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Franz König

Pro Oriente

Was die Kirchen der syrischen Tradition der Welt von heute geben können

5. „Colloquium Syriacum“ der Stiftung „Pro Oriente“ in Wien – Bischöfe und Wissenschaftler behandeln das Verhältnis von „Identität, Integration und Beziehung zur Gesellschaft“ in den Heimatländern der Christen syrischer Tradition (Naher Osten, Südindien) und in der Diaspora

Wien, 20.02.17 (poi) Der Beitrag der Kirchen der syrischen Tradition für die universale Kirche und für die Welt von heute steht im Mittelpunkt des 5. „Colloquium Syriacum“ der Stiftung „Pro Oriente“, das von 21. bis 23. Februar im Wiener Pallotti-Haus stattfindet. An dem „Colloquium Syriacum“ nehmen Vertreter aller Kirchen der syrischen Tradition teil, unter ihnen der maronitische Erzbischof von Beirut, Mar Paul Matar, der emeritierte syro-malabarische Metropolit von Changanassery, Mar Joseph Powathil, der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, sowie der indische syrisch-orthodoxe Metropolit Mar Theophilos Kuriakose. Unter den teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist der führende Experte für das Christentum syrischer Tradition, der in Oxford lehrende Prof. Sebastian P. Brock. Er behandelt das Thema „Syriac tradition, identity and language – what does it mean for the diaspora?“ Der wissenschaftliche Leiter des „Colloquium Syriacum“, der Salzburger Ostkirchenexperte Prof. Dietmar W. Winkler, verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass durch die in Folge der tragischen Entwicklungen im Nahen Osten verstärkte Emigrationsbewegung der Christen die Frage der Bewahrung von Tradition, Identität und Sprache in der Diaspora von besonderer Bedeutung ist. Die Referenten behandeln in ihren Beiträgen jeweils die Frage der „Identität im ökumenischen Kontext“, aber auch das „Verhältnis von Identität, Integration und Beziehung zur Gesellschaft“ im Hinblick sowohl auf die ursprünglichen Heimatländer der Christen syrischer Tradition (Naher Osten beziehungsweise Südindien) als auch auf die weltweite Diaspora (Westeuropa, Nord- und Südamerika, Ozeanien). Das Generalthema des 5. „Colloquium Syriacum“ lautet: „Identity and Witness. Contribution of the Syriac Tradition to the Universal Church and the World“. Mit den Bischöfen sind erfahrene Repräsentanten der Wissenschaft und Nachwuchsforscherinnen und –forscher im Pallotti-Haus versammelt. Zum Abschluss des „Colloquiums“ pilgern die Teilnehmenden auf Einladung von Abt Maximilian Heim in das Zisterzienserstift Heiligenkreuz und nehmen dort an der Vesper teil.

„Pro Oriente“-Präsident Johann Marte betrachtet es als eine der großen Errungenschaften der Stiftung, dass sie ab 1994 dem Dialog der seit vielen Jahrhunderten getrennten Kirchen der syrischen Tradition wesentliche Impulse gegeben hat. „Pro Oriente“ war darum bemüht, für die neun Kirchen der syrischen Tradition auf inoffizieller Ebene eine Plattform der Begegnung und des Austausches aufzubauen. Zunächst geschah das bis 2005 im Rahmen des „Syriac Dialogue“, seither durch das „Forum Syriacum“, das nun bereits das 5. „Colloquium Syriacum“ veranstaltet. Das „Forum Syriacum“ ist gleichsam der „Think tank“, in dem Studienthemen und Forschungsprojekte festgelegt und koordiniert werden. Zugleich ist das „Forum“ auch ein Ort praktisch gelebter Solidarität zwischen den Kirchen der syrischen Tradition, zu denen sowohl selbständige Kirchen als auch mit Rom in voller Kirchengemeinschaft stehende („unierte“) Gemeinschaften gehören. Das “Forum“ besteht aus einem Team von internationalen Experten der Studien über das Christentum der syrischen Tradition aus Europa, dem Nahen Osten, Indien und den USA, in diesem Team sind alle Kirchen syrischer Tradition durch Wissenschaftler vertreten.

In den zu bearbeitenden Themen wurde ein Wechsel vollzogen, der sich in den Aufgabenstellungen der „Colloquia Syriaca“ spiegelt. Es geht nicht mehr um die Fragen der Christologie (wer ist Christus für die Glaubenden) oder der Ekklesiologie (was ist die Kirche, wie definiert sie sich), die im Rahmen der ökumenischen Dialoge von der theologischen Wissenschaft bereits umfassend bearbeitet worden sind. Vielmehr sollen Themen behandelt werden, die die Kirchen der syrischen Tradition in ihrer Existenz heute gemeinsam betreffen. Daher setzte sich auch schon das 1. „Colloquium Syriacum“ mit der Thematik "Die Begegnung der Kirchen der syrischen Tradition mit dem Islam: Erfahrungen der Vergangenheit und Perspektiven der Zukunft“ auseinander. (ende)