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Franz König

Pro Oriente

Caritas-Friedensappell für Syrien

„Wir sind alle mit Aleppo“ – Kardinal Tagle: „Seit fünf Jahren leidet das Volk auf Grund der grausamen Kriegsereignisse"

Vatikanstadt-Damaskus, 15.12.16 (poi) “Wir sind alle mit Aleppo”: Unter diesem Titel hat die „Caritas internationalis“ am Donnerstag einen neuen Appell zur „sofortigen Beendigung“ des Konflikts um die einstige syrische Wirtschaftsmetropole, für den „Schutz der Zivilbevölkerung“ und für die Möglichkeit ungehinderter humanitärer Hilfslieferungen für die Notleidenden gestartet. Es müssten sofort politische Verhandlungen beginnen, um die Kriegshandlungen in ganz Syrien zu beenden. Kardinal Luis Antonio Tagle, der Präsident von „Caritas internationalis“, bedauerte, dass es in Syrien nicht Weihnachten wird: „Seit fünf Jahren leidet das Volk auf Grund der grausamen Kriegsereignisse. Millionen Menschen sind obdachlos und die ein Dach über dem Kopf haben, vermissen Heizung und Elektrizität. Auch das Caritas-Personal hat begonnen, wegen der Kälte die Möbel zu verheizen. Die noch offenen Schulen können kein Heizöl bezahlen und die Kinder sind während der Unterrichtsstunden in Decken gehüllt, damit sie ausharren können“. Mit 13 Millionen Notleidenden und sechs Millionen Inlandsflüchtlinge ist Syrien zum größten Notfall der Caritas geworden.

Der griechisch-katholische melkitische Patriarch Gregorios III. Laham hat ebenfalls am Donnerstag an die humanitären Organisationen in aller Welt appelliert, alles zu tun, um die Tragödie und das Leid des Volks von Aleppo zu mildern. Der chaldäische Bischof von Aleppo (und syrische Caritas-Präsident) Antoine Audo verwies darauf, dass die Caritas, die vom seit jeher unter Regierungskontrolle stehenden Westteil der Stadt aus operiert, sich um die Zivilisten annimmt, die jetzt aus dem früher von den Rebellen beherrschten Ostteil der Stadt evakuiert werden: „Als Caritas haben wir, als die ersten Flüchtlinge aus dem Ostteil kamen, die Verantwortung für etwa 2.000 Familien übernommen: Unterkunft, Essen, Medizin usw. Das ist unser Programm in Aleppo. Wir sind präsent und nehmen diese Familien auf“.

Im Gespräch mit „Radio Vatikan“ sagte der Bischof, „wie üblich“ werde der jüngste Brief von Papst Franziskus mit seinem Friedensappell an Präsident Assad von jeder Kriegspartei zum eigenen Vorteil ausgelegt. Trotzdem sei dieser Brief eine wichtige Friedensbotschaft, „die uns Mut macht“. Auch dass der Papst praktisch jeden Sonntag über Syrien spricht und dazu aufruft, alle Anstrengungen für eine Versöhnung zu unternehmen, sei für die Menschen in Syrien von großer Bedeutung.

Der maronitische Bischof von Latakia, Antoine Chbeir, hat in einem Gespräch mit dem italienischen „Kirche in Not“-Informationsdienst dargelegt, warum die Situation auch in der relativ ruhigen, unter Regierungskontrolle stehenden Hafenstadt so schwierig ist: „Wir müssen uns sowohl um die vielen Inlandsflüchtlinge als auch um die lokale Bevölkerung kümmern. Die Geldentwertung hat zu schwierigen wirtschaftlichen Problemen geführt. Im Durchschnitt müssen die Familien hier in Latakia von umgerechnet zirka 50 Euro im Monat leben. Durch den Zustrom der Inlandsflüchtlinge sind die Mieten in die Höhe geklettert. Viele unserer Leute können sich das nicht mehr leisten“.
Zugleich machte Bischof Chbeir deutlich, dass der Kirche das ganze syrische Volk am Herzen liegt, „Christen und Nichtchristen“. Auf diese Weise werde aufgezeigt, dass es den Christen um die Menschen geht, nicht um den eigenen Vorteil.

Psychologisch werde die Situation auch dadurch belastet, dass die Aussichten für die nächsten Monate düster sind. Bischof Chbeir: „Das, was da läuft, ist nicht in erster Linie ein Bürgerkrieg. Es ist ein Krieg der ‚foreign fighters‘ aus Europa, die gegen die westliche Gesellschaft sind und sich mit den IS-Terroristen identifizieren. Und weil dieser Krieg von den Terroristen aus dem Ausland ständig angeheizt wird, hört er nicht so bald auf“.
Sobald der Krieg aufhöre, würden sich die Syrer selbst behelfen können, ist sich der maronitische Bischof sicher. Solange geschossen wird, sei aber Hilfe notwendig, „es gibt kein Heizöl für die Wohnungen, es gibt keine Milch und keine Windeln für die Babies usw.“

Besonders wichtig sei auch die Erziehung der jungen Leute, denn der Terrorismus könne nur durch die Erziehung bekämpft werden. Es sei der brennende Wunsch der meisten Syrer, in ihrer Heimat bleiben zu können, „in dieser Heimat, in der Damaskus ist, wo sich der Heilige Paulus bekehrt hat, in dieser Heimat, wo unweit von Aleppo die Kathedrale des Heiligen Simeon des Styliten steht“. (forts mgl)