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Franz König

Pro Oriente

Positive Entwicklung der ökumenischen Zusammenarbeit im Heiligen Land

„Pro Oriente“-Konsultor P. Frans Bouwen schildert in „Radio Vatikan“-Interview das Miteinander der Kirchen in Jerusalem

Jerusalem, 31.03.17 (poi) Die positive Entwicklung der ökumenischen Zusammenarbeit zwischen den Kirchen im Heiligen Land hat P. Frans Bouwen in einem Gespräch mit dem englischsprachigen Dienst von „Radio Vatikan“ unterstrichen. Der aus Belgien stammende P. Bouwen gehört der Gemeinschaft der Afrika-Missionare (Peres Blancs) an und ist seit fast 50 Jahren an der St. Anna-Basilika in Jerusalem tätig; er ist Mitglied der offiziellen Kommissionen für den Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen bzw. den orientalisch-orthodoxen Kirchen, aber auch Konsultor der Stiftung „Pro Oriente“, Mitglied des „Forum Syriacum“ und der neuen „Pro Oriente“-„Commission for Ecumenical Encounter between the Catholic Church and the Oriental Orthodox Churches“. Auch wenn es noch den Nachhall von Furcht und Vorurteil gebe, hätten die häufigen persönlichen Begegnungen der kirchenleitenden Persönlichkeiten viel zum Positiven verändert, so der Ordensmann.

P. Bouwen bezeichnete die ökumenische Wiedereröffnung der Kapelle über dem leeren Grab Christi („Aedicula“) in der Grabeskirche (Anastasis) als einen wichtigen Meilenstein, wenn man bedenke, dass es fast 20 Jahre gedauert hatte, bis sich die orthodoxe, die katholische und die armenische Kirche auf ein gemeinsames Restaurierungsprojekt einigen konnten. Bei dieser Einigung hätten die persönlichen Beziehungen eine wichtige Rolle gespielt. Schritt für Schritt gebe es eine positive Veränderung der ökumenischen Situation im Heiligen Land.
Der den Touristen und Pilgern oft vermittelte Eindruck von Spannungen zwischen den christlichen Kirchen entspreche der heutigen Situation nicht mehr, betonte P. Bouwen. Die Veränderung habe schon mit dem Besuch von Papst Paul VI. 1964 begonnen. Von besonderer Bedeutung sei die Begegnung des Papstes mit dem damaligen Jerusalemer orthodoxen Patriarchen Benedictos gewesen. Das orthodoxe Patriarchat habe sich damit erstmals als von den Katholiken anerkannt empfunden. In den 1990er Jahren hätten die Verantwortlichen der Kirchen dann angesichts der politischen Schwierigkeiten durch die „Intifada“ die Notwendigkeit der ständigen Kontakte gesehen, um zu klären, was sie „gemeinsam sagen und tun können“. Seither gebe es regelmäßige Treffen, zu Weihnachten und Ostern würden gemeinsame Botschaften veröffentlicht, es gebe aber auch gemeinsame Stellungnahmen, wenn es die Situation erfordere. Der Jerusalem-Besuch von Papst Franziskus habe eine tiefgehende Wirkung gehabt, wie man an den Stellungnahmen des griechisch-orthodoxen Patriarchen der Heiligen Stadt sehen könne, der heute über den Dialog in einer Art und Weise spreche wie er es früher nie getan habe.

In dem „Radio Vatikan“-Interview erläuterte P. Bouwen die Bedeutung der orthodoxen, römisch-katholischen und armenischen Patriarchate von Jerusalem. Diese drei Kirchen seien am „Status quo“ aus osmanischer Zeit beteiligt, der die Verantwortung für die wichtigsten christlichen Heiligen Stätten regle. Es seien aber auch die orientalisch-orthodoxen Kirchen (Kopten, Syrer, Äthiopier), die katholischen Ostkirchen (griechisch-katholisch, maronitisch, syrisch-katholisch, armenisch-katholisch), Anglikaner und Lutheraner mit eigenen bischöflichen Strukturen in Jerusalem präsent. Diese insgesamt zwölf Kirchen hätten in den letzten Jahrzehnten eine engere Zusammenarbeit im Heiligen Land entwickelt. Daneben gebe es aber auch noch evangelikale und pentekostale Gemeinschaften.

An der Basilika St. Anna hatte P. Bouwen viele Jahre die 1951 begründete wissenschaftliche Zeitschrift „Proche-Orient Chretien“ geleitet, bevor die Redaktion 2015 an die Jesuiten-Universität Saint-Joseph in Beirut übergeben wurde. St. Anna hat eine besondere Bedeutung, weil sie als die schönste noch erhaltene romanische Kirche in Jerusalem gilt. Das Gotteshaus wurde 1142 von der Witwe des Königs Baudouin I. von Jerusalem erbaut, weil man neben dem Bethesda-Teich die Wohnung von Joachim und Anna, der Eltern Marias, vermutete. Nach der Eroberung Jerusalems durch Sultan Saladin war die Kirche ab 1192 eine Koranschule. 1856 übergab Sultan Abdülmecid das Gebäude als Dank für die französische Unterstützung des Osmanischen Reiches im Krimkrieg an Napoleon III. Damals befand sich der Bau allerdings in einem beklagenswerten Zustand. Die französische Regierung sorgte für die Restaurierung der Kirche, die dann den „Weißen Vätern“ (Peres Blancs) übergeben wurde. (ende)