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Franz König

Pro Oriente

„Ein Russland-Besuch des Papstes wäre jetzt kein Problem mehr“

Katholischer Erzbischof in Moskau, Paolo Pezzi, legt Entwicklung der ökumenischen Situation in der Russischen Föderation dar – Die Wirkung der Begegnung zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill auf Kuba

Moskau,11.01.17 (poi) Er habe den Eindruck, dass auf dem Hintergrund der Begegnung zwischen Papst Franziskus und dem Moskauer Patriarchen Kyrill auf Kuba im vergangenen Februar ein Russland-Besuch des Papstes „kein Problem“ sei, sagte der katholische Erzbischof in Moskau, Paolo Pezzi, in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR über die ökumenische Situation in der Russischen Föderation. Der wichtigste Schritt für die Kirchen in Russland sei es, keine Angst mehr davor zu haben, einander zu begegnen, so Pezzi. Wörtlich meinte der katholische Erzbischof: „Ich kann nicht sagen, wie lange man auf einen Papstbesuch in Russland warten muss“. Aber jedenfalls werde ein solcher Besuch nicht mehr als problematisch gesehen.

Auch die negativen Reaktionen, die es in einigen orthodoxen Milieus auf die Begegnung zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill auf Kuba gegeben habe, seien „gut bearbeitet“ worden. Es habe zwar nicht viele, aber dafür relativ lautstarke Reaktionen auf diese Begegnung gegeben. Aber das sei vorbei. Der Patriarch – und andere – hätten so auf überzeugende Weise die Motive für die Begegnung darlegen können.
Es könne weiterhin Diskussionen geben, ob die Begegnung politischen, kulturellen oder religiösen Charakter gehabt habe, aber zweifellos habe die Auseinandersetzung dazu beigetragen, dass die Möglichkeit eines Besuches von Papst Franziskus in Russland jetzt mit größerer Gelassenheit gesehen werde, betonte Erzbischof Pezzi. Papst Franziskus selbst sei in diesem Zusammenhang immer äußerst diskret, er habe niemals gesagt, dass er nach Russland reisen wolle. Aber zweifellos wolle er wieder mit Patriarch Kyrill zusammentreffen, „ob in Moskau oder in Rom, jeder Ort ist in Ordnung“. Aber der Papst wolle nichts überstürzen.

Generell könne man sagen, dass die ökumenischen Beziehungen in Russland heute „gut, konstruktiv und freundschaftlich“ sind, unterstrich Pezzi. Seit der Begegnung zwischen Papst und Patriarch gebe es „einen größeren Wunsch nach gegenseitigem Kennenlernen“. Daher gebe es jetzt auch häufiger Gelegenheiten der Begegnung und der Zusammenarbeit. Freilich sei die Situation örtlich unterschiedlich. Es gebe Städte, in denen der örtliche orthodoxe Bischof die Zusammenarbeit nicht so positiv sehe. Aber auf der zentralen Ebene seien seine persönlichen Beziehungen zu Patriarch Kyrill und zu Metropolit Hilarion (Alfejew), dem Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, „gut und herzlich und immer konstruktiv“, sagte der Erzbischof.

Auf theologischer Ebene gebe es verschiedene Kommissionen, die den Dialog fördern, so Pezzi. Aber diese Arbeit benötige Zeit, die theologische Übereinkunft werde wahrscheinlich erst am Ende des ökumenischen Weges erzielt werden. In pastoraler Hinsicht seien schon Schritte gesetzt worden, „wir hoffen, noch weitere zu setzen, andere sollten unbedingt erzielt werden“. Die meisten bisherigen Schritte seien im kulturellen und im karitativen Bereich erfolgt. Für die Zukunft werde es zum Beispiel auch darum gehen, die Familienseelsorge gemeinsam zu entwickeln, weil es viele konfessionsverschiedene Ehen gebe. Auch wäre es wichtig, Initiativen für die Jugend zu starten, um im Jugendmilieu gemeinsam die Botschaft des Evangeliums zu verkünden. (ende)