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Franz König

Pro Oriente

Patriarch Tawadros II. warnt vor alarmierenden Nachrichten über antichristliche Gewalt

„Harmonische Beziehungen“ mit dem Staat Voraussetzung für die Sendung der Kirche in Ägypten

Kairo, 30.03.17 (poi) Die Episoden der Gewalt gegen Christen im Norden der Sinai-Halbinsel seien Ausnahmen in einem Land, in dem bereits die Heilige Familie auf der Flucht vor Herodes Zuflucht und Schutz gefunden hatte. Mit diesem eindrucksvollen Vergleich warnte der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. vor alarmierenden Nachrichten über die Bedingungen, unter denen Christen in Ägypten leben. In einem TV-Interview betonte der Papst-Patriarch, dass die Übergriffe von dschihadistischen Gruppen zwar ägyptische Christen betreffen, aber auch auf die Armee, die Polizei und die Richter des Landes abzielten. Hinter solchen terroristischen Anschlägen würden sich „ausländische Kräfte“ verbergen, die Ägypten spalten wollen. Dabei bekräftigt Tawadros II. die harmonischen Beziehungen zwischen Kirche und Staat und antwortete damit indirekt auf Unterstellungen im Hinblick auf eine Instrumentalisierung der Kirche durch Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi. Der koptisch-orthodoxe Patriarch betonte in diesem Zusammenhang, dass die guten Beziehungen zwischen Kirche und zivilen Institutionen “keinen negativen Faktor darstellen” und dass die Kirche ihre Sendung besser ausüben kann, wenn Übereinstimmung zwischen den verschiedenen Komponenten der Gesellschaft bestehe.

Papstreise nach Ägypten im Zeichen des Friedens

Die Ägyptenreise von Papst Franziskus Ende April steht im Zeichen des Friedens. Das geht aus dem offiziellen Motto des Papstbesuchs in Kairo hervor. Es heißt "Il Papa della pace in Egitto" (Der Papst des Friedens in Ägypten), wie die vatikanische Tageszeitung „L‘ Osservatore Romano" meldete. Einzelheiten des Programms zur Papstreise in das nordafrikanische Land wurden bisher nicht bekannt.

Papst Franziskus besucht in Kairo am 28./ 29. April auf Einladung des ägyptischen Staatspräsidenten al-Sisi u.a. den koptischen Papst-Patriarchen Tawadros II., den Großimam von Al-Azhar, Ahmed al-Tayyeb, und die katholischen Bischöfe.

Der koptisch-katholische Bischof von Assiut, Kyrillos Kamal William Samaan, sagte in einem Interview mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA, der Papst werde wegen seines Verhaltens gegenüber anderen Religionen "von allen Ägyptern hoch geschätzt". Der Bischof sieht große Fortschritte im Miteinander von Christen und Muslimen in Ägypten. Seit dem Amtsantritt von Präsident al-Sisi gebe es „ viele Zeichen der Besserung“. Nachdrücklich würdigte Bischof Kyrillos al-Sisis Initiative für ein christlich-muslimisches Großprojekt. In der neuen Hauptstadt Neu-Kairo sollen die größte Kirche und die größte Moschee des Landes nebeneinander entstehen, verbunden durch ein Zentrum für den Dialog. Dies habe der Präsident überraschend bei seinem jüngsten Weihnachtsbesuch in der koptisch-orthodoxen Markuskathedrale in Kairo angekündigt. Nach der Eröffnung eines Spendenkontos habe al-Sisi den ersten Betrag für das "Triple-Projekt" selbst eingezahlt: "Dabei kann aber nur für das Gesamtprojekt gespendet werden, nicht etwa nur für die Moschee". (ende)