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Franz König

Pro Oriente

Trump-Maßnahmen: Skeptische Reaktionen von katholischen Bischöfen aus dem Vorderen Orient

Bischof Bizzeti nennt Einreiseverweigerung für Bürger islamisch geprägter Staaten „falsch“, Weihbischof Shomali skeptisch gegen den Vorschlag eines Umzugs der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem

Ankara-Jerusalem, 30.01.17 (poi) Erste Maßnahmen und Absichtserklärungen von US-Präsident Donald Trump haben bei katholischen Bischöfen im Vorderen Orient, die ihr islamisches Umfeld gut kennen, skeptische Reaktionen ausgelöst. Der Apostolische Vikar von Anatolien, Bischof Paolo Bizzeti, hat im Gespräch mit „Radio Vatikan“ Trumps Anordnung, befristet auf 90 Tage den Bürgern von sieben islamisch geprägten Staaten die Einreise zu verweigern, als „falsch“ bezeichnet. Die Einreise von syrischen Flüchtlingen soll überhaupt auf unbestimmte Zeit gestoppt werden. Er kenne das Schicksal vieler syrischer und irakischer Flüchtlinge gut, so Bizzeti, da die Türkei ein „Durchgangsland“ für diese Menschen sei. Es sei auch eine „Illusion, mit Mauern Sicherheit zu schaffen“, so der Bischof über die geplante Mauer zwischen den USA und Mexiko, um Migranten aufzuhalten.

Im Hinblick auf die neuen Einreisesperren sagte der Bischof, es sei „nicht hinnehmbar, dass eine so strikte Regelung gelten soll, vielmehr bedarf es einer Politik der Differenzierung, weil auch Muslime meist Opfer von Verfolgungen durch Terroristen sind“. Die Flüchtlinge, die aus Syrien und dem Irak kommen, seien Menschen, „die vor Gewalt und Terrorismus fliehen“. Sie hätten einen sehr hohen Preis zu bezahlen, weil sie auf alles verzichten, was sie besitzen, und auch ihre Familienangehörige und Freunde zurücklassen müssen. Es sei falsch und ungerecht, alle Flüchtlinge als potenzielle Terroristen zu betrachten.

Die generelle Einreisesperre für syrische Flüchtlinge erwecke den Anschein, dass „das ganze syrische Volk bestraft werden soll, das ja gerade selber viel gegen den Terrorismus in Syrien unternimmt“, stellte Bizzeti fest. Die Flüchtlinge seien oft Menschen, die täglich ums Überleben kämpfen. Wörtlich meinte der Bischof: „Wenn nun niemand bereit ist, sie aufzunehmen, dann fühlen sich die Terroristen als die wahren Sieger dieses Krieges in Etappen, wie Papst Franziskus richtigerweise die Situation kennzeichnet“.

Skeptisch äußerte sich auch der Jerusalemer Weihbischof William Shomali zum geplanten Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem, wie es Präsident Trump vorgeschlagen hat. Notwendig seien vielmehr „konkrete Maßnahmen für den Frieden“. „Wir wissen nicht, wie die Zukunft hier aussehen wird, aber wir haben gehört, dass der neue US-Präsident sich für den Frieden im Heiligen Land einsetzen will. Wir werden ihn mit unserem Gebet unterstützen“, sagte Bischof Shomali im Gespräch mit „Radio Vatikan“.

„Wir wissen, dass Christus uns eines Tages retten wird. Aber wenn wir die derzeitige Lage bei uns anschauen, dann haben wir eher den Eindruck, dass wir uns jeden Tag ein Stück weiter vom Frieden entfernen“, so Shomali. Da werden neue israelische Siedlungen in den besetzten Gebieten gebaut, dort werde die Gewalt von palästinensischen Gruppen noch schlimmer, stellte der Weihbischof fest. (ende)