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Franz König

Pro Oriente

Libanon: Syrischer Großmufti besuchte Präsident Aoun und Kardinal Rai

Maronitischer Kardinal-Patriarch möchte Regierungsbildung bis Weihnachten

Beirut, 08.12.16 (poi) Der syrische sunnitische Großmufti, Scheich Ahmad Badr-ed-din Hassoun, hat am 7. Dezember den Libanon besucht, wo er vom neuen Präsidenten Michel Aoun in dessen Residenz in Baabda empfangen wurde. Im Anschluss an den Höflichkeitsbesuch beim Staatsoberhaupt stattete Hassoun dem maronitischen Patriarchen, Kardinal Bechara Boutros Rai, einen Besuch in der Patriarchenresidenz in Bkerke ab.
In seinen öffentlichen Erklärungen am Rande des Libanon-Besuchs hob der Großmufti die “soliden und langjährigen“ Beziehungen zwischen Syrien und dem Libanon hervor und würdigte die “moderate” und “ethische” Haltung des neuen Präsidenten. Ohne Namensnennung forderte er die politischen Kräfte des Landes, die das Regime Assad ablehnen, zu “Aussöhnung” und “Vergebung” auf. Heute herrsche in Syrien und im Libanon Hoffnung unter der Leitung der Präsidenten Michel Aoun und Bashar al-Assad.

Der frühere Armeegeneral Michel Aoun, ein maronitischer Christ, war Ende der 1980er Jahre in der letzten Phase des Libanon-Kriegs ein Vertreter des Widerstands gegen die Vorherrschaft der syrischen Armee im Libanon. Damals hatte Aoun die Unterstützung von Saddam Hussein, einem großen Feind des damaligen syrischen Diktators Hafiz al-Assad. Von 1990 bis 2005 musste Aoun den Libanon verlassen, nachdem die syrische Armee im Libanon einmarschiert war. Nach der Rückkehr aus dem Exil in Frankreich gründete Aoun 2005 die Patriotische Freiheitsbewegung und verbündete sich mit der schiitischen „Hizbollah“. Gleichzeitig bemühte er sich um die Wiederherstellung friedlicher Beziehungen zu Syrien und Präsident Bashar al-Assad.

Kardinal Rai hat inzwischen die Bildung einer neuen libanesischen Regierung bis Weihnachten gefordert. Mit der Präsidentenwahl habe der Libanon eine schwierige Phase überstanden, sagte Rai nach einem Treffen mit Aoun laut „An-Nahar“. Die Wahl von Michel Aoun zum Präsidenten sei das Ergebnis „eines Abkommens, von dem wir nicht einmal zu träumen gewagt hatten“, so der Kardinal. Er äußerte die Hoffnung, dass dieser „nationale Konsens, die intermaronitische und die maronitisch-sunnitische Versöhnung“, nun auch zur Wahl einer Regierung führen könne. Präsident Aoun hatte die Regierungsbildung dem sunnitischen Politiker Saad Hariri anvertraut, bisher scheiterten die Verhandlungen am hinhaltenden Widerstand des schiitischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri. Der maronitische Kardinal-Patriarch appellierte jetzt an alle politischen Gruppierungen, die Bestrebungen von Präsident Aoun zu unterstützen: „Aoun zu unterstützen bedeutet, für eine geeinte Nation einzutreten“. Mit Präsident Aoun trete auch er für eine Regierung ein, in der alle politischen Gruppierungen repräsentiert sind, damit „wir geeint die großen Herausforderungen bewältigen können, die vor uns liegen“, betonte Rai. (ende)