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Franz König

Pro Oriente

Für Christen ist „Suche nach einem gerechten Frieden“ notwendig

Generalsekretär des Weltkirchenrats, Pfarrer Olav Fykse Tveit, sprach am 8. Dezember in Bethlehem beim 7. Jahrestag der Gründung der ökumenischen Bewegung „Kairos Palestine“

Jerusalem, 09.12.16 (örkö/poi) Die „Suche nach einem gerechten Frieden“ ist eine Antwort auf die Berufung der Christen, „Licht der Welt“ zu sein, das Licht von Glaube, Hoffnung und Liebe zu spiegeln: Dies betonte der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Pfarrer Olav Fykse Tveit, am Donnerstagabend in der evangelisch-lutherischen Immanuel-Kirche in Bethlehem bei einer Veranstaltung zum 7. Jahrestag der Gründung der ökumenischen Bewegung „Kairos Palestine“. Friede müsse nicht nur in Bethlehem und im ganzen Heiligen Land, sondern auch in Kolumbien, im Südsudan, in Korea, in der Ukraine und an anderen Orten ein gerechter Friede sein, um „wahrhafter Friede“ werden zu können. Ein solcher Friede könne nicht durch die Anwendung von Macht, Gewalt, Diskriminierung, Verletzungen der Menschenrechte oder Aufbau von Mauern hergestellt werden.

Die Berufung zum Frieden sei nicht nur eine „vage Idee“, eine bestimmte Interpretation heiliger Texte, betonte Fykse Tveit. Vielmehr könne dieser Friede durch das internationale Recht und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als Antwort auf die ungeheuren Tragödien des 20. Jahrhunderts definiert werden. Leider scheine es heute so, als ob viele diese Instrumente des gerechten Friedens zwischen Völkern und Gemeinschaften ignorieren wollen. „Wenn wir Licht der Welt sein wollen, müssen wir Rechenschaft im Hinblick auf diese gemeinsamen Standards des internationalen Rechts verlangen, die helfen können, Gerechtigkeit und Frieden herzustellen“, sagte der Generalsekretär des Weltkirchenrats. Das bedeute aber auch, dass die Okkupation beendet werden müsse, „die Gewalt in allen Erscheinungsformen, ob es nun die Gewalt von Einzelnen und noch mehr die strukturelle Gewalt und die militärische Gewalt ist“. Würde und Rechte jeder Person müssten geschützt und respektiert werden, so Fykse Tveit.

Der Generalsekretär des Weltkirchenrats erinnerte daran, dass er vor 14 Jahren – im Jahr 2002 –in Bethlehem war, als dort Ausgangssperre herrschte. Pfarrer Mitri Raheb – einer der Unterzeichner von „Kairos Palestine“ – habe ihm damals das im Bau befindliche und durch Beschuss beschädigte Kulturzentrum seiner Gemeinde gezeigt, das zu einem Ort der menschlichen Würde werden sollte, an dem Kinder ihre Talente entwickeln können. Eines der Kinder aus dem Kulturzentrum in Bethlehem habe die diesjährige Weihnachtskarte des Weltkirchenrats gezeichnet, eine Karte, die das „Licht der Welt“ sichtbar mache. Dieses „Licht der Welt“ verweise auf eine Stadt, in der die Menschen miteinander leben, ihr Leben teilen können, eine „Stadt auf dem Berge“.

Bethlehem sei eine Stadt der Pilger, betonte Fykse Tveit: „Wir sind Pilger in dieser Welt, an Orten, wo das Licht leuchtet wie hier in Bethlehem und an Orten, wo viele mehr Licht brauchen würden. Pilger zu sein, bedeutet miteinander unterwegs zu sein – mit unterschiedlichen Begabungen, Aufgaben, Meinungen, in unterschiedlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften. Aber wir sind alle berufen, miteinander ‚Licht für die Welt‘ zu sein. Gemeinsam sind wir stärker. Nichts soll uns trennen“.

Vizegeneralsekretärin wurde Einreise verweigert

Abschließend erinnerte der Generalsekretär des Weltkirchenrats daran, dass seiner Stellvertreterin Isabel Apawo Phiri am Montag am Flughafen Lod die Einreise verweigert wurde. Es habe sich um eine „ungerechte und inkorrekte“ Entscheidung gehandelt. Für ihn selbst bedeute diese Vorgangsweise, dass er möglicherweise das letzte Mal Gelegenheit gehabt habe, Bethlehem zu besuchen.

In einem Kommunique hatte der Weltkirchenrat am Dienstag, 6. Dezember, die Festhaltung, das Verhör und die Ausweisung von Prof. Isabel Apawo Phiri am Ben-Gurion-Flughafen als „beispielloses Vorgehen“ bezeichnet. „Die israelische Feindseligkeit“ gegenüber den Initiativen des Weltkirchenrats für einen gerechten Frieden für Palästinenser wie Israelis sei “zutiefst zu bedauern“. Isabel Apawo Phiri war zu Konsultationen mit kirchenleitenden Persönlichkeiten in Jerusalem im Rahmen des „Ökumenischen Begleitprogramms in Palästina und Israel (EAPPI)“ und zu den Jahrestagsfeiern in Bethlehem unterwegs. Da die stellvertretende Generalsekretärin das einzige afrikanische Mitglied der Genfer Delegation war und gleichzeitig die einzige Person, der die Einreise verwehrt wurde, und da als Grund für ihre Ausweisung „Prävention illegaler Immigration“ angegeben wurde, hat der Weltkirchenrat seine Anwälte beauftragt, sofort Einspruch gegen „dieses offensichtlich ungerechte und diskriminierende Vorgehen“ zu erheben. Isabel Apawo Phiri stammt aus Malawi, sie war vor ihrer Berufung nach Genf Direktorin des Zentrums für Konstruktive Theologie an der Universität im südafrikanischen Pietermaritzburg.

„Die im Verhör vorgebrachten und in den Medien veröffentlichten Anschuldigungen gegenüber dem Weltkirchenrat und dem EAPPI-Programm sind völlig unzutreffend“, erklärte Generalsekretär Olav Fykse Tveit. Er sei „äußerst überrascht und bestürzt, dass das israelische Innenministerium seine Entscheidungen anscheinend auf falsche und unzuverlässige Quellen stützt“.

Das Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI) ist die konkrete Antwort auf einen Appell von kirchenleitenden Persönlichkeiten in Jerusalem an den Weltkirchenrat im Jahr 2002: „Wir bitten respektvoll um den Schutz aller Menschen, um einen Beitrag zur Wiederherstellung des gegenseitigen Vertrauens und der Sicherheit für die Angehörigen des israelischen und palästinensischen Volkes zu leisten. Weiterhin möchten wir alle friedliebenden Menschen überall auf der Welt auffordern, zu uns zu kommen und sich unserer Demonstration für einen gerechten Frieden anzuschließen“. Mehr als 70 Kirchen, ökumenische Gremien sowie kirchliche Dienste und Werke in 22 Ländern in Afrika, Asien, Europa, Nordamerika und Lateinamerika beteiligen sich aktiv an dem Programm. Fast 1.800 Begleitpersonen waren bereits im Einsatz, darunter auch etliche aus Österreich. (Infos: Marianne Ejdersten, Tel.: 0041/79/ 507 63 63, E-Mail: mej@wcc-coe.org). (ende)