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Franz König

Pro Oriente

Papst Franziskus am 28./29. April in Kairo

Koptisch-orthodoxer Patriarch Tawadros II. ist glücklich über den Besuch – Begegnung mit dem Großimam der Al-Azhar, Ahmad al-Tayyeb

Vatikanstadt-Kairo, 18.03.17 (poi) Papst Franziskus wird Ende April Ägypten besuchen. Das gab der Vatikan am Samstag offiziell bekannt. Die Einladung zum Besuch Ägyptens sei von Staatspräsident Abd-el-Fattah al-Sisi, vom koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II., vom Großimam der Al-Azhar, Ahmad al-Tayyeb, und von den katholischen Bischöfen des Landes ausgesprochen worden. Als Termin der Visite wurde der 28./29. April angegeben, der Besuch des Papstes wird sich auf die Hauptstadt Kairo konzentrieren. Das genaue Besuchsprogramm werde demnächst bekannt gegeben werden, sagte der vatikanische Pressesprecher Greg Burke. In Italien hatten in letzter Zeit sowohl große Zeitungen als auch „social media“ über einen bevorstehenden Ägypten-Besuch des Papstes spekuliert.

Der Pressesprecher des koptischen Patriarchats, P. Poulos Halim, teilte der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR mit, Tawadros II. sei glücklich über den bevorstehenden Besuch von Papst Franziskus. Die Visite sei eine Bestätigung der hervorragenden Beziehungen zwischen koptisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche, Tawadros II. und Papst Franziskus seien in ständigem Kontakt. Die koptische Kirche bereite sich mit „großem Enthusiasmus“ auf die Begegnung mit Papst Franziskus vor; vor allem in der koptischen Markuskathedrale in Kairo werde bereits alles für den Besuch aus Rom vorbereitet. Für Ägypten stelle der Besuch des Papstes einen „großen Schritt vorwärts“ in der Geschichte der Beziehungen mit Europa dar. Wörtlich stellte P. Halim fest: „Die Visite Seiner Heiligkeit Papst Franziskus ist ein großer Segen, der alle Ägypter glücklich machen wird“.

Die katholische Kirche in Ägypten erhofft sich vom Papstbesuch eine Bestärkung im Zusammenleben mit der muslimischen Mehrheit im Land. Die Visite sei aber auch "eine Art, die christlichen Märtyrer zu ehren, die des Glaubens wegen getötet wurden", sagte der Sprecher der katholischen Bischofskonferenz, P. Rafic Greiche, im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“. P. Greiche betonte, Papst Franziskus werde in Ägypten "von allen" erwartet. Das komme auch darin zum Ausdruck, dass die Einladung zum Besuch von staatlicher, kirchlicher und islamischer Seite ausgesprochen worden sei. "Der Papst kommt, um die zahlenstärkste Christengemeinde des Orients zu stärken", sagte P. Greiche: „Wir wussten von seiner Absicht, aber wir kannten nicht das Datum“.

Papst Johannes Paul II. hatte von 24. bis 26. Februar 2000 Ägypten besucht. Bei der Ankunft in Kairo sagte der Papst damals: „Unterschiede der Religion waren nie Barrieren, sondern eine Form gegenseitiger Bereicherung … Im Namen Gottes der Religion Schaden zuzufügen, Gewalt und Konflikte zu schüren, ist ein schrecklicher Widerspruch und eine große Sünde gegen Gott. Doch die Geschichte in der Vergangenheit und Gegenwart liefert uns viele Beispiele für einen solchen Missbrauch der Religion. Wir alle müssen uns dafür einsetzen, die wachsende Bereitschaft zum interreligiösen Dialog als großes Zeichen der Hoffnung für die Völker der Welt zu stärken“. Die Begegnung des Papstes mit dem damaligen Großimam der Al-Azhar, Mohammad Said Tantawi, wurde als Sensation betrachtet.

Die im Jahr 1998 aufgenommenen Beziehungen zwischen der Al-Azhar-Universität, die als höchste Lehrautorität des sunnitischen Islam angesehen wird, und dem Vatikan wurden abgebrochen, nachdem Papst Benedikt XVI. in seiner Neujahrsansprache 2011 im Hinblick auf den katastrophalen islamistischen Anschlag auf eine koptische Kirche in Alexandrien in der Silvesternacht Kritik am mangelnden Schutz für die koptischen Christen in Ägypten geübt hatte. Die Worte des Papstes wurden in Kairo als „Einmischung in die inneren Angelegenheiten Ägyptens“ ausgelegt. Erst im Vorjahr kam es zur Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen der Al-Azhar und dem Vatikan. Am 23. Mai 2016 besuchte Ahmed al-Tayyeb Papst Franziskus im Vatikan. Seither wurden die Kontakte konsequent vertieft. Zuletzt war Ende Februar der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, zu einem hochrangigen Dialogseminar an der Al-Azhar nach Kairo gekommen. Dabei wurde diskutiert, wie der Heilige Stuhl und die Al-Azhar-Universität mit vereinten Kräften gegen Fanatismus, Extremismus und Gewalt im Namen der Religion vorgehen können. (forts mgl)