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Franz König

Pro Oriente

Papst Franziskus empfängt assyrischen Katholikos-Patriarchen

Mar Gewargis III. Sliwa besucht in Rom auch das Petrus-Grab und den Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Koch

Vatikanstadt-Rom, 16.11.16 (poi) Der Katholikos-Patriarch der Apostolischen Kirche des Ostens (Assyrische Kirche), Mar Gewargis III. Sliwa, wird am Donnerstag, 17. November, von Papst Franziskus im Vatikan empfangen. Der Patriarch wird bei seinem dreitägigen Rom-Aufenthalt auch am Petrus-Grab unter dem Petersdom beten und mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, zusammentreffen. Mar Gewargis III. Sliwa war am 16. September 2015 von der Synode seiner Kirche zum Nachfolger des am 26. März 2015 verstorbenen Patriarchen Mar Dinkha IV. gewählt worden.

Der 1941 im Irak geborene Patriarch Mar Gewargis III. war Metropolit für den Irak und Russland. Seine theologischen Studien absolvierte er in den Vereinigten Staaten, wo er im Juni 1980 zum Priester geweiht wurde. Die Apostolische Kirche des Ostens, heute oft auch „Assyrische Kirche“ genannt, ist die Kirche des alten Perserreichs; das Oberhaupt der Kirche trägt daher bis heute den Titel eines Patriarchen von Seleukia-Ktesiphon, der Doppelstadt südlich von Bagdad, die Hauptstadt des Sassaniden-Reiches war. Die Apostolische Kirche des Ostens war ursprünglich in ganz Asien – bis nach Südindien, China und Japan – verbreitet. Am Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Kirche in ihrem zentralasiatischen Hauptverbreitungsgebiet ein Opfer der bürokratisch durchgeplanten Christenverfolgung des Diktators Timur-Lenk („Tamerlan“). Während des Ersten Weltkriegs war die Apostolische Kirche des Ostens durch den vom „Komitee für Einheit und Fortschritt“ (Ittihad ve Terakki) , das damals die kaiserlich-osmanische Regierung stellte, in Gang gesetzten Völkermord an den christlichen Bewohnern des Osmanischen Reiches besonders betroffen. Heute befindet sich der Sitz des Katholikos-Patriarchen von Seleukia-Ktesiphon in der Nähe von Chicago, die meisten Gläubigen leben in der Diaspora, vor allem in Nord- und Südamerika.

Die Apostolische Kirche des Ostens (früher fälschlich als „nestorianische Kirche“ bezeichnet) bewahrt bis heute viele frühchristliche Traditionen. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist – unter tatkräftiger Mithilfe der Stiftung „Pro Oriente“ - der Dialog zwischen katholischer Kirche und assyrischer Kirche in Gang gekommen. Patriarch Mar Dinkha IV. nahm im Oktober 1978 an der Amtseinführung von Papst Johannes Paul II. teil. Am 11. November 1994 unterzeichneten Johannes Paul II. und Dinkha IV. eine gemeinsame christologische Erklärung. Am 21. Juni 2007 traf Mar Dinkha IV. mit Papst Benedikt XVI. zusammen und am 2. Oktober 2014 mit Papst Franziskus. Damals wurde der zeitweise unterbrochene theologische Dialog zwischen katholischer und assyrischer Kirche wieder aufgenommen, eine Linie, die vom neuen Katholikos-Patriarchen Mar Gewargis III. Sliwa bestätigt wurde. (forts mgl)