Westens“. Die Preisverleihung durch Abt P. Marianus Bieber OSB erfolgte am 5. November. Enzo Bianchi ist einer der bekanntesten und einflussreichsten italienischen Theologen der Gegenwart. Die von ihm begründete und geleitete Gemeinschaft leistet wesentliche Dienste für den ökumenischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche. Im September findet in Bose in der italienischen Region Piemont jeweils in Zusammenarbeit mit den orthodoxen Kirchen eine ökumenische Tagung statt; das Thema der 24. Ökumenischen Tagung im vergangenen September lautete „Martyrium und Gemeinschaft“. Bei der Verleihung des „Abt-Emmanuel-Heufelder-Preises“ hielt der in Wien residierende serbisch-orthodoxe Bischof für Österreich, die Schweiz und Italien, Andrej (Cilerdzic), die Laudatio. Enzo Bianchi nahm in seinem Festvortrag zum Thema „Mönchtum und ökumenischer Dialog“ Stellung.

Der „Abt-Emmanuel-Heufelder-Preis“ wurde von dem rheinischen Rechtsanwalt Hanns Gierlichs (1907-1993) in Dankbarkeit gegenüber seinen konfessionsverschiedenen Eltern gestiftet. Emmanuel Heufelder (1898-1982), an dessen ökumenische Pionierleistung Gierlichs durch die Namengebung des von ihm gestifteten Preises erinnern wollte, leitete von 1934 bis 1968 (zunächst als Prior, seit 1949 als Abt) die Benediktinerabtei Niederaltaich. Er gab dem Kloster die ökumenische Ausrichtung, die besonders vom Miteinander zweier kirchlicher Traditionen mit ihren Gottesdiensten im römischen und byzantinischen Ritus geprägt ist.

Die Gemeinschaft von Bose ist ein Kloster in der Gemeinde Magnano (italienische Provinz Biella), in der Männer und Frauen aus unterschiedlichen christlichen Kirchen ein monastisches Leben nach den evangelischen Räten führen, Gründer und Prior der Kommunität ist der Laie Enzo Bianchi. Die Kommunität entstand am 8. Dezember 1965 unmittelbar nach Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils, als Enzo Bianchi beschloss, allein in einem für Gäste offenen Haus in der Nähe der Bauernhäuser von Bose zu leben. Die ersten Mitbrüder kamen drei Jahre später, unter ihnen auch ein protestantischer Pastor. Der damalige Bischof von Biella verhängte zunächst das Interdikt über das „ökumenische Kloster“, aber auf Fürsprache des Turiner Erzbischofs, Kardinal Michele Pellegrino, kam alles wieder ins Lot. Die Gemeinschaft ist vom heutigen Bischof von Biella, Gabriele Mana, kirchenrechtlich anerkannt und besteht aus zirka 85 Männern und Frauen, davon einige orthodoxe und auch einige evangelische Christen. Außer am ursprünglichen Hauptsitz gründete die Gemeinschaft auch Niederlassungen in Jerusalem, Ostuni, Assisi, San Gimignano und Civitella San Paolo.

Die Brüder und Schwestern führen im Geist der Heiligen Pachomios, Basilius und Benedikt ein klösterliches Leben, das aus Gebet und Arbeit besteht. Alle Mitglieder der Gemeinschaft arbeiten und verdienen sich so, was sie zum Leben brauchen. Stundengebet und Schriftlesung prägen das religiöse Leben der Mitglieder der Gemeinschaft von Bose.

Enzo Bianchi wurde 1943 in Castel Boglione im Monferrato geboren. Er studierte zunächst Wirtschaftswissenschaften an der Universität Turin. Unter dem Eindruck des Zweiten Vatikanischen Konzils wandte er sich dem monastischen Leben zu. Sein 1974 erschienenes Buch „Pregare la parola“ („Gott im Wort“. Die geistliche Schriftlesung) wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. 1983 begründete er den „Qiqajon“-Verlag, der zahlreiche biblische, patristische, liturgische und monastische Texte publiziert hat. Zudem schreibt der Prior immer wieder in großen italienischen Tageszeitungen Kommentare.

Tradition der Ostkirche

Der „Abt-Emmanuel-Heufelder-Preis“ gehört zu den bedeutendsten ökumenischen Preisen. Im Jahr 2009 wurde die (mittlerweile verstorbene) Wiener Ökumene-Pionierin Christine Gleixner gemeinsam mit dem in Graz lehrenden orthodoxen Theologen em. Prof. Grigorios Larentzakis mit dem Preis ausgezeichnet, 2006 erhielt die Stiftung „Pro Oriente“ – gemeinsam mit dem rumänischen Theologen Prof. Vioral Ionita – den Preis. 1998 wurden der (mittlerweile zum Patriarchen erhobene) rumänisch-orthodoxe Metropolit Daniel (Ciobotea) von Iasi und der römisch-katholische Bischof von Iasi, Petru Gherghel, sowie der damals noch in Wien lehrende, mittlerweile emeritierte katholische Ostkirchen-Experte Prof. Ernst Christoph Suttner geehrt.

In Niederaltaich erwuchs die Pflege des byzantinischen Ritus und der Tradition der Ostkirche aus der ökumenischen Zielsetzung des Klosters. Das jahrzehntelange intensive Bemühen um byzantinische Liturgie, Spiritualität und Theologie ist zu einer spezifischen Tradition in Niederaltaich geworden. Im Sinne einer „gelebten Vermittlung“ feiern die Mönche des byzantinischen Ritus die Göttliche Liturgie (Eucharistie) und das Stundengebet in deutscher Sprache, um so den Christen westlicher Kirchen den Reichtum der östlichen liturgischen, spirituellen und theologischen Überlieferung besser zugänglich zu machen. Dazu wurde der Großteil der verwendeten gottesdienstlichen Texte in langjähriger Arbeit aus dem Griechischen bzw. Kirchenslawischen neu übersetzt und zum Singen eingerichtet. Grundlage für die musikalische Gestaltung bildete von Anfang an der russische einstimmige wie mehrstimmige Choral. (ende)