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Franz König

Pro Oriente

Dialog zwischen dem Vatikan und Al-Azhar kommt wieder in Fahrt

Delegation des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog unter Leitung von Kardinal Tauran in Kairo – Erinnerung an die historische Visite von Johannes Paul II. bei der islamischen Universität im Jahr 2000

Kairo, 22.02.17 (poi) Mit vereinten Kräften wollen der Heilige Stuhl und die Al-Azhar-Universität in Kairo gegen Fanatismus, Extremismus und Gewalt im Namen der Religion vorgehen: Zu diesem Zweck findet am Mittwoch und Donnerstag am Sitz der islamischen Universität ein Dialogseminar von Vertretern beider Seiten zum Thema statt. Leiter der vatikanischen Delegation ist der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran. Weitere Mitglieder sind der Sekretär des Rates, Bischof Miguel Ayuso Guixot, der jordanische Islamexperte Msgr. Khaled Boutros Akasheh sowie der Apostolische Nuntius in Kairo, Erzbischof Bruno Musarò.
Bischof Ayuso Guixot (der auch Mitglied des Vorstandes des in Wien ansässigen KAICIID-Dialogzentrums ist) war seit Mai 2016 mehrmals nach Kairo gereist, um die Al-Azhar-Universität zu kontaktieren und die Wiederaufnahme des Dialogs vorzubereiten. Der offizielle Dialog zwischen dem Heiligem Stuhl und der islamischen Universität ist seit 2011 ausgesetzt, in letzter Zeit kam es aber zu einer Wiederannäherung. Sichtbares Zeichen dafür war der Besuch des Großimams der Al-Azhar, Ahmed Mohammed al-Tayyeb, bei Papst Franziskus im Vatikan im Mai 2016. Auch dass Msgr. Akasheh an dem Dialogseminar in Kairo teilnimmt, lässt sich als Zeichen verbesserter Beziehungen werten. Die Al-Azhar-Universität war nicht immer gut auf den aus Jordanien stammenden katholischen Priester zu sprechen gewesen: So hatte sie vor Jahren, als das Verhältnis an einem Tiefpunkt angelangt war, verlangt, dass der Islamexperte aus der vatikanischen Kontaktgruppe mit Al-Azhar entfernt werde.

Papst Johannes Paul II. hatte am 24. Februar 2000 der Al-Azhar-Universität einen Besuch abgestattet. Das aktuelle Dialogtreffen finde in Erinnerung an diese historische Visite statt, gab der Vatikan bekannt.

Interreligiöser Kongress über Gleichheit vor dem Gesetz

In der kommenden Woche - am 27./28. Februar - veranstaltet die Al Azhar-Universität in Kairo einen interreligiösen Kongress, der sich mit den Fragen der Laizität des Staates, der Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesetz sowie dem „Respekt für die Diversität“ beschäftigen wird. Die Initiative für den Kongress ging von Großimam al-Tayyeb aus. Unter den Teilnehmern werden der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Boutros Rai, der griechisch-katholische melkitische Patriarch Gregorios III. Laham und der libanesische sunnitische Mufti Abd-el-Latif Deriane sein. Möglicherweise wird auch der libanesische Staatspräsident Michel Aoun – das einzige christliche Staatsoberhaupt des arabischen Raumes - teilnehmen. Die katholische Nachrichtenagentur „AsiaNews“ zitiert Aussagen des libanesischen muslimischen Religionswissenschaftlers und Publizisten Mohammad Sammak, wonach die Schlussdokumente des Kongresses von Kommissionen erarbeitet werden sollen, die sich aus „Christen und Muslimen, Gläubigen und Nichtglaubenden“ zusammensetzen.

„AsiaNews“ kommentiert, dass der Kongress auf die Förderung eines „aufgeklärten und gemäßigten“ Islam abzielt, der bei aller Treue zur Tradition zum Gespräch mit der Moderne imstande ist. Die Agentur verweist allerdings zugleich darauf, dass ein herausragender Al Azhar-Absolvent, Scheich Mohammed Mohammed Nasr Abdallah, nicht als Imam zugelassen wird, weil er fortschrittliche Auffassungen vertritt und öffentlich z.B. die Verschleierung der Frauen, die im islamischen Recht vorgesehenen Körperstrafen und den Dschihad verurteilt. Der Scheich gehörte zu einer Gruppe islamischer Theologen, die im November 2015 nach Paris fuhr, um das Mitgefühl angesichts der Bluttaten der IS-Terroristen zum Ausdruck zu bringen.

Die Universität Al-Azhar wurde im Jahr 988 gegründet und ist eine islamische wissenschaftliche Institution von internationalem Rang. Rund 375.000 Studenten sind dort immatrikuliert, 16.000 Mitarbeiter lehren an der Universität.(ende)