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Franz König

Pro Oriente

Rumänisch-orthodoxe Kirche will Verhältnis zum KP-Regime aufarbeiten

Im Zusammenhang des Gedenkjahrs für „Patriarch Justinian Marina (1901-1977) und die Verteidiger der Orthodoxie in der kommunistischen Epoche“ wurde Vereinbarung über Zusammenarbeit zwischen dem rumänisch-orthodoxen Patriarchat und dem „Nationalen Rat für das Studium der Archive der Securitate“ unterzeichnet

Bukarest, 31.03.17 (poi) Die rumänisch-orthodoxe Kirche will ihre Vergangenheit unter dem kommunistischen Regime (1947-1989) aufarbeiten. Im Zusammenhang des Gedenkjahrs für „Patriarch Justinian Marina (1901-1977) und die Verteidiger der Orthodoxie in der kommunistischen Epoche“ wurde eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit zwischen dem rumänisch-orthodoxen Patriarchat und dem „Nationalen Rat für das Studium der Archive der Securitate“ unterzeichnet. Ziel der Vereinbarung ist das Studium der Geschichte der rumänisch-orthodoxen Kirche unter dem kommunistischen Regime und die Präsentation der Ergebnisse auf wissenschaftlicher und populärer Ebene. Die Vereinbarung wurde von Bischof Varlaam (Merticariu), Bischof von Ploiesti und Sekretär des Heiligen Synods des rumänisch-orthodoxen Patriarchats, und vom Präsidenten des „Nationalen Rats“, Dragos Petrescu, unterzeichnet.

Im Lebensweg von Patriarch Justinian Marina spiegelt sich die bewegte Geschichte Rumäniens im 20. Jahrhundert. Er war zunächst Lehrer, verheirateter Priester und Seminar-Rektor; als er 34 war, starb seine Frau in jungen Jahren. Im August 1945 wurde er Mönch, bereits am Tag nach der Tonsur wurde er zum Bischof geweiht (als Vikarbischof für den Metropoliten von Iasi). 1947 folgte er Metropolit Irineu Mihalcescu von Iasi nach. Bereits ein Jahr später wurde der neue Metropolit der Moldau nach dem Tod von Patriarch Nicodim zum neuen Oberhaupt der rumänisch-orthodoxen Kirche gewählt.

Mittlerweile hatten die Kommunisten in Rumänien die Macht ergriffen. Am 23. August 1944 hatte der damals nicht einmal noch 23-jährige König Michael I. mit einem riskanten Staatsstreich den Militärdiktator Ion Antonescu gestürzt, der das Land in das absurde Bündnis mit NS-Deutschland gelockt hatte. Aber am 30. Dezember 1947 wurde Michael I. von den Kommunisten zur Abdankung und zum Verlassen des Landes (das in Jalta der sowjetischen Sphäre zugewiesen worden war) gezwungen. 1944 hatte Justinian Marina dem kommunistischen Führer Gheorghe Gheorghiu-Dej Unterschlupf gewährt, als dieser aus einem Anhaltelager in Targu Jiu geflohen war. Diese großherzige Tat sollte dem späteren Patriarchen vielfach nützlich sein.

Bis heute ist umstritten, in wieweit Justinian Marina seine Beziehungen zur kommunistischen Führungselite nützte, um Freiraum für die Kirche zu erlangen oder ob er von der kommunistischen Nomenklatura instrumentalisiert wurde. 1948 war der neugewählte Patriarch dem kommunistischen Regime jedenfalls behilflich, die „Wiedereingliederung“ der griechisch-katholischen Kirche in die rumänische Orthodoxie zu vollziehen.

Als Patriarch gelang es Justinian Marina jedenfalls, die orthodoxe Kirche Rumäniens organisatorisch gut aufzustellen; das einzige andere Beispiel einer so starken kirchlichen Präsenz im Sowjetblock war die katholische Kirche in Polen. Der Patriarch sorgte für die theologische Bildung, für den Bau neuer und die Renovierung alter Kirchen. Zugleich legte er Wert auf gute Beziehungen nicht nur zu den anderen orthodoxen Kirchen, sondern auch im ökumenischen Sinn zu allen christlichen Kirchen.

Der Besuch Kardinal Königs 1967

Auf diesem Hintergrund kam die Reise von Kardinal Franz König nach Rumänien zustande (es war die erste Reise des Kardinals mit einer „Pro Oriente“-Delegation in den damals kommunistisch beherrschten Bereich Europas). König war von 19. bis 24. November 1967 Gast von Patriarch Justinian, der Patriarch war dann von 21. bis 30. Juni 1968 in Österreich auf Gegenbesuch. Bei seinem Besuch in Rumänien ersuchte der damalige Wiener Erzbischof seinen Gastgeber, für die Entlassung eines römisch-katholischen Bekenner-Bischofs aus dem Hausarrest einzutreten. Es handelte sich um den Bischof von Alba Julia, Aron Marton (1896-1980), der seit 1956 das Bischöfliche Palais in Alba Julia nicht mehr verlassend durfte. Der Patriarch intervenierte bei den kommunistischen Machthabern und tatsächlich erlangte Bischof Marton seine Freiheit wieder.

Der Besuch Kardinal Königs in Rumänien erregte damals weltweites Interesse. Es waren die Jahre, in denen der „Conducator“ Nicolae Ceausescu einerseits eine typische kommunistische flächendeckende Industrialisierungspolitik betrieb, andererseits aber zunehmend Wert auf Unabhängigkeit gegenüber Moskau legte. Das bedeutete auch für die Kirchen, dass sie bei Aufrechterhaltung des Herrschaftsanspruchs der atheistischen Staatsideologie ein wenig mehr Atemluft erhielten. Der Besucher aus Wien wusste diese Gunst der Stunde zu nutzen. In den Worten des Patriarchen bei der Begegnung mit dem Wiener Kardinal wurde deutlich, welche Gratwanderung im Rumänien der späten 1960er Jahre ökumenische Bestrebungen bedeuteten: „Kein Haus, das in sich entzweit ist, kann fortbestehen, sagt Christus. Daher sind wir der Meinung, dass das allgemeine Streben nach Wiederherstellung der christlichen.Einheit Hand in Hand gehen muss mit dem Dienst für den Frieden unter den Völkern und unter den Menschen“. (ende)