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Franz König

Pro Oriente

Integration gehört zum „Kerngeschäft“ der christlichen Kirchen

Pastoraltheologin Regina Polak berichtet im „Pro Oriente“-Magazin über Forschungsprojekt zum Beitrag der christlichen Diasporagemeinden für den Integrationsprozess in Österreich – „Entgegen des medial wie politisch erzeugten Eindrucks sind die Migrantinnen und Migranten in Europa nicht überwiegend muslimisch, sondern christlich“


Wien, 02.04.17 (poi) Integration gehört zum „Kerngeschäft“ der christlichen Kirchen: Dies betont die Wiener Pastoraltheologin Prof. Regina Polak in der neuesten Ausgabe des“Pro Oriente“-Magazins. Integration könne sogar als eine Konkretion des „Katholischen“ verstanden werden, als Einsatz für das Zusammenleben in Vielfalt, Gerechtigkeit und Frieden. Die Pastoraltheologin war an dem von der Stiftung „Pro Oriente“ und der Universität Wien getragenen Forschungsprojekt „Der Beitrag christlicher (Diaspora-) Gemeinden für den Integrationsprozess in Österreich“ beteiligt. Dabei versuchten Menschen aus dem rumänisch-orthodoxen und serbisch-orthodoxen Bereich auf dem Hintergrund ihrer Erfahrungen gemeinsam mit Verantwortlichen aus Politik und Kirche jene Faktoren herauszuarbeiten, die die Integration fördern bzw. beeinträchtigen.

Regina Polak hält in ihrem Grundsatzartikel unmissverständlich fest: „Entgegen des medial wie politisch erzeugten Eindrucks sind die Migrantinnen und Migranten in Europa nicht überwiegend muslimisch, sondern christlich. Europaweit fungieren die Kirchen bei der Integration von Migrantinnen und Migranten seit Jahren als engagierte Akteure und vorbildhafte Pioniere“. Den Diasporagemeinden aller Konfessionen komme große Bedeutung zu. Diese Gemeinden seien für viele Zuwanderer oft die erste Anlaufstelle. Regina Polak: „Sie bieten eine Heimat in der Fremde“. Als Anlaufstelle hätten die Diasporagemeinden soziale Aufgaben zu übernehmen: Sie helfen beim Erlernen der Sprache, bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, bei der Kinderbetreuung, sie ermöglichen soziale Kontakte, Freundschaften und Netzwerke. Zudem hätten die Gemeinden zivilgesellschaftliche Aufgaben bei der Pflege interkultureller und interreligiöser Beziehungen. Nicht zuletzt begleiteten sie ihre Mitglieder in religiöser Hinsicht durch Liturgie und Seelsorge. Freilich gebe es auf dieser Ebene noch „Entwicklungsmöglichkeiten“, so die Pastoraltheologin: Eine zentrale Rolle komme gut ausgebildeten Priestern und Personen in leitender Funktion wie auch ihrer Theologie zu, „mit deren Hilfe die Gläubigen die neue Lebenssituation entsprechend deuten können“.

Im Bereich der Flüchtlingshilfe hätten die Kirchen eine internationale Vorbildrolle, betont Regina Polak. Auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene leisteten kirchliche Einrichtungen (die mit dem Vatikan oder mit dem Weltkirchenrat verbunden sind) herausragende Arbeit. Seit Jahrzehnten hätten diese Einrichtungen eine christlich motivierte (gesellschafts-)politische Anwaltschaft für Migrantinnen und Migranten, unabhängig von deren religiöser Herkunft übernommen. Es gebe zahlreiche integrationspolitische Modelle (etwa der „Churches Commission for Migrants“, der „Konferenz Europäischer Kirchen“ (CEC) oder des Päpstlichen Rates für die Migranten-Seelsorge), „die in Österreich noch auf ihre Umsetzung warten“.

Für die Zukunft sieht Prof. Polak zwei zentrale Aufgaben. Einerseits gebe die gesellschaftspolitische Entwicklung im Kontext von Flucht und Migration (wachsender Hass gegenüber Migrantinnen und Migranten, stereotype Stigmatisierung „des“ Islam, Zunahme rechtspopulistischer Einstellungen usw.) großen Anlass zur Sorge; hier müssten sich die Kirchen zukünftig verstärkt auch politisch für Versöhnung und Frieden einsetzen(und dabei auch den Ängsten und Sorgen der Mehrheitsgesellschaft pastorale Aufmerksamkeit schenken). Andererseits brauche es auch eine „Theologie der Migration“. Die Heilige Schrift stelle dafür ebenso Möglichkeiten zur Verfügung wie die Traditionen der Kirchen. Die Basis müsse dabei eine „menschheitlich-universale“ Theologie bilden: „Gott will Gerechtigkeit und Frieden für alle Menschen, die Kirche steht im Dienst der Heilsgeschichte“. (ende)