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Franz König

Pro Oriente

Deutsche Bischöfe publizieren Bericht über Situation der Christen auf der Arabischen Halbinsel

Erzbischof Schick: „Auch in den Golfstaaten gibt es nur Kultfreiheit, aber keine echte Religionsfreiheit“ – Am schlechtesten ist die Situation in Saudiarabien – Deutsche Diözesen halten am 26. Dezember Gebetstag für die verfolgten Christen

Berlin, 01.12.16 (poi) Die Deutsche Bischofskonferenz hat in Berlin eine Arbeitshilfe vorgestellt, die die Situation der Christen auf der Arabischen Halbinsel beleuchtet. Die Veröffentlichung ist Teil der Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“. Jährlicher Höhepunkt der Initiative ist der Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen am 26. Dezember (Stephanitag), der in allen deutschen Diözesen begangen wird. Die Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen“ wurde von den deutschen Bischöfen 2003 ins Leben gerufen, um auf die Lage bedrohter Christen in aller Welt aufmerksam zu machen. Im Rahmen dieser Initiative suchen die deutschen Bischöfe immer wieder das Gespräch mit Politikern ihres Landes, um auf bedrohliche Entwicklungen aufmerksam zu machen. Zusätzlich pflegen die Bischöfe mit Solidaritätsreisen den Kontakt zu den entsprechenden Ortskirchen.

Erzbischof Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, wies bei der Präsentation in Berlin auf die unterschiedliche Lage der Christen in den verschiedenen Staaten der Arabischen Halbinsel hin. Grundsätzlich müsse zwischen den Golfstaaten und Saudiarabien unterschieden werden, der Jemen sei auf Grund des Krieges noch einmal eigens zu betrachten. In den Golfstaaten könnten Christen ihren Glauben relativ frei leben: „Es gibt allerdings nur Kultfreiheit, aber keine echte Religionsfreiheit“, so Erzbischof Schick. Ein aktives Werben für das Christentum oder gar die Konversion von Muslimen seien streng verboten und würden strafrechtlich verfolgt. In Saudiarabien seien die Lebensbedingungen für Christen deutlich schlechter, betonte Erzbischof Schick. Dort dürfe nur der Islam, vorzugsweise in seiner rigoristischen wahhabitischen Auslegung, praktiziert werden, schon der Besitz von Kreuzen, Ikonen, Bibeln, Rosenkränzen usw. sei verboten. Für die geschätzt 1,5 Millionen Christen in Saudiarabien gäbe es keine einzige Kirche und die Gläubigen seien gezwungen, sich heimlich in Privathäusern und Hotels zu treffen.

Im Februar hatte Erzbischof Schick die Region bereist und zahlreiche Gespräche mit lokalen Christen, Vertretern des Islam und Regierungsmitgliedern geführt: Die christliche Minderheit in den Golfstaaten, die aus allen Teilen der Welt stamme, habe ihre Nische in einem muslimisch und arabisch geprägten Umfeld gefunden. In den vergangenen Jahren sei eine lebendige Migrantenkirche mit eigenen Kirchengebäuden und katholischen Schulen entstanden. „Die Internationalität der Gemeinschaft, die Vitalität der Gottesdienste und das Selbstbewusstsein der Christen, denen ich begegnet bin, sind beeindruckend“, sagte Erzbischof Schick jetzt und betonte: „Wie in kaum einer anderen Region zeigt sich die katholische Kirche auf der Arabischen Halbinsel als Weltkirche. Der gemeinsame Glaube überwindet alle Unterschiede von Herkunft, Nationalität und Ritus“.

Der Apostolische Vikar für das südliche Arabien (Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Jemen), Bischof Paul Hinder, sagte bei der Präsentation: „Schätzungen zufolge dürfte die Anzahl der ausländischen Christen auf der Arabischen Halbinsel gegenwärtig bei mindestens drei Millionen liegen. Einheimische Christen gibt es praktisch keine“. Die Wohnbevölkerung in den Golfstaaten bestehe zu einem großen Prozentsatz aus Ausländern. Die staatliche Haltung gegenüber den Christen schwanke von Land zu Land:. „Länder wie zum Beispiel Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate oder das Sultanat Oman sind recht tolerant“. In den Vereinigten Arabischen Emiraten existieren acht katholische Pfarrgemeinden. 50.000 Gläubige nehmen in Dubai jedes Wochenende an den Messfeiern teil.

Der Direktor des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio in Aachen, Prof. Harald Suermann, ging in seinem Statement auf die Situation der Christen in Saudiarabien ein. Nach dem Koran seien Christen eine geschützte Minderheit, die das Recht habe, ihren Glauben zu leben und eigene Gotteshäuser zu unterhalten. Dies werde in Saudiarabien jedoch eingeschränkt. „Liturgische Feiern sind dort verboten und können nur privat unter großer Gefahr stattfinden. Regelmäßig werden Gottesdienste von der saudischen Religionspolizei, durch Razzien und Verhaftungen unterbunden“, so Prof. Suermann. Für viele Christen bleibe nur die Möglichkeit, über Internet an Gottesdiensten teilzunehmen. Er wies darauf hin, dass innerhalb des saudischen Königshauses um die zukünftige Ausrichtung des Landes gerungen werde. Einerseits gäbe es Strömungen, die sich für gesellschaftliche Reformen einsetzen, andererseits Versuche, die aktuellen Verhältnisse zu stabilisieren. Ob es für die Christen im Land in absehbarer Zeit zu positiven Veränderungen komme, sei im Moment noch nicht abzusehen. (ende)