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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Syrisch-orthodoxer Patriarch sucht in London Hilfe für orientalische Christen

Wichtige kirchliche Akzente – Begegnung mit Kronprinz Charles bei der Neueinweihung der syrisch-orthodoxen Thomaskathedrale – „Keynote speech“ im Oberhaus bei der Präsentation des „Kirche in Not“-Berichts über die Religionsfreiheit

London-Damaskus, 29.11.16 (poi) Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mar Ignatius Aphrem II. hat in London wichtige kirchliche Akzente gesetzt, nachdem er zuvor die Diaspora seiner Kirche in den Golfstaaten und in Brasilien besucht hatte. Am ersten Adventsonntag, dem 27. November, feierte der Patriarch erstmals in der neu restaurierten syrisch-orthodoxen Thomaskathedrale in London die Eucharistie („Qurobo Alohoyo“). Der für Großbritannien zuständige syrisch-orthodoxe Patriarchalvikar, Mar Athanasios Touma Dakkama, dankte dem Patriarchen für dessen Einsatz zu Gunsten der in ihrer nahöstlichen Heimat schwer bedrängten Christen der syrischen Tradition. In seiner Predigt entwarf der Patriarch einen umfassenden Plan für die Ausgestaltung der syrisch-orthodoxen Seelsorge auf den britischen Inseln.
Wenige Tage zuvor (am 24. November) hatte Mar Ignatius Aphrem II. in Anwesenheit von Kronprinz Charles – der immer wieder seine Verbundenheit mit den orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Christen betont – die Thomaskathedrale neu geweiht. Ebenso wie bei der ersten Eucharistiefeier waren auch bei der Weihe prominente Gäste aus der Ökumene anwesend, so der anglikanische Bischof von London, Richard Chartres, der für Großbritannien zuständige koptisch-orthodoxe Generalbischof Anba Angelos und der armenisch-apostolische Metropolit Hovakim Vardkes Manukian. Die syrisch-orthodoxe Weltkirche war durch Metropoliten aus dem Libanon, aus dem Irak und aus Südindien präsent. Prinz Charles betonte in seiner Ansprache seine Freude über das Wirken der syrisch-orthodoxen Kirche in Großbritannien.

Höhepunkt des London-Aufenthalts des syrisch-orthodoxen Patriarchen war die Präsentation des von „Kirche in Not“ erstellten „Berichts zur Religionsfreiheit weltweit 2016“ im Oberhaus des britischen Parlaments. Lord David Alton, der seit seiner Zeit als Jungpolitiker für die Religionsfreiheit der Christen und für das Lebensrecht der Ungeborenen kämpft, hatte diese Präsentation ermöglicht. Der Patriarch stellte in seinem „keynote speech“ die weltweite Verfolgung aus Religionsgründen dar, vor allem die Christenverfolgung im Nahen Osten. Die Christen im Nahen Osten müssten mehr als andere Opfer der weltweiten Verletzungen der Religionsfreiheit leiden, die gegen sie begangenen Verbrechen stellten einen „Völkermord“ dar.

In Syrien sei es notwendig, eine starke Regierung zu unterstützen, um den „religiös“ inspirierten Fanatismus und die Unterstützung terroristischer Gruppierungen zu stoppen, betonte Mar Ignatius Aphrem II. Es gehe um die Suche nach friedlichen Lösungen und humanitärer Hilfe, um allen Leidenden – und damit auch den Christen – die Hoffnung zu geben, dass sie in ihrer historischen Heimat bleiben können. Eindringlich appellierte Mar Ignatius Aphrem II. an die anwesenden politischen Verantwortungsträger, im Fall der entführten Aleppiner Metropoliten Mar Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi „Hilfe zu leisten“.

Mit dem Patriarchen – der ausdrücklich für „die Öffnung gegenüber den ‚Anderen‘“ eintrat – kamen bei der Präsentation auch der Herausgeber des „Berichts zur Religionsfreiheit“, John Pontifex, der irische Oberimam Muhammad Umar Al-Qadri, und die Direktorin des britischen Zentrums für jüdisch-christliche Beziehungen, Sarah Bernstein, zu Wort.

Blutrote Fassaden

Nach der Präsentation nahm der Patriarch – zusammen mit Bischöfen aus verschiedenen Kirchen – an einem von „Kirche in Not“ veranstalteten „Event“ teil: Die Fassaden der (anglikanischen) Westminster Abbey und der (katholischen) Westminster Cathedral wurden in Rot erleuchtet, um das Leid der verfolgten Christen zum Ausdruck zu bringen. Zugleich sollte die Solidarität der britischen Christen mit ihren bedrängten Glaubensgeschwistern im Nahen Osten öffentlich werden. Mar Ignatius Aphrem II. betonte die Bedeutung der Religionsfreiheit. Zugleich unterstrich er ist, dass die eigentliche Botschaft aller Religionen die Liebe, nicht der Hass sei.

Der syrisch-orthodoxe Patriarch nützte seinen Aufenthalt in London auch zu ökumenischen Kontakten. So besuchte er die syrisch-katholische Gemeinde St. Behnam. Dabei plädierte er für verstärkte pastorale Zusammenarbeit zwischen syrisch-katholischer und syrisch-orthodoxer Kirche im Großraum London, wo viele Christen der syrischen Tradition leben. Ebenso traf er mit Repräsentanten der chaldäisch-katholischen Kirche zusammen. Im Mittelpunkt der Begegnung stand die Frage, wie es den Kirchen gelingen könne, die Christen im Nahen Osten zu ermutigen, in der Heimat zu bleiben.

Besonders eindrucksvoll war die Begegnung des syrisch-orthodoxen Patriarchen mit der armenisch-apostolischen Gemeinde in der armenischen Sergiuskirche: Sowohl Mar Ignatus Aphrem II. als auch der armenische Metropolit Hovakim Vardkes Manukian erinnerten an die Verfolgung, die beide Kirchen während des Ersten Weltkriegs und danach im sterbenden Osmanischen Reich getroffen hatte. Man müsse davon ausgehen, dass insgesamt mehr als zwei Millionen armenische und syrische Christen Opfer des vom jungtürkischen „Komitee für Einheit und Fortschritt“ (Ittihad ve Terakki) geplanten Völkermords geworden seien.

Beim Besuch in der koptischen Markuskirche in London stand die Einheit der orientalisch-orthodoxen Kirchen im Mittelpunkt (für die sich vor Jahrzehnten bereits der von den Kommunisten abgesetzte und vermutlich ermordete äthiopische Kaiser Haile Selasie eingesetzt hatte). Mar Ignatius Aphrem II. unterstrich in der Markuskirche, dass Verfolgung der christlichen Kirche von Anfang an nicht fremd gewesen sei, die Christen seien seit jeher verfolgt worden. Der Patriarch bat um das Gebet für die Verfolgten und um die praktische Unterstützung für die Christen des Nahen Ostens, damit sie in ihrer angestammten Heimat bleiben können.

Von besonderer Bedeutung war das Meeting zwischen dem Patriarchen und der „Anglican and Eastern Churches Association“ (AECA) am Montag. Bei der Begegnung – an der auch Repäsentanten der armenisch-apostolischen, der koptisch-orthodoxen und der antiochenisch-orthodoxen Kirche teilnahmen – ging es um die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen der „Anglican Communion“ und den orientalischen Kirchen. Auch im Gespräch mit den Repräsentanten der anglikanischen Kirche - an der Spitze Bischof Christopher Chessun von Southwark – standen Projekte im Mittelpunkt, die es orientalischen Christen ermöglichen sollen, in ihrer Heimat zu bleiben. Einem ähnlichen Zweck diente ein Besuch von Mar Ignatius Aphrem II. in der Zentrale des „Barnabas Fund“. (ende)