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Franz König

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Patriarch von Antiochien lädt Moskauer Patriarchen zu Syrien-Besuch ein

Freundschaftsbesuch einer Gruppe russischer Duma-Abgeordneter in Damaskus – Es geht nicht nur um den Wiederaufbau von Häusern und Infrastrukturen, sondern auch um die „Sanierung der Seelen“

Damaskus, 10.02.17 (poi) Der antiochenisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X. hat in Damaskus bei einer Begegnung mit einer Delegation des Duma-Komitees für die russisch-syrische Freundschaft unter Leitung des Abgeordneten Sergej Gawrilow seinen dringenden Wunsch nach einem baldigen Syrien-Besuch des Moskauer Patriarchen Kyrill I. deponiert. Im Gespräch mit den russischen Parlamentariern betonte Youhanna X., dass es in Syrien nicht nur um den Wiederaufbau von Wohnhäusern und Infrastrukturen gehe, sondern auch um die „Sanierung der Seelen“, den geistigen Wiederaufbau: „Wir müssen die Fähigkeit wiedergewinnen, miteinander in Frieden zu leben“. Ausdrücklich unterstrich der Patriarch, dass die Christen keine Emigration wollen: „Wir sind hier und wir werden hier bleiben“. Die Hilfe Russlands sei wichtig, damit die Leute im Land bleiben können.

Sergej Gawrilow sagte nach einer Begegnung der Delegation mit dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad: „Wir haben festgestellt, dass Syrien zweifach bedroht ist: Vom Dschihadismus, den die Golfstaaten unterstützen, und von der liberalen Aggression, die von den westlichen Ländern ausgeht“. Den im Nahen Osten involvierten Ländern sei das Schicksal der Christen egal.

Die russische Delegation besuchte auch das im 6. Jahrhundert gegründete orthodoxe Marienkloster in Sednaya nahe von Damaskus. Die Äbtissin, Mutter Febronia, berichtete den Abgeordneten, dass es Versuche islamistischer Terroristen gegeben habe, sich des Klosters zu bemächtigen, aber Gott habe das Kloster und die 40 dort lebenden Nonnen beschützt. Auch der Granatenbeschuss habe keine Opfer gefordert; „Maria hat eingegriffen“, wie die Äbtissin sagte. Mutter Febronia dankte für die russische Hilfe und erneuerte auch ihrerseits die Einladung an Papst Kyrill zu einem Besuch Syriens.

Während des Damaskus-Aufenthalts der russischen Parlamentarier-Delegation fand in der Ignatiuskirche – dem Metochion des Moskauer Patriarchats in der syrischen Hauptstadt – ein Bittgottesdienst für den Frieden statt, an dem zahlreiche orthodoxe Gläubige aus der Stadt teilnahmen. Im Anschluss an den Gottesdienst besuchten die Abgeordneten das nahegelegene Krebshospital für Kinder und ein Heim für die Kinder gefallener Soldaten und überbrachten Geschenke aus Russland.

Während des Besuchs der russischen Delegation jährte sich auch der Amtsantritt von Patriarch Youhanna X. Der Moskauer Patriarch übermittelte aus diesem Anlass ein Gratulationsschreiben, in dem es wörtlich heißt: „In dem Landstrich, wo die Jünger des Herrn zum ersten Mal Christen genannt wurden, versuchen von falschen Ideen geleitete Leute, diesen Namen auszurotten“. Mit großem Mut stelle sich die Kirche von Antiochien mit dem Patriarchen und all ihren Priestern und Laien gegen diesen „verwüstenden Ansturm“. Ausdrücklich versicherte Patriarch Kyrill den antiochenischen Patriarchen seines Gedenkens und Gebets für die beiden entführten Metropoliten von Aleppo, des antiochenischen Metropoliten Boulos Yazigi (ein leiblicher Bruder von Youhanna X.) und seines syrisch-orthodoxen Amtskollegen Mar Gregorios Youhanna Ibrahim.

Wie der Repräsentant des Moskauer Patriarchats in Damaskus, Arsenij Sokolow, vor Journalisten mitteilte, hat auch der sunnitische Großmufti von Damaskus, Ahmad Badr-ed-din Hassoun, eine Einladung an Patriarch Kyrill gerichtet. Der Mufti habe zur Abhaltung einer interreligiösen Tagung in Russland aufgerufen, um die Sache des Friedens im Nahen Osten voranzubringen. (ende)