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Franz König

Pro Oriente

Papst Franziskus lädt Präsident Assad zum Frieden ein

Der zum Kardinal erhobene Nuntius in Damaskus überreichte das Papstschreiben persönlich an den syrischen Staatschef

Vatikanstadt-Damaskus, 12.12.16 (poi) Papst Franziskus hat an den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad geschrieben: Er bittet den syrischen Präsidenten und die internationale Gemeinschaft, den Krieg in Syrien zu beenden und sich um eine friedliche Lösung des Konflikts zu bemühen. Der Brief ist in Assads Händen – Kardinal Mario Zenari, der Apostolische Nuntius in Damaskus, hat das Schreiben dem Präsidenten persönlich überreicht. Kardinal Zenaris Eindruck war, dass Assad diesen Brief des Papstes „sehr respektvoll“ entgegengenommen habe: „Er hat ihn gelesen und wertgeschätzt, soviel kann ich sagen“.

Im Gespräch mit „Radio Vatikan“ berichtete Zenari: „Ich wurde am Montagmorgen vom Präsidenten zu einem Höflichkeitsbesuch empfangen, weil ich als Kardinal nach Damaskus zurückgekommen bin und das etwas Einmaliges ist. Alle in Syrien, von der Regierung bis zu den einfachen Bürgern, haben verstanden, dass die Verleihung des Kardinalspurpurs an den Nuntius in Damaskus eine Geste des Papstes ist, um seine Nähe zu den leidenden Syrern zu zeigen. Bei diesem Besuch habe ich einen Brief des Papstes überreicht. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, was in diesem Brief drinsteht: natürlich all das, was der Papst immer schon zum syrischen Konflikt gesagt hat, vor allem wird der Akzent auf den humanitären Aspekt gelegt“.

In einer Mitteilung der vatikanischen Sala Stampa hieß es darüber hinaus, Papst Franziskus habe in dem Brief an Assad ausdrücklich jegliche Form von Extremismus und Terrorismus verurteilt, „wer auch immer sie begehe“. Er dringe außerdem darauf, dass die Menschenrechte voll und ganz respektiert werden, was den Schutz von Zivilisten und den Zugang zu humanitären Hilfen angehe. In seinem Brief rufe Franziskus dazu auf, alle Anstrengungen zu vereinen, den Krieg in Syrien zu beenden und Frieden im Land einkehren zu lassen, damit es wieder ein interkulturelles und interreligiöses Koexistenzmodell wird, das es historisch war.

Nuntius Zenari hofft auf ein Ende des Schlachtens in Syrien: „Das ist, was wir alle wollen – dass sich eine Lösung abzeichnet. Natürlich ist der Weg dahin nicht leicht. Man sollte weitergehen auf dem Weg des Waffenstillstands, des Zugangs von humanitären Hilfen und der Versöhnung. Vor allem in diesem Moment, wo die Bevölkerung in Aleppo einen furchtbaren Preis für diesen Konflikt zahlt. Als Glaubende, als Christen beten wir darum“.

Am Sonntag hatte der Papst erneut zu einem Waffenstillstand in Aleppo und im übrigen Syrien aufgerufen. „Ich appelliere an das Pflichtbewusstsein aller, eine „Entscheidung des zivilen Anstands“ zu treffen, sagte er zum Abschluss des Angelus-Gebets auf dem Petersplatz: „Nein zur Zerstörung, ja zum Frieden, ja zu den Menschen von Aleppo und Syrien“. Leider habe man sich bereits an Krieg und Zerstörung in Syrien gewöhnt. Darüber dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass Syrien ein Land voll von Geschichte, Glauben und Kultur sei: „Wir können nicht akzeptieren, dass das alles vom Krieg vernichtet wird, der eine Anhäufung von Gewaltakten und Falschheit ist“. (forts)