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Franz König

Pro Oriente

Papst Franziskus kondolierte dem koptischen Oberhaupt telefonisch

Ägyptischer Präsident al-Sisi bei der Trauerfeier für die Opfer des diabolischen Bombenanschlags bei der Messfeier in der St. Petrus und Paulus-Kirche

Kairo-Vatikanstadt-Wien, 12.12.16 (poi) Papst Franziskus hat am Montagmorgen mit dem koptischen Papst-Patriarchen Tawadros II. telefoniert, um persönlich seine Anteilnahme im Hinblick auf den Bombenanschlag in der St. Peter und Paul-Kirche zum Ausdruck zu bringen. Bei dem Anschlag während der Liturgie wurden 25 koptische Christen – vor allem Frauen und Kinder – getötet, an die 50 wurden teils schwer verletzt. Der Pressesprecher des Heiligen Stuhls, Greg Burke, sagte vor den Journalisten im Vatikan, sowohl Franziskus als auch Tawadros II. hätten in ihrem Gespräch auf den „Ökumenismus des Blutes“ Bezug genommen, „Papst Franziskus hat unterstrichen, dass wir im Blut unserer Märtyrer geeint sind“. Zugleich habe Papst Franziskus angekündigt, dass er am Montagabend beim Gottesdienst zum Fest Unserer Lieben Frau von Guadalupe in besonderer Weise der Opfer des Bombenanschlags in dem koptischen Gotteshaus gedenken werde. Tawadros II. habe den Papst um das Gebet „für die koptischen Christen und für den Frieden in Ägypten“ gebeten.

Am Trauergottesdienst für die Opfer des Attentats in der St Peter und Paul-Kirche nahm am Montag auch der ägyptische Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi teil. Nach der Beisetzungsfeier in der Kirche zog die Trauerprozession mit den Angehörigen der Opfer unter Leitung von Tawadros II. zum Denkmal des Unbekannten Soldaten in Nasr City, wo eine offizielle Trauerfeier stattfand, bei der Präsident al-Sisi sowie Vertreter der Regierung den Angehörigen ihr Beileid aussprachen. "Der Terrorismus hat sowohl Kopten als auch Muslime zum Ziel, doch er macht uns nur stärker und schweißt uns zusammen“, so der Präsident. In dieser Form hat eine Trauerfeier für die Opfer von Anschlägen in Ägypten noch nie stattgefunden. Auch die von Präsident al-Sisi verhängte dreitägige Staatstrauer ist eine Neuheit. “Der Präsident möchte mit den öffentlichen Gesten zeigen, dass er die Kopten als eine grundlegende Komponente des Landes und die koptischen Christen als unverzichtbaren Teil der ägyptischen Gesellschaft betrachtet“, so der koptisch-katholische Bischof Antonios Aziz Mina.
Zu den Protesten koptischer Christen, die vom Staat mehr Schutz forderten, betonte der Bischof laut katholischer Nachrichtenagentur „Fides“: “Bei den protestierenden Kopten handelt es sich um eine kleine Gruppe, die auch gegen den Patriarchen Tawadros protestieren. Es könnte sich auch um Provokateure handeln. Mich hat vielmehr beeindruckt, dass Bischöfe und Priester sofort am Ort des Attentats waren und versuchten, die Menschen zu trösten. Pfarrer Makarios, den ich persönlich kenne, hat sogar über ein Mikrofon der Polizei erklärt: ‚Was hier passiert, ist ein Martyrium und als Christen wollen wir nicht protestieren oder wütend sein, den Märtyrer wird es immer geben‘“.

Zu den Übergriffen auf Journalisten am Rande des Attentats erklärte der Bischof: “Es ist verständlich, dass man angesichts von Fotoapparaten und Kameras, die auf die eigenen Verstorbenen gerichtet sind, in Wut gerät. Auf der anderen Seite tun auch die Journalisten nur ihre Arbeit und nur durch ihre Berichterstattung haben wir sofort von diesem Martyrium erfahren”.

„Pro Oriente“: „Schockiert, bestürzt und entsetzt“

„Pro Oriente“-Präsident Johann Marte hat Bischof Gabriel, der für die koptisch-orthodoxen Christen in Österreich zuständig ist, am Montagnachmittag kondoliert. Wörtlich heißt es in dem Schreiben von Präsident Marte: „Schockiert, bestürzt und entsetzt ist die Stiftung ‚Pro Oriente‘ über das Attentat in der koptisch-orthodoxen Kirche St. Peter und Paul in Kairo. Die Tatsache, dass dieser unbeschreiblich verbrecherische Akt vor allem zahlreiche Frauen und Kinder im Gebet zum Ziel hatte, erhöht die abgrundtiefe Gemeinheit der Tat“. Marte brachte das „tief empfundene“ Mitgefühl der Wiener Stiftung zum Ausdruck, zugleich ersuchte er Bischof Gabriel, diesen Ausdruck des Mitgefühls auch Papst-Patriarch Tawadros II. zu übermitteln.

„Pro Oriente“ ist seit Jahrzehnten eng mit der koptisch-orthodoxen Kirche verbunden. Bereits beim ersten, von „Pro Oriente“ veranstalteten inoffiziellen Wiener Dialog zwischen orientalisch-orthodoxen und katholischen Theologen im Jahr 1971 kam auf Initiative des damaligen jungen koptischen Bischofs (und späteren Patriarchen) Schenuda die „Wiener Christologische Formel“ zustande, mit der ein 1.500 Jahre währender Streit beigelegt werden konnte. (forts)