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Franz König

Pro Oriente

Fact-finding-mission zweier Papstabgesandter an den Brennpunkten des Flüchtlingselends

Kardinal Mahony und Erzbischof Tomasi waren im östlichen Mittelmeerraum und kamen zu dem Schluss, dass es die verfehlte Politik der Gewalt war, die das Elend ausgelöst hat

Vatikanstadt, 13.03.17 (poi) Im Auftrag von Papst Franziskus haben zwei hochrangige Kirchenrepräsentanten - Kardinal Roger Mahony, emeritierter Erzbischof von Los Angeles, und Erzbischof Silvano Tomasi, Sekretär des neuen vatikanischen Dikasteriums für die Ganzheitliche Entwicklung des Menschen (das auch für die Flüchtlingsseelsorge zuständig ist) - eine zehntägige Fact-finding-mission zu den Brennpunkten der humanitären Katastrophe im östlichen Mittelmeerraum durchgeführt. „Es war eine Pilgerreise, bei der wir vielen Menschen begegnet sind: Flüchtlingen aus Syrien, äthiopischen oder filipinischen Frauen, die in Haushalten im Ausland arbeiten, Flüchtlingen aus dem Irak und dort besonders Christen aus der Gegend um Mosul“, berichtete Erzbischof Tomasi im Gespräch mit „Radio Vatikan“. Die Begegnungen hätten zweierlei gezeigt, so der Erzbischof: „Zum einen die menschlichen Folgen von verfehlter Politik, welche Lösungen durch Krieg und Gewalt sucht und so den Menschen nur noch mehr Gewalt bringt. Zum zweiten haben wir aber auch gesehen, dass es so viele großherzige Menschen gibt, die bereit sind, zu helfen!“ Mahony und Tomasi zeigten sich beeindruckt von den Flüchtlingszentren, Bildungsprogrammen und Versöhnungsprojekten, die man ihnen zeigte.

Der Name „Papst Franziskus“ habe überall für Freude gesorgt, so Tomasi, gleich ob bei Christen, Jesiden oder Muslimen. „Seine Stimme ist wichtig“ sei die Überzeugung der meisten Menschen, denen sie begegnet seien. Zwischen all den verschiedenen Menschen und Gemeinschaften wieder eine auf Vertrauen basierende Gesellschaft aufzubauen, das sei die größte Herausforderung, ergänzte Kardinal Mahony: „Häuser kann man wieder aufbauen, Strom und Wasser kann man wieder verteilen - aber wenn Nachbarn auf Nachbarn losgehen oder die Häuser der anderen plündern, dann kann man das nicht einfach mit einem Händeschütteln vergessen machen. Das kann man nicht einfach auslöschen“. Er sei davon überzeugt, dass christliche und muslimische Religionsführer als „Mediatoren“, als „Instrumente der Versöhnung“, tätig werden müssen.

Gemeinsam riefen Mahony und Tomasi die USA und Europa dazu auf, mehr Menschen, die vor den Konflikten fliehen, bei sich aufzunehmen. Sie greifen auch damit einen von Papst Franziskus immer wieder formulierten Appell auf. Besonders die USA lägen falsch, sagte Kardinal Mahony, wenn sie ihre Verantwortung für die Menschen im Nahen Osten nicht anerkennen wollten. Die Invasion im Irak 2003 habe in gewisser Weise das Erdbeben, das den Nahen Osten bis heute erschüttert, erst hervorgerufen. Nach dem Rückzug aus dem Irak 2008 habe man alles im Chaos zurück gelassen, und das habe dann den so genannten Islamischen Staat entstehen lassen. „Wir tragen Verantwortung“, betonte der kalifornische Kardinal.

„Unsere Reise sollte eine Botschaft der Hoffnung sein: Wir dürfen keine Angst haben vor unseren Brüdern und Schwestern, die leiden“, antwortete Tomasi auf den Hinweis, dass Europa und Amerika gerade dabei seien, mehr Mauern zu bauen. Europa und Amerika gäben sehr viel Geld und Hilfe für Flüchtlinge, das dürfe man nicht vergessen. Der Erzbischof fragte aber auch nach den Ursachen: „Angesichts des Leidens, das wir gesehen und erfahren haben, fragen wir uns, ob es nicht klüger wäre, die Flüchtlingsströme erst gar nicht durch eine Politik von Hegemonie und Macht zu verursachen. Es wäre besser, mit Dialog und Verhandlung auf die Probleme zu reagieren. Besser, als Almosen zu geben, um die Folgen dieser Politik zu lindern, wäre es, keine falschen Entscheidungen zu treffen - und Gewalt nicht so einzusetzen, als wäre sie die Lösung des Problems“. (ende)