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Franz König

Pro Oriente

Äthiopischer Patriarch: „Das Wort Gottes bringt eher den Frieden als Philosophie, Hochtechnologie und Waffen“

Patriarch Mathias I. besuchte den Sitz des Weltkirchenrats in Genf – Treffen mit Generalsekretär Fykse Tveit – Würdigung des Weltkirchenrat-Programms „Pilgerschaft für Gerechtigkeit und Frieden“

Genf, 10.02.17 (poi) Die Bedeutung des Engagements des Weltkirchenrats für Gerechtigkeit und Frieden hat der äthiopisch-orthodoxe Patriarch Mathias I. am Freitag in Genf unterstrichen. Bei der Begegnung mit dem Generalsekretär des Weltkirchenrats, Pfarrer Olav Fykse Tveit, und dessen führenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erinnerte der Patriarch daran, dass die äthiopisch-orthodoxe Kirche eines der Gründungsmitglieder der weltweiten Kirchenorganisation ist, zugleich gehöre der Einsatz für den Frieden – „selam“ auf amharisch – zum täglichen Brot der kirchlichen Arbeit in Äthiopien. Mathias I. zitierte das Jesus-Wort aus dem Johannes-Evangelium: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch“ und fügte hinzu: „Keine menschliche Philosophie oder Hochtechnologie oder Waffen können Frieden und Versöhnung besser bringen als das Wort Gottes, das zeigt die Geschichte“.

Die Friedensarbeit sei heute womöglich noch wichtiger als bei der Gründung des Weltkirchenrats 1948, betonte der Patriarch. Die Welt werde von Ungerechtigkeit, Krieg, Armut, engem Nationalismus in vielfacher Verkleidung zerrissen. Die Christenheit sei heute in aller Welt Sturmangriffen, Herausforderungen und Konfrontationen ausgesetzt. Umso notwendiger sei es, die Prinzipien der Arbeit des Weltkirchenrats, wie sie in Dokumenten wie dem „Toronto Statement“, dem Dokument „Common Understanding and Vision“ und dem Dokument über die Beteiligung orthodoxer Kirchen zum Ausdruck kamen, heute konsequent zu beachten. Wenn die Kirchen ihre Kräfte und Ressourcen im Sinn ihrer Berufung bündeln, werde es möglich sein, zu einer gerechteren und friedlicheren Weltordnung beizutragen.

Mathias I. würdigte die bei der 10. Vollversammlung des Weltkirchenrats initiierte „Pilgerschaft für Gerechtigkeit und Frieden“. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche habe sich an den Impulsen dieser Pilgerschaft orientiert und betrachte daher etwa den interreligiösen Dialog als wichtigen Bestandteil ihrer ökumenischen Verantwortung. Daher sei in Äthiopien ein starker interreligiöser Rat gebildet worden, dem unter Leitung der äthiopisch-orthodoxen Kirche auch die katholische Kirche, die evangelische Mekane Yesus-Kirche und die islamische Glaubensgemeinschaft angehören. Frieden und Versöhnung gehörten zu den wichtigsten Themen des Rates. In den letzten Monaten habe es zwei große Konsultationen des Rates über die aktuelle politische und ökonomische Krise in Äthiopien gegeben. Als Ergebnis der Konsultationen hätten sich die Kirchen und Religionsgemeinschaften in handlungsorientierten Erklärungen an die politischen Kräfte und die Öffentlichkeit gewandt und zur Überwindung der politischen Differenzen aufgerufen. Auch der Heilige Synod der äthiopisch-orthodoxen Kirche habe sich bemüht, Brücken zwischen Regierung und Opposition zu schlagen, berichtete der Patriarch. In diesem Sinn sei jetzt auch ein Dialog zwischen der Regierungspartei und den Oppositionsgruppen in Gang gekommen.

Bei diesen Bemühungen sei die Unterstützung des Weltkirchenrats hilfreich gewesen, sagte Mathias I. Zugleich erinnerte er daran, dass der Weltkirchenrat während der Hungersnot der Jahre 1983 bis 1985 der äthiopisch-orthodoxen Kirche geholfen habe, viele Äthiopier vor dem Hungertod zu retten. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche sei stolz, als Gründungsmitglied einer universalen Organisation wie dem Weltkirchenrat anzugehören, der sich um enge Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis der Kirchen bemühe.

Abschließend verwies der Patriarch auf die Bedeutung seiner Kirche, deren Wurzeln in das 1. Jahrhundert zurückreichen. Die Kirche habe heute mehr als 50 Millionen Mitglieder, 35.000 Pfarrkirchen, 1.500 Klöster, 50 Bischöfe, 400.000 geweihte Priester und Diakone sowie rund 20.000 Grund- und Mittelschulen einschließlich der pfarrlichen Sonntagsschulen.

Mathias I. besuchte in Genf und Umgebung auch das Ökumenische Institut in Bossey und das Orthodoxe Zentrum des Ökumenischen Patriarchats. (ende)