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Die Ökumene muss
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Franz König

Pro Oriente

Will Moskau in der Auseinandersetzung um das Konzil von Kreta vermitteln?

Interview von Metropolit Hilarion mit dem griechischen Nachrichten-Portal „romfea“ – Entscheidend für das Fernbleiben Moskaus sei gewesen, dass nach der Absage von drei autokephalen Kirchen das Konsens-Prinzip nicht aufrechterhalten werden konnte – „Es war kein ‚Panorthodoxes Konzil‘, aber ein Schritt auf dem Weg dazu“

Nicosia-Moskau, 31.03.17 (poi) Das Moskauer Patriarchat ist offensichtlich bemüht, in der Auseinandersetzung um das Konzil von Kreta zu vermitteln. Dies geht aus einem Interview des Leiters des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), mit dem griechischen Nachrichten-Portal „romfea“ hervor. Bei diesem Interview, das während seiner Zypern-Visite zustande kam, stellte der Metropolit wörtlich fest: „Zur Zeit beschäftigen wir uns weiterhin mit den Beschlüssen des Konzils in Kreta, unsere Theologen sind an der Arbeit. Wir werden zu diesen Dokumenten Stellung nehmen müssen, aber wir sind überzeugt, dass es unsere hauptsächliche Aufgabe ist – wie vor dem Konzil so auch jetzt nach dem Konzil –, die interorthodoxe Einheit zu stärken und uns von allen Schritten fern zu halten, die diese Einheit in Gefahr bringen können“.
Die russisch-orthodoxe Kirche habe vor dem Konzil für die Vorbereitung der Kirchenversammlung alles getan, was ihr möglich war, unterstrich Metropolit Hilarion und fügte hinzu: „Wir haben bis zur letzten Minute gehofft, dass es wirklich ein panorthodoxes Konzil wird, unsererseits haben wir alle notwendigen Vorbereitungen für unsere Teilnahme getroffen. Die Hotelzimmer waren bestellt und die Flüge gebucht. Es war eine große Enttäuschung für uns, dass es kein ‚Panorthodoxes Konzil‘ wurde“. Es habe sich vielmehr um ein Konzil von zehn orthodoxen Kirchen gehandelt, an dem fünf Kirchen nicht teilnahmen (Metropolit Hilarion zählte auch die „Orthodox Church in America“ hinzu, deren Autokephalie nicht von allen orthodoxen Kirchen anerkannt wird).

Der Grund für die Nichtteilnahme Moskaus sei gewesen, dass das Konsens-Prinzip für alle Entscheidungen nach der Absage mehrerer Kirchen nicht aufrecht erhalten werden konnte, unterstrich der Leiter des Außenamts der russisch-orthodoxen Kirche. Nach Auffassung Moskaus wäre die Zustimmung „aller 14 allgemein anerkannten orthodoxen Kirchen“ zu den Beschlüssen notwendig gewesen. Als zunächst die bulgarisch-orthodoxe Kirche, dann auch das Patriarchat von Antiochien und schließlich die georgisch-orthodoxe Kirche ihre Nicht-Teilnahme ankündigten, sei klar gewesen, dass es keine Konsens-Entscheidungen geben werde. In dieser Situation habe Moskau das Ökumenische Patriarchat ersucht, eine dringende panorthodoxe Konferenz einzuberufen. Das sei nicht geschehen, bedauerte der Metropolit: „In einer Situation der Abwesenheit von drei allgemein anerkannten Kirchen konnten wir nicht teilnehmen, weil unsere wichtigste Bedingung für die Abhaltung des Konzils nicht erfüllt war, nämlich, dass alle Entscheidungen im Konsens der 14 allgemein anerkannten autokephalen orthodoxen Kirchen getroffen werden sollten“.

Trotzdem habe der Moskauer Patriarch Kyrill I. eine Grußbotschaft an das Konzil gesandt, betonte Metropolit Hilarion: „Wir haben die Entscheidung der teilnehmenden und der nichtteilnehmenden Kirchen verständnisvoll betrachtet – alle haben die Entscheidung als Gewissensfrage angesehen“. Das Konzil habe stattgefunden, das Moskauer Patriarchat betrachte es als „wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem Panorthodoxen Konzil. Es war kein Panorthodoxes Konzil, aber ein Schritt auf dem Weg dazu“.

Syrien: Krieg muss gestoppt werden

In dem „romfea“-Interview nahm der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats auch zur Situation in Syrien Stellung. Vor allem anderen sei es notwendig, den Krieg in Syrien zu stoppen und die Terroristen zu vertreiben, betonte der Metropolit. Bevor das nicht geschehen sei, könne man über keine Lösung sprechen. Wörtlich fügte der Metropolit hinzu: „Wenn uns politische Kreise im Westen sagen, dass eine Lösung des Syrien-Problems davon abhänge, Präsident Assad zu vertreiben, müssen wir sie daran erinnern, dass ein ähnliches Szenario schon im Irak und in Libyen angewendet wurde. Es hat weder zur Demokratie noch zu irgendeiner Verbesserung der Situation in den betroffenen Ländern geführt“. Man habe im Gegenteil eine Zunahme des Terrorismus und der Verfolgung der Christen gesehen. In Syrien hätte es eine ähnliche Entwicklung gegeben, wenn Russland „der syrischen Armee nicht beim Kampf mit dem Terrorismus geholfen hätte“. Der Terrorismus sei eine Herausforderung für die ganze zivilisierte Welt, um ihn zu besiegen, sei es notwendig, dass „alle Menschen guten Willens zusammenarbeiten“. Die Politiker sollten ihre Differenzen beiseitelegen und als „vereinte Front“ handeln, so der Metropolit. (ende)