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Franz König

Pro Oriente

Neuer Papstappell für das „geliebte und gepeinigte“ Syrien

Weltkirchenrat verurteilt Attacke auf Evakuierte aus regierungstreuen Kleinstädten in der von Extremisten kontrollierten Provinz Idlib – Selbstmordattentäter richtet in Buskolonne in Rashidin bei Aleppo Blutbad an

Vatikanstadt-Genf, 16.04.17 (poi) Papst Franziskus hat in seiner Osterbotschaft „Urbi et orbi“ besonders die dramatische Situation in Syrien angesprochen. Wörtlich sagte der Papst in diesem Zusammenhang, wobei er ausdrücklich auch auf das Blutbad von Rashidin unter Evakuierten aus regierungstreuen Kleinstädten in der Provinz Idlib Bezug nahm: „Der auferstandene Herr leite angesichts der vielschichtigen und mitunter dramatischen Geschehnisse bei den Völkern die Schritte derer, die nach Gerechtigkeit und Frieden suchen; er gebe den Verantwortlichen der Nationen den Mut, das Ausweiten der Konflikte zu verhindern und den Waffenhandel zu unterbinden. In diesen Zeiten unterstütze er besonders die Bemühungen aller, die sich aktiv dafür einsetzen, Entlastung und Ermutigung der Zivilbevölkerung in Syrien, dem geliebten und gepeinigten Syrien, zu bringen, die Opfer eines Krieges ist, der nicht aufhört, Schrecken und Tod zu verbreiten. Erst gestern ist der letzte verwerfliche Angriff auf die sich auf der Flucht befindlichen Vertriebenen geschehen, der zahlreiche Tote und Verwundete verursacht hat. Der Auferstandene gebe Frieden im ganzen Nahen Osten, angefangen vom Heiligen Land, aber auch im Irak und im Jemen“.

In Syrien, wo seit mehr als sechs Jahren Krieg herrscht, hat Ostern eine „konkrete Bedeutung“, sagte der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo (und Präsident der syrischen Caritas), Mar Antonios Audo, am Sonntag im Gespräch mit „Radio Vatikan“: „Die Situation bleibt tragisch. Das gilt auch am heutigen Ostersonntag. Wir fühlen uns wahrlich von den Osterereignissen im Glauben berührt. Trotz allem herrscht bei uns die Freude der Auferstehung Christi. Für uns ist es ein großes Anliegen, uns mit dem Herrn vereint zu fühlen“. Gerade nach den jüngsten dramatischen Ereignissen sei es wichtig, sich für das Land einzusetzen. Die Welt dürfe nicht wegschauen, was in Syrien derzeit geschehe, betonte der Bischof. Die Papstworte zur Lage in Syrien seien eine große Unterstützung. Die Syrer seien ihm und dem Einsatz vieler Christen dankbar. Wörtlich fügte Mar Antonios Audo hinzu: „Die Menschen hier sagen, dass es ohne die Hilfe der Kirche, ohne den Einsatz der internationalen Organisationen wie der Caritas, ohne das Engagement des Papstes nicht möglich wäre zu überleben. Es wäre dann schlicht und einfach nur eine Tragödie. Es gibt einen großen Konsens darüber, dass mit der Hilfe der Kirche immerhin die Grundbedürfnisse wie Essen, Bildung und Gesundheit abgedeckt werden“.

Der Weltkirchenrat hat die Attacke eines Selbstmordattentäters auf eine Buskolonne mit Evakuierten in Rashidin bei Aleppo scharf verurteilt. Die Buskolonne sollte rund 5.000 Personen aus den beiden regierungstreuen, aber von islamistischen Milizen belagerten Kleinstädten Al-Fuah und Kafraya in der Provinz Idlib in die jetzt wieder zur Gänze von der Regierung kontrollierte Metropole Aleppo bringen. Als in der Nähe einer Tankstelle in Rashidin angehalten wurde, raste der Selbstmordattentäter in die Buskolonne. Nach Berichten von Augenzeugen hatte der Attentäter zur Tarnung Kindernahrung geladen. Die regierungstreuen Bewohner von Al-Fuah und Kafraya sollten im Austausch gegen Rebellen aus den von Regierungstruppen belagerten Kleinstädten Madaya und Zabadani westlich von Damaskus evakuiert werden; der Deal war von iranischen und katarischen Diplomaten ausgehandelt worden. In Rashidin starben nach ersten Angaben mehr als 120 Personen, darunter mindestens die Hälfte Kinder, zahllose Evakuierte wurden verletzt. Die Konsequenzen des Blutbads von Rashidin sind nicht abzusehen. Die Operation „Evakuierung“ ist jedenfalls zum Stillstand gekommen, weil die Menschen aus Angst vor Repressalien keine Busse mehr besteigen wollen. Dabei hatte die UNO die Situation in den belagerten Kleinstädten und Dörfern bereits im Vormonat als „katastrophal“ beschrieben.

„Der Teufelskreis extremer Gewalt zeigt die dringende Notwendigkeit praktischer Fortschritte bei den Friedensbemühungen für Syrien zur Beendigung des Blutvergießens“, sagte der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Pfarrer Olav Fykse Tveit, im Hinblick auf die Geschehnisse in Rashidin. Allen beteiligten Regierungen und bewaffneten Gruppierungen gelte der dringende Appell, die Anwendung tödlicher Gewalt sofort zu beenden und sich für einen politischen Prozess für Frieden in Syrien, für die Zukunft des Landes und seiner Menschen, einzusetzen, betonte Fykse Tveit.

Der Weltkirchenrat bringe seine tiefe Sympathie für die Familien der Opfer zum Ausdruck, stellte der Generalsekretär fest: „Wir beten zu Gott, dass er sie tröstet und die Wunden heilt. Wir beten aber auch zum Gott der Gerechtigkeit und des Friedens, dass er das syrische Volk in diesen kritischen und schmerzlichen Augenblicken begleitet“. Er lade die Christen „und alle an Gott Glaubenden“ zu einem Gebetssturm für den Frieden und die Beendigung des Blutvergießens in Syrien ein, so Pfarrer Fykse Tveit. (ende)