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Franz König

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Bischofskonferenz macht sich für „Hilfe für die Christen im Irak“ stark

Kardinal Schönborn und Bischof Scheuer berichteten bei der Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in St. Gerold über die schwierige Situation der von den IS-Terroristen aus der Ninive-Ebene und aus Mosul vertriebenen Christen

Wien-Bregenz, 17.03.17 (poi) Die österreichischen Bischöfe haben sich bei ihrer Vollversammlung in der Propstei St. Gerold in Vorarlberg (13. bis 16. März) auch mit der Situation der vertriebenen Christen in der Ninive-Ebene und in Mosul befasst. Sowohl Kardinal Christoph Schönborn, der im Vorjahr in Erbil (der Hauptstadt der kurdischen Region des Irak) war, als auch der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer, der vor kurzem in seiner Eigenschaft als Präsident der Kardinal-König-Stiftung in Erbil dem chaldäischen Patriarchen Mar Louis Raphael Sako den Kardinal-König-Preis überreicht hat, berichteten der Konferenz ausführlich über die schwierige Situation der von den IS-Terroristen vertriebenen Christen, von denen jetzt viele in ihre zwar befreiten, aber zerstörten Heimstätten zurückkehren wollen.

Die Vollversammlung verabschiedete eine Erklärung unter dem Titel „Hilfe für die Christen im Irak“. Wörtlich heißt es darin: „Die Lage im Nordirak ist dramatisch. In diesen Tagen entscheidet sich, ob die Christen in der Region eine Zukunft haben werden, wo sie seit den Anfängen der Kirche beheimatet sind. Alle rund 120.000 Christen mussten im Sommer 2014 vor den IS-Terrormilizen aus Mosul und der angrenzenden Ninive-Ebene, einem uralten christlichen Siedlungsgebiet, fliehen, um ihr Leben zu retten. Sie haben seither vor allem in den sicheren Gebieten der autonomen Region Kurdistan Aufnahme gefunden. Obwohl der IS inzwischen aus der Ninive-Ebene vertrieben wurde und die gänzliche Befreiung von Mosul immer näher rückt, steht die Existenz der Christen vor Ort noch auf der Kippe.

Nicht wenige christliche Flüchtlinge haben inzwischen den Irak verlassen und sind in westliche Staaten emigriert. Die meisten Menschen wollen aber zurück in ihre Heimat. Wenn die Christen in der Ninive-Ebene eine Zukunft haben wollen, müssen sie möglichst rasch zurückkehren und ihre Dörfer und Städte wieder aufbauen können. Der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Sako, der kürzlich von einer kirchlichen Delegation aus Österreich besucht wurde, ermutigt die Flüchtlinge zur Rückkehr, denn nur so können sie vor Ort auch ihre Besitzansprüche und Rechte wahren.

Die Situation in der Ninive-Ebene stellt sich sehr unterschiedlich dar: Einige Dörfer und Kleinstädte sind fast völlig dem Erdboden gleichgemacht, andere nur verhältnismäßig leicht beschädigt. Letztere könnten rasch wieder besiedelt werden. Einige hundert Familien sind bereits wieder unterwegs in ihre angestammten Ortschaften. Doch auch in den weniger zerstörten Siedlungen muss die Infrastruktur neu aufgebaut werden, müssen Häuser, Schulen, Kindergärten, Kirchen renoviert oder neue Brunnen gegraben werden. Klar ist, dass die Menschen dies aus eigener Kraft nicht schaffen werden. Sie brauchen Hilfe.

Die österreichischen Bischöfe unterstützen Patriarch Sako in seinem eindringlichen Appell an den Westen, die Christen im Irak nicht im Stich zu lassen. Ein Weg dabei können die vom Patriarchen vorgeschlagenen Patenschaften von Ländern der EU für konkrete Städte und Dörfer sein, um auf diese Weise beim Wiederaufbau zu helfen. Österreich sollte sich daran beteiligen und mit gutem Beispiel vorangehen. Gleichzeitig sollte sich unser Land mit allen politischen Mitteln dafür einsetzen, dass Sicherheit und Stabilität in der Region Mosul/Ninive-Ebene gewährleistet und Christen als gleichwertige Mitbürger von den dortigen politischen Autoritäten voll anerkannt werden. Schließlich geht es darum, das verloren gegangene Vertrauen zwischen Christen und Muslimen wieder aufzubauen. Die Kirche im Irak will an der Versöhnung in der Gesellschaft mitwirken und ermutigt die Christen dazu.

In den letzten Jahren hat die Kirche in Österreich ihre Hilfe für die Menschen im Nahen Osten deutlich verstärkt, vieles davon aufgrund von Spenden. So wurden die Mittel von 1,5 Millionen Euro (2009) auf zuletzt 7,6 Millionen (2016) erhöht, mit denen im vergangenen Jahr 185 Projekte unterstützt werden konnten. Konkrete Zeichen der Solidarität waren auch die Besuche von Bischof Manfred Scheuer vor wenigen Wochen sowie von Kardinal Christoph Schönborn im letzten Jahr im Nordirak, die fortgesetzt werden sollen. Die Hilfe darf gerade jetzt nicht nachlassen und muss verstärkt werden, damit die Menschen in der ‚Wiege des Christentums‘ weiter eine Zukunft haben“. (ende)