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Franz König

Pro Oriente

Kardinal-König-Stiftung nimmt sich um die Christen der Ninive-Ebene an

Wiederaufbau eines „Österreich-Dorfs“ – Dreistufiges Programm soll den Christen des mesopotamischen Raums helfen, in der angestammten Heimat bleiben zu können – Ab Herbst werden „Cardinal Koenig Lectures“ auf den Spuren des einstigen Wiener Erzbischofs um den Dialog von Glaube und Naturwissenschaft bemüht sein – Erich Leitenberger folgt Heinz Nussbaumer als Vizepräsident der Stiftung nach

Wien, 31.03.17 (poi) Die Kardinal-König-Stiftung wird sich im Sinn eines Grundsatzes ihres Namensgebers – „nicht nur reden, sondern handeln“ – in Zukunft besonders für die Christen im nordirakischen Zweistromland einsetzen. Dies wurde am Donnerstagabend bei der Kuratoriumssitzung der Stiftung unter Leitung ihres neuen Präsidenten, des Linzer Diözesanbischofs Manfred Scheuer, beschlossen. Bischof Scheuer hatte im Februar mit einer kleinen Delegation Erbil (die Hauptstadt der autonomen kurdischen Region im Irak) und die kürzlich aus der Hand der IS-Terroristen befreite Ninive-Ebene besucht und dem chaldäisch-katholischen Patriarchen Mar Louis Raphael Sako den Kardinal-König-Preis überreicht. Die Überreichung dieses Preises soll, wie es bei der Kuratoriumssitzung hieß, als „Initialzündung“ für ein umfangreicheres Programm verstanden werden, das den Christen des Zweistromlandes – Erben der frühchristlichen Tradition – helfen soll, in ihrer angestammten Heimat bleiben zu können.

Es geht um ein dreistufiges Programm, das die Kardinal-König-Stiftung in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen verwirklichen will: Mar Louis Raphael Sako hat die Idee lanciert, dass Diözesen, Nationen , kirchliche Organisationen die Patenschaft für den Wiederaufbau von jeweils einem Dorf oder einer Kleinstadt in der Ninive-Ebene übernehmen soll. In diesem Sinn will die Kardinal-König-Stiftung eine österreichische Plattform initiieren, damit im Raum Telskof/Bakofa ein Ort als „Österreich-Dorf“ unter die Fittiche genommen wird. Auch an die österreichische Bundesregierung soll in diesem Zusammenhang herangetreten werden.

Das Programm sieht aber auch vor, dass erfahrene christlich inspirierte Politiker aus westlichen Ländern den Christen im Irak bei der Vertretung ihrer Interessen im Rahmen der politischen Neuordnung nach der Überwindung der IS-Terroristen beratend zur Seite stehen sollen. Und schließlich möchte man christlichen irakischen Schülerinnen und Schülern nach den traumatischen Erlebnissen der letzten Jahre im Rahmen einer „Summer School“ in einem libanesischen Kloster positive Eindrücke vermitteln.

Die Kardinal-König-Stiftung folgt aber auch in einem anderen Bereich den wegweisenden Schritten ihres Namensgebers, wie die Generalsekretärin der Stiftung (und Leiterin des Kardinal-König-Archivs), Annemarie Fenzl, betonte. Ab Herbst 2017 soll es alljährliche „Cardinal Koenig Lectures“ geben, die einem zentralen Thema des Kardinals gewidmet sind: Dem Verhältnis von Religion und Naturwissenschaft, von „fides“ (Glaube) und „ratio“ (Vernunft), wie der Wiener Mediziner (und einstige Sekretär von Kardinal König), Prof. Johannes Huber, bei der Kuratoriumssitzung sagte. Man könne den Glauben an Gott nicht „beweisen“, aber der Glaube habe den Anspruch auf „Vernünftigkeit“. Bei den „Cardinal Koenig-Lectures“ ist eine Zusammenarbeit mit der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien angedacht. Es wird aber auch Kooperationen mit der neuen „Akademie am Dom“ (früher: Wiener Katholische Akademie) und mit der Buchhandlung „Herder“ geben. U.a. wird sich die Kardinal-König-Stiftung an der Präsentation des Buches „Die Bibel im Koran“ von Prof. Karl-Josef Kuschel (Tübingen) am 12. September beteiligen, in das auch wesentliche Erkenntnisse des seit 2007 laufenden Forschungsprojekts „Corpus Coranicum“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften eingeflossen sind.

Im Sinn des von Kardinal König unterstützten interreligiösen Dialogs wird die Stiftung auch eine Initiative von katholischen, evangelischen, jüdischen und muslimischen Studentinnen fördern, die an der Universität Wien unter dem Titel SIRD (Students for Interreligious Dialogue) einen Dialog nach der Methode des an der Universität Cambridge entwickelten „Scriptural Reasoning“ (gemeinsames Lesen eines religiösen Textes, Reflexion und Diskussion der zentralen Aussagen) gestartet haben.

Bei der Kuratoriumssitzung wurde auch die Vizepräsidentschaft der Stiftung neu geregelt: Prof. Erich Leitenberger folgt auf Prof. Heinz Nussbaumer nach. (ende)