Pro Oriente Logo

Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Beileidsbesuch des Großimams von Al-Azhar bei Papst-Patriarch Tawadros II.

„Die koptische Kirche ist eine Kirche der Märtyrer“

Kairo, 15.12.16 (poi) Der Großimam der Al-Azhar-Universität, Scheich Ahmed al-Tayyib, hat zusammen mit einer hochrangigen Delegation den koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II. besucht, um sein Beileid im Hinblick auf den Anschlag in der St. Peter-und-Paul-Kirche auszusprechen. Bei dem Anschlag am 11. Dezember starben mindestens 26 Menschen, an die 50 wurden verletzt. Zielscheibe von solchen terroristischen Anschlägen, “die keinen Unterschied zwischen Christen und Muslimen machen”, sei “die Einheit des ägyptischen Volkes”, sagte der Großimam. Die Organisatoren der Anschläge seien “im Ausland angesiedelt“. Tawadros II. erinnerte daran, dass Christen und Muslime auf eine 14 Jahrhunderte lange Geschichte des Zusammenlebens in Ägypten zurückblicken. Dies könne ihnen helfen, gemeisam die Prüfungen zu bestehen, mit denen sie sich beim Aufbau des gemeinsamen Vaterlandes konfrontiert sehen.

Beim Trauergottesdienst in der Markuskathedrale hatte Tawadros II. wörtlich gesagt: „Wir nennen unsere Kirche eine ‘Kirche der Märtyrer’, bereits im 1. Jahrhundert nach Christus haben Kopten ihr Leben aus Liebe zu Christus hingegeben“. “Unsere Märtyrer und das Martyrium an sich verbinden uns mit dem Himmel“, stellte der Patriarch weiter fest und fügte hinzu: „Wir glauben, dass es für diejenigen, die Gott lieben, keinen Tod gibt, denn sie werden erweckt zur Freude des ewigen Lebens”. Die Terroristen hingegen würden der göttlichen Strafe nicht entkommen können.

Bereits bei der zivilen Trauerfeier für die Opfer hatte der ägyptische Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi bekannt gegeben, dass vier Verdächtige im Zusammenhang mit dem Attentat festgenommen wurden. Die Sicherheitskräfte hatten nach ersten Ermittlungen den 22-jährigen Selbstmordattentäter Mahmud Shafik Mohamed Mostafa identifiziert, ein Mitglied der mit dem IS in Verbindung stehenden Bewegung „Wilayat Sinai“. Die IS-Terroristen bekannten sich im Internet zu den Anschlägen und verherrlichten einen Selbstmordattentäter Abu Abdullah, der „sich unter den Kreuzrittern in die Luft sprengte und 80 von ihnen tötete oder verletzte''. Islamistische Gruppierungen in Kairo dagegen distanzierten sich von dem Anschlag und setzten – wie die katholische Nachrichtenagentur „Fides“ berichtet – Verschwörungstheorien in Umlauf, dass Anhänger der Regierung den Anschlag verübt hätten, um die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen und die Macht des Präsidenten zu konsolidieren. (ende)